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Forum der Neuen Freiheit
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Di Jun 30, 2009 11:19 Titel: |
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Anspruch und Wirklichkeit
=== Die Banken behalten das billige Geld für sich
Es ist das alte Klagelied, aber noch nie waren die Töne schriller. Da bekommen die Geldinstitute von der Europäischen Zentralbank (EZB) Milliarden Euro fast für lau hinterher geworfen, doch der gemeine Bankkunde profitiert in keiner Weise vom billigen Geld. Im Gegenteil: Während seine Sparguthaben beinahe täglich niedriger verzinst werden, verbessern sich die Kreditkonditionen kaum. Insbesondere bei den Überziehungszinsen für Girokonten spüren die Verbraucher nichts vom billigen Geld.
Das ganze Ausmaß der Absurdität wurde am Mittwoch offenbar. Die Währungshüter der EZB öffneten die Geldschleusen abermals weit. Ihr Angebot an die Banken und Sparkassen, sich erstmals für ein Jahr bei der Notenbank unbegrenzt Geld zu einem Prozent zu leihen, fand reißenden Absatz: 1121 Banken aus der Eurozone nahmen das Angebot an. Die Notenbank teilte fast eine halbe Billion Euro zum Festzins von einem Prozent zu - ein Rekordwert.
Die EZB teilte den Instituten für 371 Tage insgesamt 442,241 Mrd. Euro zu. Das entspricht immerhin 1300 Euro für jeden Bürger der 16 Staaten umfassenden Eurozone.
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Bislang sind die Banken die einzigen Profiteure des billigen Geldes. Das zeigt eine Analyse des Verbraucherportals Biallo. Während die Kreditinstitute Bares für ein Prozent von der Notenbank bekommen, stellen sie ihren Kunden für Überziehungen des Girokontos noch immer rund zwölf Prozent in Rechnung. Im Klartext: Am Dispo verdienen die Institute im Schnitt eine Zinsmarge von elf Prozent. Während die Währungshüter seit vergangenem Herbst die Sätze um 3,25 Prozentpunkte nach unten geschleust haben, sind die durchschnittlichen Überziehungskonditionen der Banken und Sparkassen noch nicht einmal um einen Prozentpunkt gefallen.
Die Sparer hingegen haben die niedrigen Zinsen rascher zu spüren bekommen. So sind nach Angaben von Biallo die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen von fast vier auf inzwischen 1,6 Prozent abgeschmolzen.
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Doch die kritischen Stimmen werden lauter. Bundesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften forderten, dass die Banken die Liquidität auch an Unternehmen und Verbraucher weitergeben. Bundesbank-Präsident Axel Weber drohte den Banken mit einer härteren Gangart für den Fall, dass sie die Zinssenkungen nicht weitergeben. "Dann werden die Notenbanken die Banken umgehen müssen und die Wirtschaft direkt stützen."
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http://www.welt.de/finanzen/article3994094/Die-Banken-behalten-das-billige-Geld-fuer-sich.html
=== Zehntausende Beamte mit 45 in Pension
Post, Postbank und Telekom haben seit 2002 rund 25.000 Beamte wegen Dienstunfähigkeit in Frühpension geschickt. Das Durchschnittsalter bei Verlassen des Unternehmens schwankt zwischen 45 und 48 Jahren, wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP ergab. Für die Ruhestandsbezüge kommt die Postbeamten-Versorgungskasse lebenslang auf.
Diese wird nach einem 2000 erlassenen Bundesgesetz zu zwei Dritteln vom Bund und zu einem Drittel von den Post-Nachfolgeunternehmen getragen. Zur Begründung für die Massenfreisetzungen teilt die Bundesregierung mit, die drei Nachfolgeunternehmen der Deutschen Bundespost seien "grundsätzlich bemüht", eine "amtsangemessene" Beschäftigung für ihre Beamten zu finden.
Allerdings führten "wirtschaftliche Zwänge, der verschärfte Wettbewerb und die Erwartungen der Kapitalanleger zu zunehmenden Problemen". Allein bei der Deutschen Post AG verließen in den sieben Jahren bis Ende 2008 rund 13.500 Beamte wegen Arbeitsunfähigkeit ihren Arbeitgeber. Bei der Deutschen Telekom AG waren es gut 9000, bei der Deutschen Postbank 2100.
Nach Recherchen der ARD-Sendung "Report Mainz" wurde ein Telekom-Beamter wegen Rückenbeschwerden für dienstunfähig erklärt. Kurz darauf gewann er die Vereinsmeisterschaft im Tennis. "Diese Frühverrentungspraxis konterkariert die Rente mit 67", sagte FDP-Fraktionsvize Rainer Bürderle. "Für tennisspielende dienstunfähige Jungpensionäre kann kein Steuerzahler Verständnis haben. Die Bundesregierung muss als großer Anteilseigner bei den Post-Nachfolgeunternehmen Missbrauch verhindern".
http://www.rp-online.de/public/article/wirtschaft/news/726227/Zehntausende-Beamte-mit-45-in-Pension.html
=== Kabinett beschließt Rekordschulden-Etat
Die Wirtschafts- und Finanzkrise treibt die Neuverschuldung des Bundes in Rekordhöhen. Für das kommende Jahr plant der Bund eine Nettokreditaufnahme von 86,1 Milliarden Euro. Hinzu kommen neue Kredite für die Bankenrettung und zur Konjunkturbelebung. Damit wird der Bund sein Defizit im Vergleich zu diesem Jahr etwa verdoppeln. Im Jahr 2009 wird er mit derzeit geplanten 47,6 Milliarden Euro schon so viele neue Kredite aufnehmen wie nie zuvor in der Nachkriegsgeschichte.
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Der Bundesfinanzminister beklagte eine zunehmende „Verkarstung“ des Haushalts. Zinsausgaben, Zuschüsse zur Rentenversicherung, gesetzlich fixierte Leistungen und die Betriebskosten des Bundes addierten sich auf 75 bis 80 Prozent der gesamten Ausgaben. Entsprechend gering sei der Gestaltungsspielraum der Regierung.
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http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E9C4FD967348B4917A1CC6A69893D9808~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Man beachte, daß 2010 für "Arbeit und Soziales" 150 Mrd Euro ausgegeben werden sollen und für die Bundesschuld 40 Mrd Euro.
Das sind 190 Mrd Euro. Die Gesamtausgaben sollen bei ca 325 Mrd liegen. Zieht man die Neuverschuldung von ca 85 Mrd ab, bleiben 240 Mrd an Einnahmen übrig.
Das meint Steinbrück also mit "Verkarstung"...
http://www.faz.net/m/%7B54FA4992-5269-436D-AC4E-99E64AA58644%7DPicture.jpg
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Do Jul 02, 2009 13:25 Titel: |
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Die Einschläge kommen immer näher.
Passend dazu eine Aussage von Eigentlümlich Frei:
"In zwei Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente (und Pension!) und die geburtenschwachen Jahrgänge „bereichern“ den Arbeitsmarkt."
=== Deutschland macht 507 Milliarden Euro Schulden
Bund, Länder und Gemeinden rechnen einem Zeitungsbericht zufolge damit, bis 2013 zusammen rund 507 Milliarden Euro an neuen Krediten aufnehmen und damit so viel neue Schulden wie noch nie. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Länderkreise berichtete, werden sie kommende Woche im Finanzplanungsrat beschließen, für dieses Jahr insgesamt 112 Milliarden Euro aufzunehmen. Im nächsten Jahr sollen es 132 Milliarden Euro und in den folgenden drei Jahren 109 Milliarden, 85 Milliarden und 69 Milliarden Euro sein. Hauptgrund seien Steuerausfälle infolge der Rezession.
Die Bundesregierung hatte vergangene Woche für den Bund allein mit einer Neuverschuldung von 86 Milliarden Euro für 2010 den größten Schuldenhaushalt in der bundesdeutschen Geschichte beschlossen.
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http://www.welt.de/wirtschaft/article4040837/Deutschland-macht-507-Milliarden-Euro-Schulden.html
=== Kalifornien ruft den finanziellen Notstand aus
Kalifornien droht der Finanzkollaps. Gouverneur Arnold Schwarzenegger erklärte einen Finanznotstand, nachdem es dem Parlament des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaates nicht gelungen war, bis zum Beginn des neuen Finanzjahres am 1. Juli ein Milliardenloch im Haushalt zu schließen. Der Finanz-Notstand schreibt den Abgeordneten nun vor, binnen 45 Tagen ein Budget vorzulegen.
Als sofortige Sparmaßnahme ordnete Schwarzenegger am Mittwoch für über 200.000 Staatsangestellte unbezahlten Zwangsurlaub an. Drei Tage pro Monat werden sie nicht zur Arbeit gehen und damit auch keinen Lohn kassieren.
Schwarzenegger bezifferte das Haushaltsloch bis Juni 2010 auf 26,3 Milliarden Dollar, zwei Milliarden mehr als noch vor einem Monat. Bereits Anfang Juni hatte der Republikaner das von Demokraten beherrschte Parlament mit deutlichen Worten zu einer raschen Entscheidungen über den Haushaltsetat aufgefordert, um Kalifornien vor einer drohenden Pleite zu bewahren. „Wenn wir nichts unternehmen, geht dem Staat einfach das Geld aus“, warnte Schwarzenegger.
Schwarzenegger drängt auf milliardenschwere Einsparungen vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, Bildung und Soziales. Vorschläge, die Steuererhöhungen, Anleihen oder nur kosmetische Änderungen vorsehen, würde er nicht akzeptieren. Der Gouverneur stellte auch in Aussicht, dass der Staat ab sofort einige seiner Verpflichtungen mit Schuldscheinen – sogenannten IOUs – bezahlen wird.
Dies war in Kalifornien zuletzt 1992 während einer schweren Etatkrise der Fall. Zehntausende von Staatsangestellten erhielten damals wochenlang keinen Cent Bargeld und mussten von ihren Ersparnissen leben. Außerdem waren sämtliche Gelder für die staatliche Gesundheitsfürsorge gesperrt, was die Betreuung von Bedürftigen, alten und behinderten Menschen bedrohte. Zahlreiche Pflegeheime und Ärzte mussten ihre Dienste einschränken.
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http://www.welt.de/wirtschaft/article4040630/Kalifornien-ruft-den-finanziellen-Notstand-aus.html
=== AIG warnt vor Verlusten von 190 Milliarden Dollar
Der bereits durch Milliardenhilfen gestützte US-Versicherer AIG hat vor neuen massiven Risiken in seinem Geschäft mit europäischen Banken gewarnt. Bei einer weiteren Talfahrt der Märkte drohten durch Wertpapiere im Umfang von fast 193 Milliarden Dollar (137 Milliarden Euro) zusätzliche Verluste in noch unbekannter Höhe.
Die Risiken könnten länger bestehen als erwartet und den Konzern zusätzlich belasten, räumte AIG in einer Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht SEC ein. Die Gefahren durch an Banken in Europa verkaufte Papiere stammen aus genau jenem Bereich, der AIG an den Rande des Abgrunds gebracht hatte.
Aus Angst vor einem Kollaps mit globalen Folgen war der einst weltgrößte Versicherer vergangenes Jahr weitgehend verstaatlicht worden. Die gesamten öffentlichen Finanzhilfen summieren sich bislang auf rund 180 Milliarden Dollar.
Für 2008 hatte der Konzern einen in der US-Geschichte einmaligen Verlust von knapp 100 Milliarden Dollar ausgewiesen. Das tatsächliche Ausfallrisiko für AIG liegt in der Hand der Banken in Europa. Aufgrund geänderter europäischer Vorschriften erwartet der Versicherer, dass die meisten der Geschäfte ohnehin binnen eines Jahres aufgelöst werden. Garantiert ist dies aber nicht, daher die neue Warnung.
Die verschärften Risiken drohen durch Papiere, die AIG den Banken als Versicherung gegen Zahlungs- und Kreditausfälle verkaufte (“Credit Default Swaps“). Diese Kreditderivate entfallen etwa je zur Hälfte auf Unternehmensdarlehen und auf Immobilienhypotheken.
http://www.welt.de/wirtschaft/article4030111/AIG-warnt-vor-Verlusten-von-190-Milliarden-Dollar.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Fr Jul 10, 2009 10:12 Titel: |
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Vor allem der Soros Kommentar bietet einigen Gesprächsstoff.
=== Warum wir uns in die Inflation stürzen sollten
Die Zukunft der Weltwirtschaft hängt sehr davon ab, ob Präsident Obama so umfassende und zusammenhängende Maßnahmen erlassen wird. Fast ebenso wichtig ist die Reaktion Chinas, Europas und anderer wichtiger Player. Wenn die internationale Zusammenarbeit gut funktioniert, kann die Weltwirtschaft vielleicht schon wieder Ende 2009 ihre tiefe Talsohle verlassen. Ohne einen koordinierten Ansatz wird der Niedergang noch wesentlich länger anhalten und in ein wirtschaftliches und politisches Chaos münden. Und selbst bei einer hervorragenden Zusammenarbeit werden wir wahrscheinlich wilde Marktschwankungen erleben.
In den kommenden beiden Jahren wird die Regierung eine unverhältnismäßig große Rolle in der Wirtschaft spielen, weil sie nahezu die einzige Finanzierungsquelle darstellt. Der Staat wird einen bedeutenden Teil des Bankensystems und über die Banken einen erheblichen Anteil an Gewerbeimmobilien übernehmen. Auch in der Automobilindustrie wird er das Sagen haben, hoffentlich jedoch nicht in allzu vielen weiteren Branchen. In den Wohnimmobilienmarkt wird er auf jeden Fall verwickelt sein. Dadurch entsteht ein gigantisches Agency-Problem - ein Problem, das entsteht, wenn Treuhänder ihre eigenen Interessen über die der Auftraggeber stellen. Das Agency-Problem führte den Kommunismus ins Verderben. In einer idealen Welt würden die Menschen leisten, was sie können, und erhalten, was sie brauchen, doch in der Praxis neigen die Mächtigen dazu, ihre eigenen Bedürfnisse und die ihrer Angehörigen über die der anderen zu stellen. Ironischerweise war das Agency-Problem auch ein wichtiger Faktor beim Zusammenbruch des Immobilienmarkts in den USA. Als die Investmentbanker aus risikoreichen Hypotheken CDO schnürten, dachten sie, sie würden so das Risiko durch Streuung mindern; tatsächlich jedoch schufen sie zusätzliche Risiken, indem sie die Interessen der Agenten von den Interessen der Eigentümer trennten.
Für das Agency-Problem gibt es keine einfache Lösung. Transparenz und Rechenschaftspflicht sind hilfreich, doch der Teufel steckt im Detail. Wir haben Glück, dass eine Regierung, die nicht an die Handlungsmacht des Staates glaubte, von einer Regierung abgelöst wurde, die das tut. Präsident Obama hat eine Welle der Begeisterung geweckt und kann diese hoffentlich in eine Stimmung umwandeln, die in Zeiten der Krise den Dienst an der Öffentlichkeit obenan stellt und sich mit dem Gemeinwohl identifiziert. Doch selbst dann birgt die überdimensionierte Rolle des Staates eine große Gefahr für die politische und wirtschaftliche Zukunft.
Die Rekapitalisierung des Bankensystems und die Neuordnung der Immobilienfinanzierung sollten so weit wie möglich strikten Regeln folgen. Die Finanzbehörden - insbesondere das Finanzministerium und die Notenbank - haben es sich zur Tradition gemacht, in Krisensituationen willkürlich und heimlich zu agieren. Das ist notwendig, damit Krisen nicht außer Kontrolle geraten. Aber unter Henry Paulson geriet die Situation trotzdem aus dem Ruder, und sein eigenmächtiges und willkürliches Handeln machte alles nur noch schlimmer. Wenn man von Fall zu Fall entscheidet, gerät man leicht unter den Einfluss von Lobbyisten und politischen Überlegungen. Die Obama-Administration muss mit dieser Tradition brechen und systemische Reformen durchführen.
Das Vorhaben, Geld in die Wirtschaft zu pumpen, wird in zwei Bereichen auf Schwierigkeiten stoßen: bei den Devisenkursen und bei den Zinsen. In der derzeitigen Finanzkrise geriet der Dollar schon früh unter Druck, erlebte aber eine starke Erholung, als sich die Krise zuspitzte. Zu spät erkannte ich, dass die Stärke des Dollars in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 nicht auf dem verstärkten Wunsch basierte, Dollars zu besitzen, sondern auf den zunehmenden Schwierigkeiten, Dollars zu leihen. Internationale Banken hatten viele auf Dollar lautende Vermögenswerte erworben, die sie bislang über Interbankengeschäfte finanziert hatten. Als der Markt einbrach, waren sie gezwungen, Dollars zu kaufen. Gleichzeitig besaßen Peripherieländer viele auf Dollar lautende Verbindlichkeiten, die sie zurückzahlen mussten, als sie sie nicht umschulden konnten.
Russland und die osteuropäischen Länder am Rand der Eurozone waren stärker an den Euro gebunden. Aber als der russische Markt zusammenbrach, wirkte sich das dennoch in gleicher Weise auf den Dollar aus, weil die russische Zentralbank zu viele Euro gekauft hatte und diese verkaufen musste, um den Rubel zu stützen. Der Trend kehrte sich Ende 2008 vorübergehend um, als die US-Notenbank die Zinssätze praktisch auf null senkte und die Politik des "Quantitative Easing" verfolgte. Der Euro erholte sich schlagartig, allerdings währte die Kurserholung nicht lange, da die Eurozone mit eigenen internen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.
Dass Deutschland und die Europäische Zentralbank eine andere Sichtweise der globalen Wirtschaftskrise vertreten als der Rest der Welt, wird wahrscheinlich noch für starke Devisenkursschwankungen sorgen und einer Erholung im Weg stehen. Die Europäische Zentralbank arbeitet mit asymmetrischen Richtlinien: Sie ist verpflichtet, sich nur um die Aufrechterhaltung der Preisstabilität zu kümmern, nicht um Vollbeschäftigung. In Deutschland ist die Erinnerung an die galoppierende Inflation in der Weimarer Republik noch sehr lebendig, die als Vorbote der NS-Diktatur gesehen wird. Beide Faktoren sprechen gegen finanzpolitische Verantwortungslosigkeit und unbegrenzte Geldschöpfung. Das sollte den Euro als Krisenwährung begünstigen, doch die internen Spannungen Europas arbeiten in die entgegengesetzte Richtung.
Vermögende werden sich auf der Suche nach Sicherheit immer mehr Yen und Gold zuwenden, doch könnten sie - eher beim Yen als bei Gold - auf Widerstand seitens der Behörden stoßen. Und es wird zu einem Tauziehen zwischen denjenigen kommen, die nach Sicherheit streben, und jenen, die ihre Reserven einsetzen müssen, um ihre Unternehmen zu retten. Bei all diesen widerstreitenden Kräften müssen wir uns auf starke Währungsschwankungen einstellen.
Der Weg aus der Deflationsfalle führt zunächst über eine Inflation und ihre anschließende Eindämmung. Das ist eine komplizierte Operation, deren Erfolg bei weitem nicht garantiert ist. Sobald die wirtschaftliche Aktivität in den USA wiederauflebt, werden die Zinsen für Staatsanleihen in die Höhe schießen. Ein Anstieg der langfristigen Zinssätze wird den Aufschwung wahrscheinlich abwürgen. Die Aussicht auf die stark erhöhte Geldmenge, aus der sich eine Inflation entwickelt, wird wohl zu einer Periode der Stagflation führen. Das wäre jedoch ein Luxusproblem und durchaus wünschenswert, weil so eine längere Depression verhindert würde.
Die Vorstellung, dass die US-Wirtschaft in den kommenden zehn Jahren eine Wachstumsrate von drei Prozent oder mehr aufweist, fällt zwar schwer, dennoch ist diese Entwicklung möglich. Die Vereinigten Staaten haben bislang ein chronisches Leistungsbilanzdefizit produziert, das in Spitzenzeiten über sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug. Das wird verschwinden, stattdessen werden die USA eine schwere Bürde an Auslandsschulden schultern müssen, die durch die Haushaltsdefizite der nächsten Jahre weiter anschwellen wird. Der Anteil des Konsums am BIP muss sinken. Der Finanzdienstleistungssektor, der bisher der am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig war, wird schrumpfen. Leider haben wir es zudem mit einem ungünstigen demografischen Trend zu tun, da die geburtenstarken Jahrgänge zunehmend das Rentenalter erreichen. All das sind negative Einflüsse.
Doch wir können auch positive Entwicklungen erwarten: eine gerechtere Einkommensverteilung, sowohl national als auch international. Bessere Sozialleistungen einschließlich einer verbesserten Bildung. Eine konstruktive Energiepolitik mit umfangreichen Investitionen in alternative Energien und Energiesparmaßnahmen. Geringere Militärausgaben. Ein schnelleres Wachstum in den Entwicklungsländern, das die Exportmärkte stärkt und bessere Investitionsmöglichkeiten eröffnet. Doch selbst mit einer optimalen Politik wird das US-Binnenwachstum wahrscheinlich der globalen Wirtschaft hinterherhinken. Wenn ich zwischen den verschiedenen Formen wählen müsste, die eine Rezession annehmen kann, würde ich mich für ein umgekehrtes Wurzelzeichen entscheiden, bei dem der tiefste Punkt Ende 2009 erreicht wäre.
http://www.welt.de/finanzen/article4079797/Warum-wir-uns-in-die-Inflation-stuerzen-sollten.html
=== US-Zentralbank: Abgeordnete fordern umfassende Bilanzprüfung
von Robert Grözinger
Die freiheitliche „Ron Paul Revolution“ etabliert sich allmählich als Faktor in der Politik
Ein Gesetzentwurf des US-Kongresses sieht vor, dass die Federal Reserve, das Zentralbanksystem der Vereinigten Staaten, erstmals in ihrer fast 100-jährigen Geschichte einer vollständigen Bilanzprüfung unterzogen werden soll. Initiator dieses Vorhabens ist Ron Paul. Der republikanische Abgeordnete aus Texas hatte als Kandidat im Vorwahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2008 für Wirbel gesorgt, als sein radikal freiheitliches Programm auf unerwartet hohe Resonanz stieß. Seine Unterstützer organisierten sich spontan über das Internet und riefen so nebenbei eine neue Freiheitsbewegung ins Leben, die „Ron Paul Revolution“. Zu den zentralen Forderungen Pauls im Wahlkampf gehörten der Rückzug amerikanischer Truppen aus dem Ausland sowie die Abschaffung der Bundeseinkommenssteuer und der Federal Reserve. Insbesondere letzteres fordert Paul seit Beginn seiner politischen Karriere in den 1970er Jahren, und zwar mit der Begründung, dass das Geldmonopol dieser Institution und das von ihr geförderte Teilreservebankwesen zu heftigen Verwerfungen in der Wirtschaft, zu Inflation, Konjunkturschwankungen und Rezessionen führt, zu einer Bereicherung der Wenigen, die gute Beziehungen haben, auf Kosten der Vielen. Ganz abgesehen davon, dass ein solches, staatlich geschütztes Monopol auch dann unmoralisch ist, wenn gewissenhafte Zentralbanker – oder ist das ein Oxymoron? – wie durch ein Wunder diese Wirkungen ihrer Institution vermeiden könnten.
Obwohl Pauls offizielles Kampagnenziel einer Präsidentschaftskandidatur oder gar das Amt selbst nicht erreicht wurde, treibt der ungewöhnlich prinzipienfeste Politiker seine Ideen weiter voran. Im Februar 2009 reichte er die entsprechende Gesetzesinitiative mit dem Kürzel „H.R. 1207“ ein, für die sich nach Angaben der Website RonPaul.com bis zum 5. Juli 2009 mit 245 Abgeordneten bereits 55 Prozent des Repräsentantenhauses als Unterstützer zu erkennen gegeben haben. Das ist ein gewaltiger Erfolg für einen Mann, der die meiste Zeit seiner politischen Karriere die Funktion des einsamen, verlachten oder ignorierten Mahners in der Wüste erfüllte. Der Grund für die plötzliche Popularität seiner Initiative ist ebenso wie die Resonanz auf seinen Wahlkampf in der Graswurzelaktivität seiner Anhänger im Volk zu finden. Auf RonPaul.com ist beispielsweise ein Briefmuster für Abgeordnete zu finden, in dem sie aufgefordert werden, H.R. 1207 zu unterstützen. Repräsentanten berichten, dass es bei Versammlungen in ihren Wahlkreisen regelmäßig eine Handvoll Leute gibt, die zur Unterstützung dieses Gesetzentwurfs aufrufen.
Kritiker der Initiative weisen darauf hin, dass die Fed bereits jetzt Bilanzprüfungen unterzogen wird. Das ist jedoch nur formal richtig. In Wahrheit gibt es ganz erhebliche Einschränkungen. Nach bestehender Gesetzeslage darf der oberste Rechnungsprüfer der USA die Fed nur mit ihrer Genehmigung prüfen. Außerdem sind entscheidende Bereiche der Prüfung gänzlich entzogen: Transaktionen für oder mit ausländischen Zentralbanken, ausländischen Regierungen oder anderen, nichtprivaten internationalen Finanzorganisationen; alle geldpolitischen Beratungen, Entscheidungen und Handlungen, einschließlich Diskontkredittransaktionen, Reserven der Mitgliedsbanken, Wertpapierkredite, Einlagenzinsen und Offenmarkttransaktionen sowie sämtliche Kommunikation zwischen Vorstandsmitgliedern und Mitarbeitern der Federal Reserve in Bezug auf diese Aktivitäten. Da fragt man sich schon, was bei der Fed außer der Pförtnerloge und der Putzkolonne sonst noch geprüft werden darf.
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http://ef-magazin.de/2009/07/07/1334-us-zentralbank-abgeordnete-fordern-umfassende-bilanzpruefung |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Fr Sep 04, 2009 12:51 Titel: |
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China kauft für 50 Milliarden Dollar IWF-Anleihen
China wird Anleihen des Internationalen Währungsfonds im Wert von rund 50 Milliarden Dollar (etwa 35 Milliarden Euro) kaufen. Dies vereinbarten nach Angaben des IWF der Direktor des Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, und der stellvertretende Gouverneur der chinesischen Notenbank, Yi Gang, am Mittwoch in Washington.
Wie es in der Mitteilung des IWF im Internet weiter heisst, biete das Abkommen China ein sicheres Investitionsinstrument. Es erhöhe gleichzeitig die Möglichkeiten des IWF, für seine Mitgliedsstaaten die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise abzufedern. Ausserdem werde damit eine schnelle Erholung der Weltwirtschaft erleichtert.
Der europäische Anteil an der angestrebten Mittelaufstockung werde von bisher 75 Milliarden Euro auf nunmehr 125 Milliarden Euro erhöht, sagte der deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen am Mittwoch in Brüssel nach Beratungen im EU-Finanzministerrat. «Das ist ein wichtiger Durchbruch.» Der IWF mit Sitz in Washington soll zur Krisenfeuerwehr und obersten Welt-Finanzaufsicht ausgebaut werden, deshalb müssen seine Mittel erhöht werden.
Der IWF hatte am 1. Juli grünes Licht für die erstmalige Ausgabe von Anleihen in seiner 60-jährigen Geschichte erteilt. Das neue Finanzierungsinstrument demonstriere die Entschlossenheit des Fonds, die Folgen der Wirtschaftskrise frontal anzugehen, betonte damals Strauss-Kahn. Zugleich seien die IWF-Anleihen eine sichere Investition für die 186 Mitglieder des Fonds.
Die Anleihen werden in der Kunstwährung der Weltwährungsfonds, den sogenannten Sonderziehungsrechten, begeben. Diese beruhen auf einem Währungskorb aus US-Dollar, Euro, Yen und Pfund Sterling. Die Laufzeit der IWF-Bonds beträgt maximal fünf Jahre.
http://www.cash.ch/news/boersenticker/china_kauft_fuer_50_milliarden_dollar_iwfanleihen-827768-450 |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Mo Sep 14, 2009 09:49 Titel: |
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Ein Blick auf Japan. Da sind schon ein paar Knaller dabei:
1 ) Im Reich des Tennos sind es dagegen die eigenen braven Bürger, die der Regierung die niedrig verzinsten Papiere abkaufen. Nur acht Prozent der Staatsanleihen landen bei ausländischen Investoren. Erstaunliche zehn Prozent kauft die Notenbank, zwölf Prozent die staatliche Rentenkasse, und unglaubliche 31 Prozent übernimmt die Postbank.
2 ) Japan hat zur Zeit eine Staatsverschuldung von 190% des BIP! Per Ende Juni, so der Artikel, standen 684 Billionen Yen Staatsanleihen aus, der Zinsdienst verschlingt 23% des ganzen Haushaltes. Erstaunlich wenig! Japanische 5-jährige Anleihen rentieren mit 0,61%! 10jährige Bonds liegen bei ca. 1,45% Rendite. Einerseits braucht das Land Wachstum, um mit mehr Steuereinnahmen die Schulden abzutragen, andererseits würde ein Anspringen der Konjunktur die Zinsen hochschnellen lassen und sofort in die Hyperinflation münden.
Wenn die Schulden im Mittel mit 1% finanziert werden, dann sorgte eine Vervierfachung der Zinsen (4% ist wirklich nicht viel!) dafür, dass der Zinsdienst den kompletten Haushalt auffrisst.
=== Japan: Süchtig nach Schulden
Mythen umranken eine japanische Banknote. Eigentlich ist der Zweitausend-Yen-Schein ein gesetzliches Zahlungsmittel. Doch viele Japaner kennen ihn besser als Stoff einer Legende. Denn kaum ein Geldautomat gibt die Note aus, an kaum einer Ladenkasse erhalten die Kunden den geheimnisvollen Schein. Das weckt die Lust an Verschwörungstheorien: Insider horten ihn, raunen sich die Japaner beim Sake zu. Der damalige Premier Junichiro Koizumi habe die Banknote im Jahr 2000 nur vordergründig zu Ehren des G8-Gipfels in Okinawa herausbringen lassen. In Wirklichkeit sei der Schein bereits Teil einer Ersatzwährung, mit deren Einführung der Staat seine Schulden loswerden wolle.
Wenn Finanzminister und Notenbank dann eines Tages im Handstreich den alten Yen entwerten und einen "neuen Yen" einführten, werde nur der Zweitausend-Yen-Schein seinen Nennwert behalten. Wer um den Plan wisse, lege sein Vermögen rechtzeitig in dieser Note an. Das sei der einzige Weg, die Mittel in die neue Zeit zu retten, so geht die Theorie weiter. Und sieht die Banknote nicht vom Design her schon ganz anders aus als das bisherige Geld?
Ökonomisch gesehen hat die Geschichte keinen Sinn, aber die Japaner machen sich zu Recht Gedanken über die Finanzen ihres Staates. Nippon leistet sich die höchsten Schulden unter den Industrieländern. Die Regierung hat Anleihen ausstehen, deren Wert der Wirtschaftsleistung von fast zwei Jahren entspricht. In Deutschland und den USA dürfte die Verschuldung nach all den Konjunkturpaketen ungefähr im Bereich von 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. In Japan liegt der Wert dreimal so hoch: bei 190 Prozent. Ökonomen beziehen bei der Berechnung auch versteckte Staatsschulden ein.
Lange sah es aus, als könnte auch ein seriöses Industrieland sich solch hemmungslose Verschuldung ungestraft leisten. Langsam bröckelt jedoch diese Gewissheit. Die Lage erscheint derzeit besonders brisant, weil der Sieger der Parlamentswahl vom Wochenende weitere großzügige Ausgaben angekündigt hat. "Versteckte Schätze" wolle er zur Finanzierung heben, hat Japans designierter Premier Yukio Hatoyama angekündigt und versprochen, endlich die Verschwendung in den Ministerien zu beenden. Doch Experten sind sich einig: Versteckte Schätze in der nötigen Größenordnung gibt es nicht. Zur Finanzierung bleibt nur die Ausgabe immer neuer Anleihen.
Die Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai" verwendet in ihrer Berichterstattung bereits Begriffe wie "fiskalischer Zusammenbruch", wenn es um die langfristigen Aussichten für den Etat geht. Die Deutsche Bank sieht Japan in Zukunft in einem "Schuldenstrudel". Im kommenden Jahr bereits könnten die Verbindlichkeiten das Doppelte des Bruttoinlandsprodukts übertreffen und bis 2020 auf das Dreifache steigen. Falls die Regierung nicht sofort Reformen in Angriff nehme, drohe eine Staatsschuldenkrise. Die Bewertungsagentur Moody's hat im Mai erstmals eine Anleiheklasse des japanischen Staates heruntergestuft.
Japan steckt in der Schuldenfalle. Die Misere betrifft aber auch Deutschland, und das nicht nur, weil es um einen wichtigen Handelspartner geht. Der Blick auf die Herkunft des Schuldenbergs fördert einige beunruhigende Fakten zutage. Japan hat die exzessiven Verbindlichkeiten nicht in erster Linie durch Misswirtschaft aufgehäuft. Sie sind Altlasten einer endlosen Folge von Konjunkturprogrammen nach der Finanzkrise in den 90er-Jahren.
Am Anfang ähnelt die Geschichte erschreckend der aktuellen Krise. Damals wie heute galten hohe Staatsausgaben als das richtige Mittel, die Wirtschaft vor dem freien Fall zu bewahren und die ehrlichen Bürger vor den Folgen verantwortungsloser Spekulationen zu schützen. Bis dahin hatte Japan vergleichsweise solide gewirtschaftet. Für das Jahr 1990 verzeichnet die Statistik ausstehende Staatsanleihen in Höhe von 166 Bill. Yen, nach heutigem Wechselkurs sind das 1,3 Bill. Euro. Großzügige Sozialleistungen, die in Deutschland die Schulden hochgetrieben hatten, brauchte Japan angesichts praktischer Vollbeschäftigung nicht.
Wie anders sieht die Lage heute aus. Ende Juni dieses Jahres standen Anleihen im Wert von 684 Bill. Yen aus. Die Kaufkraft der Währung ist in dieser Zeit nicht gesunken - wir erleben also eine Vervierfachung der Belastungen in nur zwanzig Jahren. Ende des Jahres wird die Staatsschuld voraussichtlich bei umgerechnet über sechs Bill. Euro liegen. Und das ganz ohne Wiedervereinigung, ohne Krieg, ohne außergewöhnliche Ereignisse.
Jedes Jahr aufs Neue kündigten die Politiker an, dass der Konjunkturmotor jetzt aber wirklich wieder anspringen werde. Dann gehe auch die Tilgung los, versicherten sie. Jedes Mal verharrte das Wachstum jedoch auf niedrigem Niveau, nur in einem Jahr gelang eine Rückführung der Kreditaufnahme. In der derzeitigen Rezession warnt die japanische Notenbank - nun weise geworden -, dass auch der nächste Aufschwung ziemlich lau ausfallen wird.
Die bittere Wahrheit ist, dass Japans Wirtschaft zu keinem Zeitpunkt zu selbsttragendem Wachstum zurückgekehrt ist. Es war nur eine neue Blase, die von 2002 bis 2007 die Statistik besser aussehen ließ. Die amerikanische Geldmaschine um Subprime-Papiere hat auch die japanische Wirtschaft zeitweilig aus dem Sumpf gezogen. Wegen der Kreditlust in den USA fanden sich Abnehmer für all das, was die Japaner so gut herstellen können: Digitalkameras von Sony, Kleinwagen von Toyota oder die Festplatten in Apples iPod.
Jetzt ist die Unterstützung durch die neue Blase vorbei, und Japan ist in den Sumpf zurückgerutscht. Die alten Schulden verursachen derweil immer neue Kosten. Schon 23 Prozent des Haushalts fließen in diesem Jahr in Zinszahlungen. Hier bietet sich der Vergleich mit einem rollenden Schneeball an: Je größer er wird, desto mehr Schnee nimmt er auf. Vielleicht kann die Regierung in Tokio den Ball noch zehn Jahre weiterrollen lassen, vielleicht sogar noch zwanzig. Doch das heißt nicht, dass so lange alles in Ordnung wäre. Denn schon jetzt lähmt die Überschuldung die wirtschaftliche Initiative.
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Dass Japan für Investoren immer noch einen guten Ruf hat, liegt an einer Besonderheit der japanischen Schulden. Sie bleiben fast ganz im Inland. Japan ist von keiner ausländischen Macht erpressbar. Die USA beispielsweise müssen sich derzeit von den Chinesen auf der Nase herumtanzen lassen, ihrem größter Gläubiger vor Japan.
Im Reich des Tennos sind es dagegen die eigenen braven Bürger, die der Regierung die niedrig verzinsten Papiere abkaufen. Nur acht Prozent der Staatsanleihen landen bei ausländischen Investoren. Erstaunliche zehn Prozent kauft die Notenbank, zwölf Prozent die staatliche Rentenkasse, und unglaubliche 31 Prozent übernimmt die Postbank.
Hier bekommen die beruhigenden Nachrichten bereits einen unguten Klang. Denn die Zahlen zeigen, dass Frau und Herr Tanaka ihren Anteil am Staatshaushalt zum großen Teil nicht freiwillig abgegeben haben. Die Regierung lässt mit der Notenbank und der Postbank zwei quasi staatliche Institute die Anleihen kaufen. Beide Institutionen verleihen das Geld der Bürger an den Finanzminister, ohne sie zu fragen. Die Postbank bedient sich für den Erwerb der scheinbar sicheren Anleihen aus den 300 Billionen Yen auf den Konten ihrer Kunden. Das sind derzeit 2,2 Billionen Euro, etwa so viel wie Deutschlands jährliches Bruttoinlandsprodukt.
Ein Regierungsplan hat bis vor kurzem vorgesehen, die Postbank in den nächsten acht Jahren komplett zu privatisieren. Ein Börsengang war für die kommenden ein oder zwei Jahre vorgesehen. Ihre Manager dachten schon laut darüber nach, mehr Geld renditeträchtig anzulegen: in Unternehmensanleihen, in Aktien, in Beteiligungsfonds. Doch wenn sie auch nur einen Teil der Staatsanleihen aus ihrem bisherigen Portfolio auf den Markt werfen würde, wäre die Wirkung katastrophal. Der Markt wäre verunsichert, der Preis der Anleihen würde in den Keller gehen, die Zinsen für Neuemissionen würden sich vervielfachen. Das erklärt, warum die Politik die Postprivatisierung blockiert. Die neuen Regierenden haben sogar davon gesprochen, das bereits Erreichte wieder zurückzudrehen.
Dazu kommt weiterer Missbrauch des Geldes der Bürger. Schon seit Jahrzehnten leistet sich Japan das "Fiskalische Investitions- und Kreditprogramm". Spitzname: der zweite Haushalt. Im laufenden Jahr bewegt das Finanzministerium darin 14 Bill. Yen, im Krisenjahr 1996 waren es sogar 40 Bill. Yen. Auch hier vergreift der Staat sich an Spareinlagen der Postbank, Rücklagen der Rentenkasse und anderem Vermögen der japanischen Bürger. Der Mechanismus ist der gleiche wie bei den Staatsschulden: Der Fonds gibt niedrig verzinste Anleihen aus, die die Postbank brav kauft.
Politiker und Bürokraten nutzen diese Kassen nach eigenem Gutdünken für den Straßenbau oder um es an Gemeinden zu verteilen. In Japan gibt es im Verhältnis zweimal mehr Bauunternehmen als in vergleichbaren Ländern. Der hohe Betrag läuft wohl gemerkt am offiziellen Staatshaushalt vorbei. Dieses Kapital ist für die Zukunftsfähigkeit das Landes komplett verloren. Trotz sinkender Zulassungszahlen von Autos entstehen immer neue Brücken und Umgehungsstraßen. Und wie in Ostdeutschland leisten sich Gemeinden immer neue Spaßbäder und Bergwerksmuseen.
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http://www.handelsblatt.com/politik/international/japan-suechtig-nach-schulden;2451557
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Aber jetzt zu Japan, wie eingangs erwähnt. Wenn Sie das Handelsblatt lesen, dann ist Ihnen der Artikel „Süchtig nach Schulden“ vielleicht aufgefallen. Auch online lesbar, wirklich brillant. Die Situation ist unglaublich brisant. Japan hat zur Zeit eine Staatsverschuldung von 190% des BIP! Per Ende Juni, so der Artikel, standen 684 Billionen Yen Staatsanleihen aus, der Zinsdienst verschlingt 23% des ganzen Haushaltes. Erstaunlich wenig! Japanische 5-jährige Anleihen rentieren mit 0,61%! 10jährige Bonds liegen bei ca. 1,45% Rendite. Einerseits braucht das Land Wachstum, um mit mehr Steuereinnahmen die Schulden abzutragen, andererseits würde ein Anspringen der Konjunktur die Zinsen hochschnellen lassen und sofort in die Hyperinflation münden. Es gibt hier keinen Ausweg mehr! Wenn die Schulden im Mittel mit 1% finanziert werden, dann sorgte eine Vervierfachung der Zinsen (4% ist wirklich nicht viel!) dafür, dass der Zinsdienst den kompletten Haushalt auffrisst.
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http://www.goldseitenblog.com/jan_kneist/index.php/2009/09/08/china-weist-den-weg |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Mo Sep 21, 2009 15:48 Titel: |
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China wird sich freuen.
=== IWF verkauft über 400 Tonnen seiner Goldreserven
Der Internationale Währungsfonds (IWF) will mehr als 400 Tonnen seiner Goldreserven verkaufen. Mit einem Teil des Erlöses von geschätzten 13 Milliarden Dollar (knapp neun Milliarden Euro) sollen Kredite für Entwicklungsländer finanziert werden. Dabei werde darauf geachtet, dass der Goldkurs durch den Verkauf von etwa einem Achtel der IWF-Bestände nicht ins Trudeln gerate.
Der Vorstand des Währungsfonds befürwortete eine entsprechende Grundsatzentscheidung, die bereits im Frühjahr 2008 getroffen worden war. Sie ist Teil einer neuen Strategie, die den IWF zur Deckung seiner Ausgaben weniger abhängig von Gewinnen aus Krediten machen soll. IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn zeigte sich „begeistert“ über die Befürwortung des Verkaufs durch das höchste Entscheidungsgremium.
Zunächst sollen die 403,3 Tonnen Gold lediglich den Zentralbanken der Einzelstaaten und anderen öffentlichen Geldinstituten zum Kauf angeboten werden. Nur wenn dort kein ausreichendes Kaufinteresse besteht, ist an eine Veräußerung an Dritte gedacht. Der Verkauf soll zeitlich gestreckt werden, um keine Kurseinbrüche zu riskieren. Grundsätzlich besteht eine Einigung der Zentralbanken, nach der pro Jahr nur 400 Tonnen Gold verkauft werden sollen.
Ein möglicher Abnehmer für den Bestand des IWF, der mit 3217 Tonnen Gold nach den USA und Deutschland derzeit über die drittgrößten Bestände weltweit verfügt, könnte China sein. Das Land besitzt Devisenreserven von mehr als zwei Billionen US-Dollar und beabsichtigt, sich weniger abhängig von der US-Währung zu machen. Nach offiziellen Angaben hat die Volksrepublik ihre Goldvorräte zwischen 2003 und 2008 um 75 Prozent erhöht.
Der IWF hatte im Juli mitgeteilt, er wolle bis zum Jahr 2014 an Entwicklungsländer Kredite im Wert von 17 Milliarden Dollar vergeben, davon acht Milliarden Dollar innerhalb von zwei Jahren. Darüber hinaus entschloss sich der Währungsfonds, bis 2011 auf die Zinsforderungen aus bereits vergebenen Krediten an arme Länder zu verzichten. Auch auf dem G-20-Gipfel im April in London hatten die beteiligten Länder einen Goldverkauf durch den IWF befürwortet, um Entwicklungsländern Kredite zu günstigen Konditionen anbieten zu können.
http://www.welt.de/finanzen/article4568832/IWF-verkauft-ueber-400-Tonnen-seiner-Goldreserven.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Fr Sep 25, 2009 12:58 Titel: |
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Die Krise nah und fern.
=== Den Städten brechen die Gewerbesteuern weg
Die Kämmerer haben einem Medienbericht zufolge ein rabenschwarzes Frühjahr erlebt: Das Gewerbesteueraufkommen von Städten und Gemeinden brach im zweiten Quartal um 21,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ein, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Damit zahlten die Betriebe allein im Frühjahr 2,5 Milliarden Euro weniger Gewerbesteuer. Das belege eine Übersicht des Bundesfinanzministeriums, die der Zeitung vorliegt.
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http://www.welt.de/wirtschaft/article4617085/Den-Staedten-brechen-die-Gewerbesteuern-weg.html
=== So gefährlich sind die Schulden der G 20 für Sparer
Die Krise ist tot, es lebe die Krise. Nachdem die Staaten immense Kredite aufgenommen haben, um die Weltwirtschaft vor dem Absturz zu bewahren, steht nun die Frage im Raum, wie diese Schulden wieder zurückgeführt werden. In Pittsburgh ringen die Spitzen der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G-20) darum, Lösungen zu entwickeln.
Das Problem könnte noch Generationen beschäftigen. Denn allein durch die Krise sind neun Billionen Dollar an neuen Schulden hinzugekommen. Insgesamt belaufen sich die Verbindlichkeiten der großen Staaten jetzt auf rund 35 Billionen Dollar (24 Billionen Euro). Die Bundesrepublik Deutschland trägt dazu annähernd zwei Billionen Euro bei: Jeder Bürger steht über Bund, Länder und Gemeinden mit mehr als 24.000 Euro in der Kreide.
„Der größten Schaden, den die Finanzkrise hinterlassen hat, betrifft die Staatsfinanzen", sagte Harvard-Professor Kenneth Rogoff. Es sei sehr wahrscheinlich, dass daraus die nächste Krise erwächst. Rogoff gilt als einer der profiliertesten Forscher auf dem Gebiet der öffentlichen Haushalte. Demnächst wird von ihm ein Buch über Staatsinsolvenzen erscheinen.
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Anders als bei früheren Krisen betrifft die Schuldenexplosion diesmal auch und gerade Nationen mit einem Dreifach-A. Nächstes Jahr dürften die Verbindlichkeiten von Ländern wie Großbritannien, Frankreich oder Deutschland gemessen an der Wirtschaftsleistung (BIP) bei 80 Prozent liegen. Im Falle der USA könnte die Quote sogar auf knapp 90 Prozent hochschnellen. Der Maastricht-Vertrag sieht eine Obergrenze von 60 Prozent vor. Ökonomen halten diesen Wert für eine kritische Größe, bei deren Überschreiten eine zerstörerische Eigendynamik droht.
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Während die Ratingagenturen sich besorgt zeigen, geben sich Investoren scheinbar unbeeindruckt von den Schuldenbergen. Gilt ein Unternehmen wegen wachsender Schuldenlast als zunehmend unsolide, muss es dem Gläubiger zum Ausgleich für das Mehr an Risiko einen höheren Zins zahlen. Nicht so bei den Staaten: Zwar ist die Gefahr, dass die Regierungen ihren Verpflichtungen irgendwann nicht mehr erfüllen können, theoretisch gestiegen, nicht aber die Rendite ihrer Schuldtitel.
m Gegenteil: Insbesondere die Staatsanleihen weniger solider Schuldner bieten aktuell eine geringere Verzinsung als vor einem halben Jahr. Damals, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, warfen Bonds von Ländern wie Südafrika, Mexiko oder der Türkei teilweise sogar zweistellige Renditen ab. Experten machen für diese kontraintuitive Entwicklung internationale Investoren verantwortlich, die seit der Beruhigung der Märkte wieder groß in die Bonds eingestiegen sind. Ihre spekulativen Käufe haben die Notierungen nach oben getrieben und die ehedem attraktiven Renditen nach unten.
Auch innerhalb der Eurozone sind kaum noch hohe Zinsen zu finden, die Anleger für das langfristig gestiegene Ausfallrisiko entschädigen würden. Zehnjährige Bundesanleihen sind mit geringen 3,29 Prozent verzinst. Schuldtitel der Republik Griechenland (nicht gerade ein Inbegriff finanzpolitischer Stabilität) bieten im Moment gerade einmal 4,44 Prozent, und der am meisten krisengeschüttelte Staat der Währungsunion, Irland, wartet mit nicht mehr als 4,73 Prozent auf.
Im Frühjahr lagen die Renditeaufschläge gegenüber Bundesanleihen teilweise doppelt so hoch. Anleger, die den Staaten zutrauen, die Schuldenkrise zu meistern, setzen auf die höheren Zinsen in Schwellenländern. Deren Dynamik erlaubt es ihnen am ehesten, aus der Schuldenkrise herauszuwachsen. Mexikanische oder brasilianische Euro-Bonds bringen rund fünf Prozent.
http://www.welt.de/finanzen/article4614619/So-gefaehrlich-sind-die-Schulden-der-G-20-fuer-Sparer.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Mo Sep 28, 2009 13:50 Titel: |
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Gold, Geduld und der Popanz Weltregierung
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Am besten, Sie machen sich jetzt Gedanken darüber, welche unpopulären Maßnahmen die neue Bundesregierung zuerst ergreifen wird. Oder warum die Amerikaner mit Großbritanniens Premier Brown wieder mal einen Mann von der Insel vorgeschickt haben, um die weltweite Reaktion zu testen. Dieses Mal die Reaktion auf den Vorschlag, eine Weltregierung zu bilden.
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Fangen wir also mit ihnen an, hier zunächst in Bezug auf die bedauernswerte neue Bundesregierung und die noch viel bedauernswerteren deutschen Bürger, die schon bald zur Kasse gebeten werden. Wie, ist an sich leicht zu erraten: im ersten Akt mit Steuererhöhungen, mit noch mehr Schulden und mit dem Subventionsabbau, sofern die davon Betroffenen keine starke Lobby haben. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist so gut wie programmiert.
Viel spannender als der erste Akt ist indes der zweite: Die Staaten der Euro-Zone werden sich auf eine gemeinsame Aktion dahingehend einigen, dass die volkswirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen ihnen in eine etwas stabilere Balance zu überführen sind - mit größter Wahrscheinlichkeit auf Kosten der Euro-Stabilität. Das heißt, die zurzeit relativ schwachen Volkswirtschaften, etwa Spaniens und Italiens, werden von den relativ starken Deutschlands und der Niederlande gestützt. Da sie und alle anderen Euro-Länder eine gemeinsame Währung haben, wird das Ergebnis später zwangsläufig eine ganz neue Art von Konvergenz sein: Inflationskonvergenz. Mit dem für die dann regierenden Politiker angenehmen Nebeneffekt, dass sie die Staatsschulden mit entwertetem Geld zurückzahlen können. Das wird sich so oder ähnlich schon bald andeuten.
Nehmen wir nun Bezug auf den Popanz Weltregierung. Die Idee dazu entspringt einem in der Geschichte häufig wiederkehrenden menschlichen Grundbedürfnis: Sind die Zeiten schlecht, rückt man zusammen. Warum also nicht auch jetzt? Doch diese Frage führt in die Irre. Denn US-Präsident Obama hat mit Sicherheit ganz andere Absichten, als eine Friede-Freude-Eierkuchen-Weltregierung entstehen zu lassen; dafür setzt er die amerikanischen Interessen nicht aufs Spiel. Aber was soll es bedeuten, dass er bereits wenige Tage nach Großbritanniens Premier Brown die Idee von der Weltregierung bekräftigt hat, und zwar eine unter dem Dach der führenden Nationen, also G20? Die Antwort liegt auf der Hand: Die USA wollen ihre immer noch vorhandene weltweite Vormachtstellung verteidigen, und deshalb versuchen sie den Rest von G20 an sich zu binden.
So weit die Gedanken zu zwei wichtigen Themen, Europas Inflationskonvergenz und Amerikas Machtpolitik. Natürlich werden auch die USA ihre Schulden später mit entwertetem Geld zurückzahlen. Das ist allerdings eine andere Geschichte, denn die Gläubiger der USA gehören überwiegend nicht zum Dollar-Block, zum Beispiel China und die OPEC-Länder im Nahen Osten. Allein schon wegen dieser komplexen Zusammenhänge und wegen der durchschaubaren US-Politik ist die Idee von der Weltregierung - in diesem Wortsinn - regelrecht absurd.
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http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=11685 |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Mo Sep 28, 2009 14:08 Titel: |
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Pfandwirtschaft (3): Vom Leihhaus zum Bankhaus
von Luis Pazos
Die Nichtsnutzigkeit der quantitativen Lockerung
Ein Gespenst geht um in Europa. Es ist das Gespenst einer Kreditklemme. Viele der nach Liquidität dürstenden Unternehmen und Privathaushalte könnten ab Herbst finanziell austrocknen und monetär eingehen. Die Schuld wird nunmehr einem Mangel an Gier bei der Kreditvergabe sowie den prozyklisch wirkenden Basel-II-Eigenkapital-Richtlinien zugeschrieben, einer Kombination von menschlichem und institutionellem Versagen also. Zumindest letztere zwingen die Banken tatsächlich zur Unterlegung ihrer Aktiva, zu denen auch die Forderungen aus den vergebenen Krediten gehören, mit einem risikogewichteten Einsatz an Eigenmitteln von mindestens acht Prozent. Die Gewährung von Darlehen darf folglich nicht ausschließlich durch Kundeneinlagen, also verwaltete Fremdmittel beziehungsweise Verbindlichkeiten der Bank erfolgen. Die Prozyklizität dieser Vorschrift ergibt sich damit aus der Tatsache, dass eine Reduktion im Wert der verwalteten Aktiva, zum Beispiel eines bereits Zahlungsausfälle verzeichnenden hypothekarisch besicherten US-Kreditportfolios, zu einer defensiven Geschäftspraxis, das heißt zur Reduktion von Fremd- oder zur Erhöhung von Eigenkapital zwingt. Kurz: In einer die Aktiva entwertenden Krise muss nach Basel II die Kreditvergabe reduziert, in einem die Aktiva aufwertendem Boom erst kann die Kreditvergabe ausgedehnt werden. Leider befindet sich die Weltwirtschaft augenblicklich immer noch fest im Griff des ersten Szenarios und kleine wie große Schuldner bangen daher noch mehr als sonst um demnächst fällige Neu- und Anschlussfinanzierungen. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sind die Bedenken völlig berechtigt. Statistisch gesehen ist nämlich die Dynamik bei der Vergabe neuer Kredite für die Überwindung einer Depression – einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung – von elementarer Bedeutung, wichtiger noch, als der reine Bestand vergebener Darlehen. Dieser empirische Zusammenhang lässt sich nicht nur aus der Großen Depression der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts ableiten, sondern auch aus den verfügbaren Daten der seitdem abgelaufenen fünf respektive 22 größten Finanzkrisen in Industrie- beziehungsweise Schwellenländern extrahieren. Das ist in einem konventionellen Währungsraum, in dem Wirtschaftsleistung als in Geld gemessene Gesamtnachfrage definiert ist und Geld im Wesentlichen nur über Verschuldung generiert werden kann, auch gar nicht anders möglich.
Die Sorgen der Kredit-Kommissare
Kein Wunder also, dass angesichts dieser volkswirtschaftlichen Korrelation, gepaart mit den betriebswirtschaftlichen Hilferufen und plötzlicher bankenuntypischer Charakterstärke der politische Ruf nach „new money“, sprich „new credits“ die Republik und Union überzieht. Quer durch die deutsche Presselandschaft klagen die Granden der großen Koalition die selbigen des Bankwesens an. Vorneweg der Finanzminister, der nicht müde wurde zu betonen, dass alle Verantwortlichen „Anstrengungen unternehmen müssen, die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten sicherzustellen.“ Konkreter wurde bereits sein Parteikollege und amtierende Kanzlerkandidat Franz-Walter Steinmeier: „Wenn wir in einigen Wochen sehen, dass die Banken nicht bereit sind, ihre Aufgabe als Dienstleister der Wirtschaft zu erfüllen, dann müssen wir über weitere Schritte nachdenken.“ Er äußerte zudem den Verdacht, dass viele Unternehmen bei den Banken gar keine Kredite oder nur solche zu „unverschämten Zinssätzen“ bekämen. Diesen Floh hat dem Möchtegernkanzler wohl sein für Mittelstandsfragen zuständiger Experte und einziger Unternehmer im Kompetenzteam, Harald Christ, ins Ohr gesetzt. Dieser lamentierte unlängst, dass Kredite doch tatsächlich nicht so billig und umfangreich zu haben wären, wie viele Mittelständler sich das derzeit wünschen würden – amerikanische Subprimekreditnehmer sehen das aktuell wahrscheinlich ähnlich. Damit hätte er aber genauso gut in das Wahlkampfteam der amtierenden Kanzlerin gepasst. Angesichts des unlängst verabschiedeten Bad-Bank-Gesetzes und der damit geschaffenen Auslagerungsmöglichkeit für „faule“, also „zu billige“, Aktiva betonte Angela Merkel noch einmal ausdrücklich, dass die Bundesregierung ihr möglichstes zur Auslagerung bilanzieller Risikopositionen getan hätte und nun im Gegenzug erwarte, dass die Geldinstitute wieder fleißig Kredite vergäben. Konkreter formulierte es der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU Volker Kauder: „Die Banken nutzen das billige Geld nicht, um die deutsche Wirtschaft zu finanzieren, sondern in erster Linie sich selbst.“ Geradezu radikal nimmt sich da die Stellungnahme des in ungeheuren Sympathiewerten schwelgenden Fraktionskollegen und Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg aus. Er wirft, hierin seinem Fraktionsvorsitzendem folgend, den Banken ebenfalls vor, sich über die niedrigen Zinsen zu refinanzieren und dennoch nicht bereit zu sein, das Geld in Form von Krediten weiterzugeben. Gegen diese „Unzumutbarkeit“ brachte er allerdings kürzlich den in seinen Kreisen doch eher unkonventionellen Vorschlag von Kreditvergabeverpflichtungsmaßnahmen ins Spiel. Dem kann der deutsche Mittelstand natürlich nur beipflichten. „Man muss die Banken zwingen, Geld auszugeben“, fordert etwa Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, und auch der DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann stimmt in das Duett des Wünsch-Dir-Was-Konzertes mit ein, wenn er fordert, die Regierung „muss darauf dringen, dass die Banken ihr Kundenkreditgeschäft wieder intensivieren.“
Zentrale Zwangsverwaltung wurde das früher genannt und erinnert irgendwie an Bill Clinton, der seine halböffentlichen und marktdominanten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac anwies, mindestens die Hälfte aller Darlehen an Arme, Afro- und Hispanoamerikaner zu vergeben. Gegen diesen loddar-matthäus-haften Transfer des US-amerikanischen Community Reinvestment Act in deutsches Recht nimmt sich die Drohung des sozialdemokratischen Bundesfinanzministers ja noch geradezu neoliberal aus. Er denkt als Gegenmaßnahme die Möglichkeit an, bei einer Verschärfung der Kreditkrise erstmals über die Bundesbank direkt Darlehen an „notleidende“ Unternehmen zu vergeben. Dieser Vorschlag griff dabei lediglich eine Idee des Bundesbankchefs Axel Weber auf. Der hatte bereits im Juni den Geschäftsbanken gegenüber angedeutet, die Zentralbanken des Eurosystems könnten diese umgehen und ersatzweise direkt Ausleihungen an Unternehmen tätigen. Als Vorbild diente ihm anscheinend das Federal Reserve System, dessen Präsident Ben Bernanke schon kurz nach der Lehman-Pleite faktisch zur „quantitativen Lockerung“, also dem Aufkauf von Wertpapieren privater und/oder öffentlicher Emittenten am Kapitalmarkt übergegangen ist. Und zu guter Letzt hat das Thema schließlich auch die Europäische Kommission erreicht. Bis Anfang Oktober will sie eine Analyse zur Kreditvergabepraxis der europäischen Banken erstellen und gegebenenfalls „weitere Maßnahmen“ diskutieren. Das vorab erklärte Ziel ist es, besagte Prozyklizität der Basel II Richtlinien zu durchbrechen und den Banken mehr Kapitalvolumen für die Darlehensvergabe zu verschaffen.
Das Leihhausprinzip im Bankenverkehr
Tatsächlich ereignete sich diese politökonomische Burleske im Juli 2009, zu einem Zeitpunkt, an dem die Kredite von Banken an Nichtbanken knapp zwei Prozent höher lagen als im Vorjahresmonat. Die Diskussion wurde also zunächst einmal vor einer Phantomkulisse geführt. Eine Phantomkulisse allerdings, an deren Inszenierung die Finanzbranche zuvor kräftig mitgewirkt hat. Denn als Brandbeschleuniger vorausgegangen war die folgende perspektivische Ausschau einer Sprecherin des Bundesverbandes Deutscher Banken: „Ab Herbst besteht die Gefahr einer flächendeckenden Kreditklemme.“ Das rüttelt nicht nur auf, sondern wirkte zu diesem Zeitpunkt auch noch hochgradig befremdlich: Haben nicht die Regierungen aberduzende Rekapitalisierungsmilliarden in das Bankensystem rein- und ebenso viele „toxische“ Papiermilliarden wieder herausgepumpt? Haben nicht die Zentralbanken die Leitzinsen auf Schnäppchenniveau reduziert? Ist das Vertrauen zwischen den Marktteilnehmern denn nicht wieder hergestellt? Können, um mit den Worten Karl Schillers, des ersten bundesdeutschen Wirtschaftsministers in Rezessionszeiten, zu sprechen, die Pferde nicht wieder beruhigt zum Saufen übergehen? Warum nutzen die Banken das billige Geld nicht, um es teurer, aber bitte nicht zu teuer, an die Realwirtschaft weiter zu reichen? Gibt es denn eigentlich noch einen einzigen logischen Grund, warum der „Kredit klemmen“ soll?
Wer die Gesetzmäßigkeiten der Pfandwirtschaft, den Stellenwert der Sicherheit im Finanzverkehr kennt, also eigentlich jedermann vom Bausparkassenazubi aufwärts, weiß auch, warum die ganze obige Diskussion am ökonomischen Kern der volkswirtschaftlichen Sache vorbeigeht. Und „Sache“ ist hierbei durchaus wörtlich zu nehmen. Kredite „klemmen“ ja nicht deshalb, weil die Banker aus lauter monetärer und politischer Rücksichtnahme das Geldverdienen vergessen haben. Im Gegenteil: „Die Banken leben davon, dass sie Geld ausleihen. Keine Bank zahlt Anlegern Zinsen, um das Geld zu horten.“ konstatiert völlig zutreffend Professor Stefan Homburg von der Leibniz Universität Hannover. Die Darlehensvergabe scheitert, wie jeder Kreditsachbearbeiter einer noch so dörflichen Bankfiliale zu berichten weiß, weniger an der Willigkeit des Instituts, denn an der Fähigkeit des Antragstellers. Völlig analog zum Leihhaus ist es die kundenseitige Verfügbarkeit über verpfändbare Sicherheiten, die den Flaschenhals des Finanzmarktes bildet. Ohne Pfand kein Geld. Diese immer wieder gültige Grundgleichung der Finanzmathematik gilt eben auch bei den „großen“ Pfandhäusern, den Banken, deren einziger Unterschied eben darin besteht, sich mit dem Recht an einer Sache und nicht mehr der Sache selbst als Sicherheit zu begnügen. Ohne Immobilien, Wertpapiere, Einkommen oder Bürgschaften also kein Geld. Und mit ihnen nur das, was von Seiten der Kreditvergabestelle im Rahmen einer Beleihungsgrenze risikoadäquat erscheint.
Vom Deutsch- zum Bundesbänker
Da Politiker in einer Sphäre ohne Haftung, also ohne persönliches Verlustrisiko leben, Haftung aber die Finanzwirtschaft als absolut bestimmendes Wesensmerkmal über den Umweg des Verlustrisikos gestellter Sicherheiten prägt, können Politiker diesen Umstand zugegebenermaßen auch nur schwerlich erfassen. Manche Professoren und Staatsbanker übrigens ebenso wenig. Es ist dann ausgerechnet der Lieblingsprügelknabe der bundesrepublikanischen Finanzszene und oberste Deutschbanker, Josef Ackermann, der ebenso gnadenlos korrekt wie unbeachtet betonen muss, dass von der Zentralbank zur Verfügung gestelltes Geld gerade nicht dafür da sei, die Kreditvergabe an Unternehmen am Laufen zu halten. Denn in der Tat ist die Versorgung der Realwirtschaft und Haushalte mit Zahlungsmitteln durch den Banksektor, also die administrative Mittelverwendung, ein Abfallprodukt der Mittelherkunft und -bereitstellung, die im aktuellen System eben nur über den Abschluss von (Kredit-) Verträgen erwirkt werden kann. Banken können daher gar nicht aus sich selbst heraus den „Geldkreislauf“ aufrechterhalten beziehungsweise in neue Höhen schrauben. Sie können hierzu dem Publikum lediglich Offerten unterbreiten, Offerten, die neben dem Willen auch Fähigkeit zur Annahme bedingen, wobei letztere eben an die Bonität, sprich Sicherheit, gekoppelt ist.
Politiker machen es sich also – mal wieder – viel zu einfach, wenn sie nur die eine von zwei nötigen Vertragsparteien überstrapazieren zu suchen. Mehr noch, übersehen sie doch geradezu, dass es ja der in ebenso hoheitlichem wie unverantwortlichem Auftrag massiv gedehnte Flaschenhals war, der zunächst seine Funktion als limitierender Kalkulator verlor und nach Überdehnung und Implosion in ganz wesentlichem Maße für die jetzige Krise verantwortlich ist. In einem, ebenfalls im Juli stattgefundenem Interview brachte es Theodor Weimer, Chef der Hypovereinsbank kurz und bündig auf den Punkt: „Man kann uns erst nicht vorwerfen, dass sie [die Banken] Kredite zu leichtfertig vergeben haben [oder zumindest in den USA eben mussten] und dann genau das fordern.“ Eine akute Kreditklemme findet daher ihren Ursprung in genau jenem volkswirtschaftlichen Flaschenhals des ökonomisch verwertbaren Sicherheitspotenzials und dem Willen zu seiner Aktivierung. Genau an diesen beiden Stellschrauben können nun aber definitiv weder die Bundesbank noch das Eurosystem drehen, aller alchemistischen Willensstärke Axel Webers zum Trotz.
Der Liquiditätsspender der letzten Instanz
Zentralbanken sind nämlich nichts anderes als Pfandhäuser der letzten volkswirtschaftlichen Instanz eines Währungsraumes. Auch sie müssen den pfandwirtschaftlichen Gesetzen gehorchen und fordern daher völlig konsequent für jede „Leihoperation“ die Stellung von Sicherheiten seitens ihrer Stammkunden, den Geschäftsbanken. Das gilt formal gesehen übrigens unterschiedslos für alle Mitglieder des Internationalen Währungsfonds, dem augenblicklich 186 Staaten und ihre Währungssysteme, also faktisch die ganze monetäre Welt, angehören.
Im Eurosystem stehen hierzu zwei wesentliche Vertragsarten zur Verfügung, zum einen Pensions- und zum anderen Lombardgeschäfte. Im Rahmen von Pensionsgeschäften kauft die Zentralbank Sicherheiten bei gleichzeitiger Rückkaufverpflichtung der Geschäftsbank gegen Liquidität an, bei Lombardgeschäfte stellt sie Liquidität gegen die Verpfändung von Sicherheiten zur Verfügung. Insbesondere letztere Geschäftsvariante knüpft sogar sprachhistorisch an den pfandwirtschaftlichen Charakter der Geldwirtschaft an, erinnerte es doch an die in der Lombardei verorteten ersten spätmittelalterlichen Geschäftsfinanziers, die gegen Verpfändung von Gegenständen die oberitalienische Kreditwirtschaft begründeten. Allerdings dominiert in der europäischen Gegenwart vor allem das Pensionsgeschäft, steht es doch für ungefähr 75 Prozent des zentralbanklichen Refinanzierungsvolumens im Eurosystem. Die Kosten für beide Operationen, für die es standardisierte und nichtstandardisierte Termine, Laufzeiten und Quoten gibt, spiegeln sich in den „Leitzinsen“, im Hauptrefinanzierungssatz respektive Spitzenrefinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank wider und werden über die Geld- und Briefkurse der zugrunde liegenden Titel eingepreist.
Doch egal welche Art von Vertrag, auch Zentralbanken können nur Offerten machen, für Abschlüsse benötigen sie einen Vertragspartner. Einen, der nicht nur willig ist oder es nötig hat, sondern einen, der vor allen Dingen potent genug ist. Den Potenzmaßstab, also die Qualitätsansprüche an akzeptable Sicherheiten, regelt für alle Zentralbanken des Eurosystems das Verzeichnis notenbankfähiger Sicherheiten der strengen, übernationalen und gesamteuropäischen Kategorie 1 und der weniger strengen, nationalen und territorialbezogenen Kategorie 2. Erstere müssen marktfähig sein und sehr hohen Bonitätsanforderungen genügen, letztere müssen lediglich bestimmte Schwellenwerte erreichen, unterliegen im Gegenzug aber zum Teil empfindlichen Bewertungsabschlägen. In beiden Fällen soll ja gerade eine Infektion der Zentralbank durch die Geschäftsbanken über schlechte, also an Wert gefährdeter, Sicherheiten nach Möglichkeit verhindert werden. Diesem unbarmherzigen Mechanismus war auch das jüngste und quantitativ aufsehenerregendste Angebot der EZB vom 24.06.2009 unterworfen: Ein Jahr zu einem Prozent im Rahmen eines langfristigen Pensionsgeschäft ohne Limit nach oben. Insgesamt 442 Milliarden Euro nahmen die europäischen Banken im Rahmen dieses „Schnäppchens“ in Anspruch, jene zumindest, welche die notwendigen Sicherheiten in ausreichender Menge zu stellen in der Lage waren. Die Sicherheiten erwiesen sich als oberes Limit. Das heißt im Umkehrschluss aber nichts anderes, als dass eine Zentralbank niemals aus sich selbst heraus Geschäftsbanken refinanzieren kann, ebenso wenig, wie diese den realwirtschaftlich Geldkreislauf aufrecht zu erhalten in der Lage sind.
Wollen Zentralbanken also wirklich aktiv die „Märkte fluten“ und Wirtschaftsteilnehmer direkt mit Geld versorgen, wie es der oberste Bundesbänker angedroht hat, geht das tatsächlich nur über jene Operation der „quantitativen Lockerung“, der sich das Federal Reserve System seit einiger Zeit ausufernd bedient. Denn in der Tat steht es den Zentralbanken frei, Vermögensgegenstände und hierbei insbesondere Wertpapiere eben nicht nur zu „beleihen“, sondern auch endgültig aufzukaufen. Sie könnten auf diese Weise theoretisch jede Organisation direkt dadurch finanzieren, dass sie deren neu emittierten Anleihen, Obligationen oder Schuldscheine kauft, egal, von welcher Qualität diese sind. Es muss sich aber auch in diesem Fall letztlich um emissionsfähige Organisationen handeln, Organisationen also, die zumindest die Emissionskosten schultern können, wodurch allein die Masse des Mittelstands herausfällt. Und für eine klassische Darlehensvergabe mit traditioneller Kreditsachbearbeitung fehlen der Bundesbank schlichtweg die personellen Ressourcen. Der geschundene Mittelstand muss also mangels institutioneller Barrieren mal wieder leer ausgehen.
Mit direkten Käufen oder Krediten aber setzt sich die Bundesbank einem immens hohen Konkursrisiko aus, das dadurch an Brisanz gewinnt, dass die erworbenen Titel eben keinem Standard mehr entsprechen müssen, zweitens zum Nominalwert ohne Bewertungsabschlag erworben werden müssen und drittens der Umweg über die Geschäftsbank als Vollhafter ausfällt. Es ist ja gerade diese dreifach Sicherheit, die, wie oben aufgezeigt, die Stabilität der Zentralbank sichern soll, ohne die sie ja ihren originären Auftrag, die Liquiditätssicherstellung für insolvente Banken mit qualitativ hochwertigen Aktiva, also „guten“ Kunden und Wertpapieren, gar nicht nachkommen könnte. Dieses Risiko, die Lösung der dreifachen Sicherheit eines Pfandgeschäftes, lässt sich auch nicht dadurch umgehen, dass statt der Bundesbank die öffentlich-rechtliche KfW einspringt und wie vom SPD-Mittelstandsbeauftragten Harald Christ vorgeschlagen Betriebe direkt mit Krediten versorgt, was ihr im mittlerweile fast wieder in Vergessenheit geratenem Fall der IKB ja auch hervorragend gelungen ist. Nur mit der Rückzahlung hat es ja dann etwas gehapert. Denn egal ob Bundesbank oder KfW, das auf diese Institutionen abgewälzte Risiko des Werteverlustes von Aktiva muss spätestens im konkreten Eintrittsfall an den Geldgeber der wirklich allerletzten Instanz, den Fiskus, abgetreten werden. Völlig zu Recht befürchtet daher das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung für jede weiterer Form kreditärer Manipulationen: „[Da] kann die Bundesregierung gleich den nächsten Rettungsschirm spannen.“ Dem nunmehr dreifachen Risiko steht damit lediglich die vage Hoffnung eines Wirtschaftswachstums entgegen, in dessen Zuge die Liquidität der Schuldner und die Preise ihrer Pfänder mindestens stabil bleiben.
http://ef-magazin.de/2009/09/23/1492-pfandwirtschaft-3-vom-leihhaus-zum-bankhaus |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Do Okt 08, 2009 10:14 Titel: |
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Gold mittlerweile über 1050.
=== Angst vor dem Dollar-Crash treibt Gold auf Rekord
Goethes Gretchen hat es schon vor 200 Jahren gewusst: Nach dem Golde drängt tatsächlich alles. Anleger überschlugen sich am Dienstag regelrecht, das Edelmetall zu ordern. Mit anhaltenden Käufen trieben sie den Preis auf ein historisches Hoch von 1044 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der bisherige Höchststand war am 17. März 2008 bei 1033 Dollar erzielt worden. Seit Jahresanfang hat der Wert des Edelmetalls um 17 Prozent zugelegt. Allein seit Montagabend ist die Unzen-Notierung um 42 Dollar gestiegen.
Gold profitiert unmittelbar von der Schwäche des Dollar, der im vergangenen halben Jahr gegenüber dem Euro um 16 Prozent abgerutscht ist. Am Dienstag hatte ein Bericht des „Independent“ für Furore gesorgt. Laut der britischen Zeitung verfolgen die ölreichen Golf-Staaten einen Geheimplan, ihre Energielieferungen künftig nicht mehr allein in der US-Devise zu fakturieren, sondern in einem Währungskorb, in dem neben dem chinesischen Yuan, dem japanischen Yen und dem Euro auch Gold enthalten ist. Sollte es so kommen (als Datum des Schwenks wird das Jahr 2018 genannt), wäre dies ein schwerer Schlag für die Rolle des Greenback als Weltleitwährung.
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Eine unmittelbar bevorstehende Lösung vom Dollar halten Devisenexperten für unwahrscheinlich. „Das wäre nicht im geopolitischen Interesse Saudi-Arabiens, das auf den militärischen Schutz der USA angewiesen ist“, sagt Hans-Günter Redeker, Währungsstratege bei BNP Paribas in London. "Der Schutz hat seinen Preis. Es ist im Interesse der USA, dass Öl weiter ausschließlich in Dollar fakturiert wird." Matthias Grabbe von der BHF-Bank gibt hingegen zu bedenken, dass sich die Staaten der Region in einer Zwickmühle befinden: „Politisch wird man Washington dort nicht brüskieren wollen, aber ökonomisch befinden sich die Vereinigten Staaten im relativen Abstieg – und damit auch seine Währung.“ Für alle Länder mit großen Dollar-Reserven stelle diese Entwicklung ein finanzielles Risiko dar, für das eine Lösung gefunden werden müsse, auch wenn die „nicht heute oder morgen“ komme.
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Treiber der Entwicklung sind vor allem Goldfonds, über die sich private und institutionelle Anleger absichern. Für sie ist das Edelmetall in dieser Situation das bessere Wertaufbewahrungsmittel. Der größte dieser Fonds, der SPDR Gold Trust, hortet inzwischen mit 1134 Tonnen mehr als die Schweizerische Nationalbank (SNB), die lediglich 1040 Tonnen hält.
„Ich bin überrascht, wie niedrig der Goldanteil in den Depots der meisten Anleger aber immer noch ist“, sagt Börsenguru Roland Leuschel. Viele würden jetzt erst aktiv werden und sich gegen einen Wertverfall des Papiergeldes absichern. „Auch die Sparweltmeister in China, die so viel auf die hohe Kante legen wie sonst niemand, erliegen zunehmend dem Charme des Edelmetalls.“ Von dort seien noch Orders in bisher ungekannten Dimensionen zu erwarten.
http://www.welt.de/finanzen/article4754098/Angst-vor-dem-Dollar-Crash-treibt-Gold-auf-Rekord.html
=== Rekorddefizit im US-Haushalt von 1,4 Billionen
Die USA haben nach Berechnungen von Experten im Haushaltsjahr 2009 ein Rekorddefizit von 1,4 Billionen Dollar eingefahren. Der bisherige Rekord lag bei 459 Milliarden Dollar und wurde im vergangenen Jahr registriert. Grund für die riesige Deckungslücke sind die Milliardenschweren Rettungspakete für Banken.
http://www.welt.de/wirtschaft/article4772034/Rekorddefizit-im-US-Haushalt-von-1-4-Billionen.html
=== Die Lage des Stellenmarkts wird trostloser
Die Krise am deutschen Arbeits- und Stellenmarkt spitzt sich zu. Zwar berichten viele Unternehmen davon, dass der freie Fall der Auftragseingänge aus den ersten Monaten des Jahres inzwischen verlangsamt oder gar gestoppt werden konnte. Und manche berichten seit Juni wieder von leicht steigenden Auftragseingängen. Aber dass das Auftragsloch – das bei vielen Unternehmen hoch zweistellig ausgefallen ist – kurzfristig gestopft werden könnte, glaubt fast niemand mehr. Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass erst in den Jahren 2013, 2014 oder bei manchen gar erst 2015 wieder jene Umsatzhöhen erreicht werden, wie man sie in den Jahren 2007 und 2008 verbuchen konnte. So lange kann man aber keine Leerkapazitäten vorhalten.
Diese Entwicklung hat für viele Mitarbeiter schlimme Folgen. Es werden Arbeitsplätze abgebaut. Noch wird durch Kurzarbeit vieles überbrückt. Das bestätigte auch die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit bei der Vorlage ihrer jüngsten Zahlen in der vergangenen Woche.
In den deutschen Großunternehmen arbeitet derzeit im Durchschnitt jeder fünfte Mitarbeiter kurz. Der Umfang der Arbeitszeitreduzierung liegt meist zwischen 20 und 40 Prozent. Es gibt aber auch, beispielsweise im Werkzeugmaschinenbau, nicht wenige Unternehmen, in denen inzwischen nur noch an ein oder zwei Tagen in der Woche gearbeitet wird.
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http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E1EF35AB952E64F7095906ACE5D46DE10~ATpl~Ecommon~Scontent.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Do Okt 29, 2009 10:46 Titel: |
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Es knirscht gewaltig im System.
Möglicherweise geht es mit den Kursen jetzt wieder richtig abwärts. Auch bei Rohstoffen. Physisches Gold sollte trotzdem behalten werden.
=== Capmark-Pleite lässt Krisenängste aufflackern
Die wachsende Welle von Kreditausfällen bei Gewerbeimmobilien hat in den USA ein prominentes Opfer gefordert. Capmark, einer der größten Baufinanzierer des Landes, musste am Wochenende Konkurs anmelden. Experten erwarten, dass die Ausfallraten bei Finanzierungen von Apartmentkomplexen, Einkaufsmalls und Bürogebäuden in den nächsten Quartalen weiter steigen und die Banken hart treffen werden.
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Capmark, eine Ausgründung aus der General-Motors-Beteiligung GMAC, meldete am Wochenende Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts an. Rund 20 Mrd. Dollar an Werten standen 21 Mrd. Dollar an Verbindlichkeiten gegenüber. Capmark ist nach General Growth, einem Betreiber von Einkaufszentren, und der Hotelkette Extended Stay das dritte Opfer der Immobilienkrise.
Durch steigende Leerstände in bereits fertigen Gebäuden und Insolvenzen von Bauherren werden reihenweise Kredite wertlos. Nach Daten von Foresight Analytics stieg die Ausfallrate bei Baukrediten im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal drastisch von 16,3 auf 18,2 Prozent. Damit könnte der Rekordwert von 19,2 Prozent aus dem Jahr 1992 bereits gegen Ende des Jahres erreicht werden. Hinzu kommt, dass wegen der Finanzkrise selbst Kreditnehmer, die ihre Darlehen bedienen, zum Laufzeitende in Schwierigkeiten geraten, weil es keine Umschuldungsmöglichkeiten gibt. Bislang halten viele Banken still und verlängern die Kredite einfach um ein Jahr, um keine Abschreibungen zu produzieren. Eine Dauerlösung ist das angesichts der steigenden Ausfälle aber nicht. Schließlich werden bis 2013 nach Schätzungen der Deutschen Bank alleine zwei Billionen Dollar an Hypotheken für Gewerbeimmobilien fällig.
Vor allem kleine Finanzinstitute in den USA, die viele Kredite in den lokalen Immobilienmarkt gegeben haben, stehen dem Problem zunehmend hilflos gegenüber. Ihnen fehlt das Kapitalmarktgeschäft der großen Wall Street-Banken, die einen Großteil der Verluste etwa bei Gewerbeimmobilien durch Gewinne aus diesem Sektor ausgleichen konnten. Daher sind in diesem Jahr bereits 106 Geldhäuser in die Pleite gerutscht.
Das ist die größte Zahl seit 1992. Die Hoffnungen des Marktes richten sich einmal mehr auf die US-Notenbank Fed. Viele Experten rechnen damit, dass sie ihr Ankaufprogramm für Immobilienanleihen, das eigentlich im ersten Quartal 2010 auslaufen soll, aufstocken und verlängern wird, um den Kreditmarkt wieder in Schwung zu bringen.
In Europa zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Büroleerstand steigt, und die Mieten sinken.
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Die Abwertungen führen dazu, dass mit den Banken vereinbarte Beleihungsgrenzen durchbrochen werden.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/capmark-pleite-laesst-krisenaengste-aufflackern;2473725
=== Die Risiken bei Unternehmensanleihen steigen
15 Prozent Performance in gut einem halben Jahr sind nicht unbedingt das, was Anleger zu er hoffen wagen, wenn sie ihr Geld in Unternehmensanleihen stecken. Umso größer fällt die freudige Überraschung bei den Investoren im verrückten Jahr 2009 aus. Da legen die Aktienmärkte seit März um 50 Prozent zu, Rohstoffe wie Öl oder Kupfer boomen wieder, das eigentlich als Krisenwährung bekannte Gold notiert auf Allzeithoch, und auch die Firmenbonds laufen in der allgemeinen Anlage-Rallye wie nie zuvor.
Die Finanzkrise macht’s möglich: Niedrige Zinsen und überbordende Liquidität sind die Komponenten, mit denen Regierungen und Notenbanken den Kollaps der Weltwirtschaft verhindern wollten – und die nun ihre nicht ganz unproblematischen Nebenwirkungen entfalten.
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Der Anlagenotstand liest sich für das Segment der Unternehmensanleihen in Zahlen so: Allein bis Mitte August stieg das Volumen weltweit emittierter Papiere auf 750 Mrd. Euro. Das ist mehr als im gesamten bisherigen Rekordjahr 2007 (610 Mrd. Euro). Und trotz des hohen Angebots reißen Investoren den Emittenten die Papiere aus den Händen. Selbst Papiere mit schlechterer Bonität (Junk) werden problemlos am Markt platziert. „So mancher fragt sich, ob sich hier nicht schon wieder eine neue Blase entwickelt“, gibt Adam Cordery, Fondsmanager des Schroder ISF Euro Corporate Bond zu bedenken.
Die hohe Nachfrage lässt die Kurse unaufhörlich steigen, im Gegenzug fallen die Renditen der Papiere. So ist der Risikoaufschlag gegen über den vergleichsweise sicheren Staatsanleihen seit März von 3,50 auf nur noch 1,30 Prozentpunkte gefallen.
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Denn die fulminante Rallye folgt dem Prinzip Hoffnung. So ist keineswegs ausgemacht, dass die Anzeichen einer konjunkturellen Bodenbildung auf niedrigem Niveau zur ersehnten V-förmigen Erholung führen. Fällt die Wirtschaft zurück in die Rezession, steigt auch die Gefahr von Firmenpleiten – und damit das Risiko eines herben Rückschlags bei Anleihen.
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Doch schon jetzt will der Risikoappetit der Investoren nicht so recht zu den Fakten passen. Denn die Ausfallraten von Corporate Bonds lagen nach Angaben der Ratingagentur S & P zwischen Anfang 2008 und Ende Juli 2009 weltweit bei knapp vier Prozent. 2007 gingen weltweit gerade mal 0,4 Prozent der Unternehmen, die Anleihen emittiert haben, in Konkurs. Dabei ist der Run der Investoren auf die Firmenanleihen durchaus Teil der Strategie der Notenbanken.
Denn den Firmen erschließt sich eine alternative Quelle für Kredite von Banken, die im Zuge der Krise „dichtmachen“. Die Beliebtheit der Papiere hat zudem den Effekt, dass Unternehmen auch günstig an Geld kommen. Musste etwa Daimler im Dezember 2008 noch neun Prozent Zinsen zahlen, waren es bei der jüngsten Anleihe bereits unter fünf Prozent, und auch zu diesen Konditionen findet die Emission reißenden Absatz. Dabei bekommt der Autokonzern mit seinen schweren Nobelkarossen die Absatzkrise in voller Breite zu spüren und ist nach Ansicht der Rating-Agenturen schon längst kein sicheres Investment mehr.
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http://www.welt.de/finanzen/article4776257/Die-Risiken-bei-Unternehmensanleihen-steigen.html
=== 30 Minuten bis zur Monetarisierung
In den klassischen VWL-Lehrbüchern zur Geldpolitik wird der direkte Aufkauf von frisch emittierten Anleihen durch die jeweilige Zentralbank eines Landes zurecht als potenziell hoch inflationärer Schritt bezeichnet.
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Stein des Anstoßes war eine 2-jährige Anleihe über 5 Mrd Dollar der de facto verstaatlichten Regierungsagentur Fannie Mae, die am 9. Oktober 2009 mit der "CUSIP" (=Wertpapierkennnumer) 31398AZN5 emittiert - und deren erfolgreiche Emission per Auktion um 10.00 Uhr bekannt gegeben wurde.
Genau 30 Minuten später 88| tauchte dieselbe Anleihe mit der gleichen CUSIP in einer Mitteilung der NY Fed über einen von ihr vollzogenen "Outright Agency Coupon Purchase" (= direkter Anleihekauf) auf.
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Fakt ist, dass Fannie Mae diese 5 Milliarden bis 10.30 Uhr aus Fed-Mitteln [vulgo via Druckerpresse und ggf. Steuermitteln] bekommen hat. Die Eile der Monetarisierung in diesem Fall erklärt sich vermutlich damit, dass Fannie eben SEHR schnell Geld brauchte und Käufer offenbar rar waren und der Strohmann, der die Anleihen 30 Minuten gehalten hat, selbst nicht liquide war oder das Risiko nicht einmal eine Stunde tragen wollte... Die 5 Mrd dieser Auktion reichen Fannie vermutlich gerade mal eine Woche...
Und zur Vorbeugung von Rückfragen: Nein - hier handelt es sich definitiv nicht um kurzfristige (overnight) Repos, sondern es handelt sich um "reguläre" mittelfristige Anleihen von Fannie Mae! Es gibt darauf Zinsen (nominal 1,12% p.a.; effektiv etwas mehr) - und die Zinstermine sind November und Mai; Endfälligkeit Nov 2011. Also ganz klar keine kurzfristige Repo. Es IST reine und fast offene Monetarisierung.
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http://www.goldseitenblog.com/peter_boehringer/index.php/2009/10/28/30-minuten-bis-zur-monetarisierung
=== Zu grundsätzlichen Korrekturen der Finanzkrise fehlt die Kraft
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Ursache der Weltfinanzkrise ist nämlich weniger die Gier oder Unfähigkeit einzelner Landesbanker oder von Vorständen einzelner nationaler Banken, als vielmehr die Tatsache, dass die US-Zentralbank FED (Federal Reserve Bank) eine Privatbank ist, deren Eigentümer damit gleich einem Dukatenesel die Möglichkeit ungezähmter Geldmengenvermehrung hatten. Dies haben sie nach Kräften ausgenutzt und die Dollarmenge in den letzten 30 Jahren vervierzigfacht, während sich die Gütermenge nur vervierfacht hat. Die große Luftblase wertloser Dollars ist dann durch Aufkäufe aller möglichen Sachwerte (Rohstoffe, Industriekomplexe, Wohnanlagen u.a.) in die ganze Welt gepumpt - "globalisiert" - worden, so dass wir alle eine 30jährige Scheinblüte erlebten, weil wir die ungedeckten monetären Anlagen von Fonds, Derivaten u.a. als Substanzwerte angesehen haben. Tatsächlich waren es aber nur die von der FED ohne realen Gegenwert geschaffenen Dollarluftwerte.
Privater Missbrauch der FED zu ungezügelter Geldmengenvermehrung war also die Ursache der Geldmengenexplosion in der Welt, des Spannungsverhältnisses zwischen Geldmenge und Gütermenge und der immer notwendiger werdenden Korrektur.
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Den einzelnen nationalen Regierungen bleibt angesichts der Weltfinanzsituation (- vervierzigfachte Dollarmenge -) nur die Wahl zwischen Deflation oder Inflation. Unsere Regierung hat sich für Inflation entschieden, nachdem sie den Rentnern nominalgleiche Renten garantiert hat, obwohl diese nicht mehr bezahlbar waren. So ist also der Weg der Entwertung der überschüssigen Nominalwerte durch Inflation vorgesehen, wird also die nächste Finanzblase in Kauf genommen.
Diese Inflation ist aber auch durch die Schuldenexplosion des Staates programmiert und auch dadurch, dass immer noch zwei Drittel der bei den Banken liegenden Giftmüllprodukte korrigiert werden müssen und offenbar nicht durch Abschreibung korrigiert werden können.
Gerade letztere Situation wird trotz kommender Inflation dafür sorgen, dass die Wirtschaft von den Banken nicht mehr ausreichend mit Krediten versorgt werden wird und kann. Wer also die Wirtschaft nicht unter den Fehlern der Banken leiden lassen will, muss sie auf andere Weise mit Kapital versorgen. Unserer Politik ist dabei nichts Besseres eingefallen, als staatliche Kreditprogramme - also letztlich wieder zusätzliche Staatsschulden - zu verkünden.
Ludwig Erhard hat in gleicher Situation das Wirtschaftswunder ganz anders zustande gebracht: Er hat den Unternehmen die in ihnen verbleibenden Gewinne steuerfrei gelassen und dadurch Kreditknappheit der Wirtschaft nach dem Kriege gelöst. Die am besten verdienenden Unternehmen konnten aus eigener Kraft am stärksten wachsen. Die ganze Wirtschaft wusste, dass ihre Entwicklung nicht von Banken und Staat, sondern von der eigenen Tüchtigkeit abhing. Die Steuerfreiheit der im Betrieb verbleibenden Gewinne hat zur Stärkung der Unternehmen, das ständige Sinken der Arbeitslosigkeit und ein ständiges Wirtschaftswachstum - eben das "Wirtschaftswunder" - gebracht.
Diese Steuerfreiheit des im Unternehmen verbleibenden Gewinns wurde 1956 auf Betreiben der Banken abgeschafft, welche der Regierung einzureden verstanden, dass Unternehmen sich nicht selbst finanzieren dürften, sondern es Aufgabe der Banken sei, ihnen Kredite zu verkaufen. Dabei wurde auch mit einmaligen Steuereinnahmen bei Besteuerung der Gewinne gelockt und so erreicht, dass die deutschen Unternehmen nicht mehr überwiegend mit Eigenkapital, sondern inzwischen unter 20% mit Eigenkapital versorgt sind, also von Krediten von den Banken abhängig und damit entsprechend krisengefährdet sind.
Das vor uns stehende Zusammenbrechen vieler Firmen und vieler Arbeitsplätze hat nun darin seinen Grund, dass viele Firmen durch fehlendes Eigenkapital Verlustperioden nicht überstehen können, dass die Kreditabhängigkeit unserer Firmen besonders krisengefährdet macht.
Will also nationale Politik die Ursache der Krise unserer Wirtschaft ernsthaft bekämpfen, müsste sie die Firmen wieder krisenfest werden lassen, muss sie ihnen die Gewinne lassen, welche für den Erhalt der Firma und der Arbeitsplätze für das Überleben in der Krise notwendig sind.
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http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=11969 |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Mo Nov 02, 2009 15:16 Titel: |
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Interessante These, die bei Goldseiten.de aufgestellt wurde im Hinblick auf zukünftige Inflation.
Wobei (zeitgleich ?) auch die Deflation zuschlägt, siehe Lehmann Brothers und jetzt CIT.
=== Inflation in aller Heimlichkeit
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Da das BIP wieder in positives Gebiet zurückkehrt, fragen viele "Inflationsfalken", warum sich die Inflation immer noch nicht wirklich zeigt. Das erklärt sich jedoch aus dem Unterschied zwischen monetärer Basis und dem Geldangebot.
Die jüngste Finanzspritze in Höhe von 1,9 Billionen $ bestand zu 900 Milliarden Dollar aus Geld für Stimuli, von denen nur ca. 20% zur Anwendung kamen. Bei ihrem Versuch, das Finanzsystem zu stabilisieren, hat die Regierung schon um die 1 Billion $ für Fonds wie TARP ausgegeben.
Das TARP-Geld, finanziert durch das Anheben der monetären Basis, wurde den Banken kostenlos zur Verfügung gestellt. Und zum ersten Mal überhaupt zahlt die Fed Zinsen auf die Einlagen der Banken. Somit können die Banken Geld an die Fed und die Regierung, via Staatsanleihen, zu einem Zins-Spread von 3% bis 4% risikolos verleihen. In Anbetracht solcher Anreize ergibt es keinen Sinn, an irgendjemanden anderen zu verleihen. Daher bleiben trotz einer massiven Ausweitung der monetären Basis der Kredit knapp und die Preisniveaus flach.
Sollte die US-Notenbank jedoch die Verzinsung der Bankenreserven aufheben oder die Banken anderweitig davon "überzeugen", Kredit zu vergeben, so wird die 1 Billion durch die Banken gehebelt und in die Wirtschaft geschickt. Das partielle Reservesystem wird diese 1 Billion $ schwere Ausweitung der monetären Basis in eine Ausweitung des Geldangebots in Höhe von 9 Billionen $ umwandeln. Wenn das passiert, werden alle Preise in den Himmel schießen.
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http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=11977
=== Größte Banken-Pleite seit Lehman Brothers
Der US-Mittelstandsfinanzierer CIT hat in den USA Insolvenz nach Chapter Eleven angemeldet. So soll das Institut saniert werden und dabei einen Teil seiner Schulden abschütteln. Bis Ende 2009 will CIT nach eigenen Angaben das geordnete Insolvenzverfahren wieder verlassen. Operative Töchter seien davon nicht betroffen und führten ihre Geschäfte weiter.
Mit Schulden von knapp 65 Milliarden Dollar bei Vermögenswerten von gut 71 Milliarden Dollar ist es dennoch eine der größten Firmenpleiten in den USA überhaupt und die größte Pleite einer Bank seit dem Kollaps von Lehman Brothers im September des vergangenen Jahres.
Experten rechnen allerdings nicht damit, dass die CIT-Insolvenz große Schockwellen in die Finanzwelt ausstrahlt, schließlich wurde sie bereits seit Monaten erwartet. Doch dürfte die Sorgen um die Erholung der US-Wirtschaft zunehmen.
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Die Pleite wird aber auch die US-Regierung teuer zu stehen kommen, die im Dezember 2,3 Milliarden Dollar aus dem staatlichen Bankenrettungspaket in das 1908 gegründete Institut gesteckt hatte. Das meiste davon dürfte für die Steuerzahler verloren sein.
Denn vorrangig werden die Gläubiger und Anleihen-Halter der Bank ausgezahlt. Damit ist es der erste Verlust für den Rettungstopf Tarp. Dem Sanierungskonzept zufolge sollen die CIT-Schuldtitel bei dem Konkursverfahren auf 70 Prozent ihres Nennwertes gekappt werden.
Als Ausgleich geht ein Großteil der neu auszugebenden Aktien an die Gläubiger. Die Alt-Aktionäre könnten nicht mehr mit viel Geld rechnen, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.
Der Kreditgeber von Tausenden US-Einzelhändlern und kleineren Firmen hatte vergeblich auf mehr Staatshilfe gehofft, weil der Mittelstand traditionell einer der größten Job-Motoren in den USA ist.
Damit das Unternehmen seine Kunden wie die Kuchen-Kette Donkin' Donuts halten kann, gilt nun ein schneller Durchmarsch durch die Insolvenz - wie es der Autobauer General Motors im Sommer vorgemacht hatte – als entscheidend. Dazu will CIT Schulden über rund zehn Milliarden Dollar abstreifen.
Der Konzern war in der Finanzkrise ins Straucheln geraten, weil er sich in Boomzeiten zu viele Hypotheken- und Studentendarlehen aufgeladen und einen Schuldenberg angehäuft hatte. Das Unternehmen finanzierte sich vorwiegend über Geld, dass es am Anleihemarkt aufnahm.
Als sich die Krise verschärfte und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des Unternehmens herunterstuften, wurde die Finanzierung für CIT immer teurer.
Daran sind schon zahlreiche andere Finanzinstitute wie die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac und nicht zuletzt Lehman Brothers gescheitert. Die Rezession tat ihr übriges und ließ den Berg an faulen Krediten bei CIT immer weiter wachsen. Zuletzt waren fast zehn Prozent der Kredite an Firmenkunden vom Ausfall bedroht.
Mitentscheidend für den Gang in den Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts war, dass das Traditionshaus die meisten seiner Gläubiger mit unbesicherten Anleihen von seinem Sanierungsplan überzeugen konnte. Erst vor wenigen Tagen hatte sich CIT hierzu die Unterstützung seiner wichtigsten Großinvestoren gesichert - unter anderem von dem Milliardär Carl Icahn, zuvor vehementer Gegner eines solchen Verfahrens.
Vergangene Woche hatte CIT die Investoren gewarnt, dass es ansonsten in ein ungeordnetes Konkursverfahren mit völlig ungewissem Ausgang gezwungen werde könnte. Dabei könnte die Firma einen Großteil ihres Wertes einbüßen.
Icahn gewährte CIT für das Verfahren einen zusätzlichen Kredit über eine Milliarde Dollar. Zudem sagte die Bank Goldman Sachs zu, eine Kreditlinie über gut zwei Milliarden Dollar während eines Insolvenzverfahrens offenzuhalten.
http://www.welt.de/wirtschaft/article5055483/Groesste-Banken-Pleite-seit-Lehman-Brothers.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Mi Nov 04, 2009 16:39 Titel: |
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Gold sogar bei 1095 (Tageshoch, 4Nov2009).
Wird demnächst eine Korrektur nach unten fällig ?
=== Inder treiben Goldpreis auf Rekord
Gold ist so teuer wie nie. Der Preis für eine Feinunze stieg am Dienstagnachmittag in London auf 1081 $. Der bisherige Rekord stammt vom 14. Oktober und lag bei 1071 $. Eine Feinunze entspricht 31,1 Gramm.
Zuvor hatte Indien 200 Tonnen Gold vom Internationale Währungsfonds (IWF) gekauft. Die Transaktion erfolgte zu Marktpreisen, und entspricht damit einem Wert von 6,7 Mrd. $. Es ist der erste Gold-Verkauf des Währungsfonds seit neun Jahren und entspricht in der Menge rund acht Prozent der jährlichen weltweiten Minenproduktion.
Der IWF-Verkauf signalisiert, dass sich wichtige Marktakteure wie Notenbanken vom stark gestiegenen Goldpreis nicht abschrecken lassen und selbst in solch einem Marktumfeld als Käufer auftreten, um ihre Währungsreserven zu diversifizieren. Das gelbe Edelmetall profitiert derzeit außerdem vom Dollar-Verfall und der Angst vor einer anziehenden Inflation.
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Der IWF-Verkauf ist Teil des Ende September in Kraft getretenen dritten Zentralbankgoldabkommens. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Notenbanken in den nächsten fünf Jahren maximal 400 Tonnen jährlich aus ihren Goldbeständen verkaufen, insgesamt also maximal 2000 Tonnen. Der Währungsfonds wiederum will sich von 403 Tonnen trennen, um seine Finanzen aufzubessern. Wegen Indien ist also bereits die Hälfte des Kontigents für das Jahr und für den IWF ausgeschöpft.
"In den kommenden elf Monaten können die im Zentralbankabkommen angeschlossenen Notenbanken inklusive IWF also nur noch maximal 200 Tonnen Gold verkaufen. China wird dabei als potenzieller Käufer der anderen Hälfte des IWF-Goldes gehandelt. Die Zentralbanken dürften keine nennenswerte Belastung für den Goldmarkt darstellen", sagte Commerzbank-Analyst Weinberg. Die Vermarktungsorganisation World Gold Council erwartet, dass die Zentralbanken künftig sogar zum Nettokäufer werden. Bis vor wenigen Jahren waren sie noch ein großer Nettoverkäufer.
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:umschichtung-der-reserven-inder-treiben-goldpreis-auf-rekord/50032133.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Fr Nov 13, 2009 15:51 Titel: |
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Japan, England und der Rest der Welt.
=== EU stutzt britischen Bankenmarkt
Die britische Bankenlandschaft wird stark umgebaut, um den wettbewerbsverzerrenden Effekt des Staatseinflusses zu begrenzen. Die britische Regierung, die Royal Bank of Scotland (RBS) und die Lloyds Banking Group haben am Dienstag mit der weltgrößten Kapitalerhöhung einer Bank und tiefen Eingriffen auf entsprechende Forderungen der EU-Kommission reagiert. Die beiden Großbanken verkündeten den Verkauf von Geschäftseinheiten, Zweigstellen und Markennamen, um mit Brüssel ausgehandelte Auflagen zu erfüllen.
Beide Banken waren auf dem Höhepunkt der Bankenkrise vom britischen Staat aufgefangen worden. Mit der staatlichen Rückendeckung hatten sie jedoch ihre ohnehin führende Marktstellung überproportional ausweiten können. Da in der Finanzkrise zahlreiche Banken vom Markt verschwunden sind und sich das Bankgeschäft mehr als zuvor auf wenige Institute konzentriert, soll neuen Marktteilnehmern der Zugang zum Geschäft erleichtert werden.
Am Dienstag verkündete die Lloyds Banking Group zudem mit 13,5 Milliarden Pfund die größte Kapitalerhöhung, die eine Bank jemals in der Welt vollzogen hat, um sich ein kräftigeres Kapitalpolster zuzulegen. Mit Hilfe dieser Kapitalerhöhung und einer neuen Form von Anleihen, die im Notfall in Stammaktien umgewandelt werden können, vermeidet es die Bank, dem staatlichen Absicherungsprogramm riskanter Kreditpositionen (Asset Protection Scheme) beizutreten, das ihr sonst teuer zu stehen käme.
Die RBS wird deshalb die einzige britische Bank sein, die das Programm nutzen wird. Eine im Frühjahr geplante Kapitalisierung der Bank mit Hilfe des Staates wird von der britischen Regierung zu 25,5 Milliarden Pfund gezeichnet und notfalls über weitere 8 Milliarden Pfund Kapital aufgestockt, sollte die Eigenkapitalstärke der Bank zu sehr nachgeben.
Da sich der britische Staat auch an der Kapitalerhöhung der Lloyds Banking Group mit 5,9 Milliarden Pfund beteiligt, beläuft sich der Gesamtkapitaleinsatz des britischen Staates auf mehr als 38 Milliarden Pfund.
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Die Lloyds Banking Group gehört zwar weiterhin zu 43,4 Prozent dem britischen Staat, will sich aber mit ihrer gewaltigen Kapitalerhöhung aus dem staatlichen Absicherungsprogramm fernhalten und sich damit gegenüber stärkerem Staatseinfluss abgrenzen. Die Kapitalaufnahme erhöht das Kernkapital der Gruppe auf 8,6 Prozent und über das Ersatzkapital nochmals um 1,6 Prozent. Das reicht als Puffer, um die Verluste aus den riskanten Kreditpositionen auf der Bilanz allein zu verkraften.
Da die staatliche Rückendeckung zu einer Wettbewerbsverzerrung am britischen Markt geführt hat, muss die Bank nach eingehenden und jetzt abgeschlossen Verhandlungen mit der EU-Wettbewerbskommission 600 Zweigstellen und damit 4,6 Prozent Marktanteil im Einlagengeschäft verkaufen. Sie darf in den kommenden drei bis vier Jahren keine namhaften Übernahmen tätigen, zwei Jahre keine Dividenden zahlen und muss dem Staat 2,5 Milliarden Pfund für die bisherige theoretische Sicherheit durch das APS-Programm zahlen. Der Royal Bank of Scotland indessen gelingt es nicht, sich über eine Kapitalerhöhung so zu stärken, dass sie hätte auf den Beistand des APS-Programms verzichten können. Sie lässt sich 282 Milliarden Pfund Risikopositionen staatlich absichern, muss dafür aber einen Erstverlust von 60 Milliarden Pfund tragen, was in der Höhe kaum zu erwarten ist. Dem Staat muss die Bank für die Absicherung des restlichen Verlustrisikos drei Jahre 700 und danach 500 Millionen Pfund jährlich zahlen, kann aber aus dem Programm austreten.
Die RBS gehört zu 70,3 Prozent dem britischen Staat, wobei dessen ökonomisch begründeter Anteil am Kapital auf 84,4 Prozent steigt. Der Konzern muss 318 Zweigstellen mit 1,7 Millionen Privatkunden und 230 000 kleinen Firmenkunden an einen künftigen Konkurrenten verkaufen. Damit gibt die Bank 2 Prozent Marktanteil bei Kleinkunden und 5 Prozent Marktanteil im Mittelstandsgeschäft ab. Auch muss die Bank die RBS-Versicherung und andere Sparten abstoßen, und sie darf im Investmentbanking ihre staatlich gestützte Bilanz nicht mehr so aggressiv im Kapitalmarktgeschäft einsetzen wie bisher. Zudem muss sie Auflagen bei der Bonuszahlung erfüllen.
http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E4B2D2C8CC89D449582169AA9C6335F33~ATpl~Ecommon~Scontent.html
=== Ausgerechnet Japan vor Inflation ?
Wer bereits vergessen hat, dass der Kurs von 30-jährigen US-Staatsanleihen seit Dezember um 28 Prozent gefallen ist, soll bei Renditen von 4,4 Prozent ruhig weiter zocken. Doch wie SocGen anmerkt, steigt das Teuerungspotenzial sogar in Japan.
SocGen hat eine hübsche Idee ins Spiel gebracht: dass der über kurz oder lang zu befürchtende Krach am Markt für Staatsanleihen von Japan ausgehen könnte. Das klingt paradox, droht das Land doch immer tiefer in die Deflation abzurutschen. Nur stellt sich langsam die Frage, wo der Staat die Mittel für sein Budgetdefizit von rund 10,5 Prozent hernehmen soll.
Denn wie SocGen zu Recht anmerkt, ist die Sparquote der privaten Haushalte, der fleißigsten Käufer von Staatsanleihen, in Japan inzwischen nahe null. Derweil steht zu erwarten, dass eine zunehmende Schar von Rentnern ihre Ersparnisse auflöst, also Staatsanleihen verkauft. Wird die Regierung des derzeit mit rund 219 Prozent des BIPs in der Kreide stehenden Landes dann die Kraft aufbringen, die Ausgaben zu kürzen oder die Steuern zu erhöhen?
Wenn nicht, wird wohl die Bank von Japan ranmüssen, ob per direktem Kauf von Anleihen wie in Amerika und Großbritannien oder mithilfe der Geschäftsbanken wie im Euro-Raum, wo die Ausleihungen der Kreditinstitute an die Staaten über die vergangenen beiden Jahre um 27 Prozent oder 607 Mrd. Euro zugenommen haben.
Im Grunde gilt diese Betrachtung also jetzt schon für weite Teile der industrialisierten Welt. Laut IWF werden die Staaten in den entwickelten Ökonomien heuer ein Defizit von neun Prozent des BIPs fabrizieren, was 3500 Mrd. $ oder drei Vierteln des BIPs Chinas entspricht. Hingegen beläuft sich die Ersparnis der Verbraucher in den USA und im Euro-Raum zusammengenommen auf rund 2000 Mrd. $ - brutto, also vor Abschreibungen. Zudem sinkt die Kreditwürdigkeit vieler Staaten täglich. So werden die Schulden der G7 laut IWF 2010 auf 114 Prozent des BIPs steigen.
Werden die Zentralbanken der entwickelten Länder, die mit ihrer Geldpolitik auf die ganze Welt ausstrahlen, da den Mumm haben, die Zinsen spürbar anzuheben, falls es erforderlich wird? Immerhin ist der Geldüberhang jetzt schon riesig, während die Angebotsseite der Wirtschaft zusehends erlahmt. Mit Staatsanleihen kann man angesichts der derzeit so starken deflationären Kräfte zocken, vielleicht sogar noch für ein paar Jahre. Aber ruhig schlafen kann man kaum.
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-ausgerechnet-japan-vor-inflation/50036865.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Do Nov 19, 2009 16:41 Titel: |
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China und die Währung.
=== Der Yuan ist Chinas schärfstes Schwert
Bei aller in Peking zur Schau gestellten Eintracht: US-Präsident Barack Obama und seine chinesischen Gesprächspartner haben bei ihrer Zusammenkunft in wenigen Punkten so recht zueinander gefunden. Besonders ernüchternd ist das Ergebnis in der Währungspolitik. China macht keine Anstalten, seine künstlich niedrig gehaltene Währung auf absehbare Zeit aufzuwerten. In öffentlichen Kommuniqués wurde eine klare Festlegung tunlichst vermieden. Hinter den Kulissen ist allenfalls zu hören, die Führung der Volksrepublik erwäge womöglich, demnächst eine sanfte Aufwertung des Yuan zuzulassen.
Das Ringen um den Yuan wird das große Thema der nächsten Jahre werden – sowohl in den Handelsbeziehungen als auch auf den Weltfinanzmärkten. Der Ausgang des Kampfes ist von schwer erfassbarer Tragweite – und er betrifft deutsche Arbeitnehmer und Anleger mehr, als ihnen lieb sein kann.
Im Kern besteht Pekings Strategie darin, der chinesischen Exportindustrie durch einen künstlich niedrig gehaltenen Wechselkurs einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Dieser Währungsprotektionismus hat zusammen mit dem Fleiß der 1,3 Milliarden Chinesen und dem Ehrgeiz der kommunistischen Partei dazu geführt, dass sich die Volkswirtschaft anschickt, der globalen Wirtschaft ihren Stempel aufzudrücken.
Seit Mitte 2008 hält Peking den Kurs stur bei 6,83 Yuan pro Dollar, obwohl die Kaufkraft des chinesischen Geldes nach Kalkulationen von Ökonomen um 20 bis 30 Prozent höher liegt. Da sich der Wert des Greenback in dieser Zeit gegenüber anderen Valuten deutlich abgeschwächt hat, bedeutete das auch eine Verbilligung des Yuan zum Nachteil anderer Exportnationen. Die Leidtragenden dieser merkantilistischen Ausfuhrförderung sind nicht nur in Asien zu verorten, wo Länder von Thailand bis Taiwan die Hitze deutlich spüren. Als weltgrößter Exporteur kann jedoch auch Deutschland Pekings groß angelegte Währungsmanipulation nicht gleichgültig sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Produkte „Made in China“ qualitativ mit solchen „Made in Germany“ gleichziehen. Dann entscheidet knallhart der Preis.
Der Yuan ist Chinas schärfstes Schwert. Durch seinen Devisen-Protektionismus erobert die seit den Reformen Deng Xiaopings vor 30 Jahren wieder erstarkte Milliardennation die Weltmärkte in atemberaubendem Tempo. Der Millenniums-Baisse und der Finanzkrise zum Trotz konnte die Volksrepublik ihre Wirtschaftskraft in dieser Dekade Jahr für Jahr um durchschnittlich neun Prozent steigern. Seit 1980 hat sich das Bruttoinlandsprodukt verzehnfacht. In fünf bis sieben Jahren wird China seinen ungeliebten Nachbarn Japan als zweitgrößte Ökonomie der Erde abgelöst haben. Spätestens 2050 (manche Prognostiker halten es bereits Mitte der Dreißigerjahre für möglich) dürfte das Reich der Mitte vor den Vereinigten Staaten die führende Volkswirtschaft sein.
Damit erringt das Land den Status wieder zurück, den es Anfang des 19. Jahrhunderts an die Briten abgeben musste. Wegen seiner Größe und seines Reichtums an Menschen, seiner Innovationskraft und hoch entwickelten Kultur war China während des gesamte Altertums und Mittelalters als die größte Ökonomie der Welt. Nun strebt es zurück an die Spitze.
Wie mächtig die Volksrepublik inzwischen wieder ist, lässt sich daran ablesen, dass der Außenwert des Dollar nicht mehr von Washington, sondern mehr und mehr von Peking bestimmt wird. Durch seine Interventionspolitik hat China einen Devisenschatz von 2300 Milliarden Dollar angehäuft, der größte Teil davon in Dollar-Werten. Die Volksrepublik hält allein US-Staatsanleihen im Wert von rund 800 Milliarden Dollar und ist damit der größte Einzelgläubiger der USA. Im Falle einer Konfrontation der absteigenden und der aufsteigenden Supermacht könnte Peking damit drohen, diese Devisenreserven auf den Markt zu werfen.
Ein Dollar-Crash und ein gewaltiges Finanzierungsproblem der Amerikaner wäre die Folge. Allein die Drohung, eine derartige Finanz-Atombombe zu zünden, hatte die Briten 1956 im Suez-Konflikt, zum Einlenken gebracht. Damals waren es die Amerikaner, die am Drücker saßen: Sie hielten ein Großteil der britischen Staatspapiere. Die Krise gilt als das Ende des Empire. Ein solcher Akt würde zwar auch China schaden, kann aber nicht völlig ausgeschlossen werden. Wie der Erste Weltkrieg zeigt, können Nationen sehr wohl Konflikte riskieren, die ihren ökonomischen Interessen zuwiderlaufen.
Die merkwürdige Mischung aus Symbiose und Antagonismus zwischen China und den USA (gelegentlich „Chimerika“ genannt) hat aber noch eine andere, nicht nur für Kapitalanleger höchst interessante Dimension: Durch die extrem niedrigen Zinsen in den USA ist für spekulative Akteure die Versuchung groß, Arbitragegeschäfte (Carry-Trades) zu betreiben. Hedgefonds und andere Spekulanten leihen sich Geld in New York und legen es in wachstumsstarken Märkten an, wo sie höhere Zinserträge, Kursgewinne, Währungsgewinne oder alles zusammen erwarten können. Diese „Carry-Trades“ werden umso verlockender, je länger die Zinsen in Amerika niedrig bleiben. Daher waren die jüngsten Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke, die Sätze über eine „ausgedehnte Zeitspanne“ nicht anheben zu wollen, für die Märkte von enormer Bedeutung.
China und andere fernöstliche Staaten sind ein besonders lohnendes Ziel der Wall-Street-Arbitrageure. Erstens brummt hier Wirtschaft im Gegensatz zur stotternden Konjunktur zu Hause, was höhere Aktiengewinne und höhere Zinsen erwarten lässt, und zweitens sind zusätzliche Währungsgewinne zu erwarten. Die jetzige Situation erinnert sehr an die Anfänge der Japan-Bubble Mitte der Achtzigerjahre. Als deren Startpunkt gilt das Plaza-Abkommen. Bei einem Treffen im New Yorker Plaza-Hotel im September 1985 verständigten sich fünf führenden Industrienationen der westlichen Welt darauf, die globale Ungleichwichte – allen voran die damals bereits bedrohlichen Defizite in der US-Handelsbilanz – abzubauen. Dazu vereinbarten die Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland, Großbritannien und Frankreich, dass Tokio den Yen aufwerten lassen sollte: In der Tat verteuerte sich das japanische Geld in den folgenden Jahren um das Doppelte.
Eine ungewollte Begleiterscheinung von Plaza war aber, dass immer mehr ausländisches Kapital in Japans Immobilien- und Aktienmarkt strömte: Dank der politisch gewollten Wechselkursgewinne konnten die Spekulanten nicht viel falschmachen, zumal das Reich des Tenno damals als ähnlich dynamische Volkswirtschaft galt wie heute das Reich der Mitte. Ende 1989 platze die Bubble auf spektakuläre Weise. Es folgte ein bösartiger Bärenmarkt, der den Nikkei auf ein Fünftel seines Höchststands zurückfallen ließ und die japanische Ökonomie in eine nunmehr zwei Dekaden dauernde Deflation stürzte. Aus Japan Superstar wurde über Nacht der kranke Mann in Fernost: eine Ökonomie, die mittels milliardenschweren Konjunkturprogrammen künstlich am Leben gehalten wird, ein Land, das mit dem Doppelten seiner Wirtschaftsleistung verschuldet ist.
Die Frage ist nun: Kommt es zu einem neuen Plaza-Effekt, diesmal nicht mit dem Yen, sondern dem Yuan als Objekt der Begierde? In diesem Fall droht in Asien womöglich die größte Spekulationsblase aller Zeiten. Tatsächlich könnte die japanische „Bubble Economy“ der Achtzigerjahre nur ein Schatten dessen sein, was sich aktuell auf dem asiatischen Festland anbahnt, hat Chinas Wirtschaft heute doch ein noch größeres Entwicklungspotenzial als seinerzeit Nippon, dessen Bevölkerung nicht einmal ein Zehntel der chinesischen umfasst.
Diesmal gibt es sogar gesteigerten Anlass zur Sorge: Anders als in den Achtzigerjahren werden spekulative Geldflüsse heute durch die rekordniedrigen Zinsen in mehreren Industrieländern ermutigt. Bereits vor anderthalb Dekaden hatte das billige japanische Geld in Reaktion auf die Deflation der Verlorene Dekade eine Spekulationsblase in Ländern wie Thailand, Malaysia, Korea und Indonesien angefeuert, die schließlich in die Asienkrise von 1997 mündete und die betroffenen Gesellschaften an den Rand des Zusammenbruchs brachte. Der Konjunkturabsturz ging in manchen Ländern mit einem Einbruch der Industrieproduktion um ein Viertel einher und erinnerte von seinen Dimensionen an den Beginn der Großen Depression 1930.
Asiatische Notenbankchefs warnen bereits nachdrücklich vor einer neuen Spekulationsblase, die aus der Nullzinspolitik der US-Notenbank Fed resultieren könnte. Eine Blase in China könnte sich als ebenso gefährlich erweisen wie der Heisei-Crash von 1989 und der Tigerstaaten-Crash von 1997 zusammen. Im kapitalistischen Einparteienstaat Indonesien wurde das Suharto-Regime als Konsequenz der Asienkrise gestürzt. Wie würde der kommunistische Einparteienstaat China wohl auf Tumulte reagieren?
Die Alternative ist jedoch ebenfalls nicht sehr rosig: Kann sich Peking einer Aufwertung des Yuan dauerhaft widersetzen, bedeutet das eine schleichende Schwächung der Exportwirtschaft anderer Industrienationen. Das Reich der Mitte würde in diesem Fall gleich einem gigantischen Staubsauger Jobs und letztlich Wohlstand aus der Weltwirtschaft absaugen.
Auch deutsche Ausfuhrunternehmen, wie sie in Dax und MDax so zahlreich vertreten sind, hätten dann meist keine andere Wahl, als ihre Produktion noch stärker als ohnehin schon geplant nach China zu verlagern. Hierzulande könnte wie bereits andernorts eine Deindustrialisierung die Folge sein – mit horrenden Folgen für die Sozialkassen und den Staatshaushalt.
In den Vereinigten Staaten hat sich die industrielle Basis in den vergangenen Jahrzehnten bereits halbiert, die Reallöhne der Arbeiter stagnieren seit den Achtzigerjahren, zuletzt sanken sie sogar.
Deutschland droht nach einer Studie der Boston Consulting Group die Abwanderung von zwei Millionen Industriearbeitsplätzen bis 2015. Der fortgesetzte Einsatz der Waffe Yuan könnte den Prozess beschleunigen.
Die wenig verheißungsvolle Alternative lautet also: Uns erwartet entweder die Mutter aller Spekulationsblasen im Osten oder das Dahinsiechen der Industrie im Westen.
Indessen könnte sich China an seinem schärfstem Schwert, dem Yuan, auch selber schneiden. Vollzieht sich das Diffundieren des Wohlstands in das Reich der Mitte zu schnell, werden in Europa, Amerika und anderswo die Rufe lauter werden, die heimische Produktion durch Zölle zu schützen.
Ein neuer Fall Opel oder ein chinesischer Produkt-Skandal wie der mit verseuchtem Spielzeug könnten den Vorwand dafür liefern. Auf Chinas Währungsmerkantilismus würden Brüssel und Washington zwar nicht mit Kanonenboten reagieren, aber mit dem, was einer Kanonenbootpolitik auf wirtschaftlichem Gebiet am nächsten kommt: Protektionismus. Nur: Würden derartige Drohgebärden das selbstbewusst gewordene Peking wirklich zum Einlenken bringen?
In dem einen wie dem anderen Szenario wird sich eine Gesellschaft, entweder die westliche oder die chinesische, auf eine extreme Belastungsprobe gestellt. Wofür werden sich Obama, Hu Jintao und die anderen Staatsmänner der großen Industrienationen entscheiden? Man fühlt sich düster an die Weissagung des Orakels von Delphi erinnert, das den lydischen König Krösus mit folgenden Worten in eine Schlacht entließ: Wenn Du diesen Fluss überschreitest, wirst du ein mächtiges Reich zerstören. Hätte Krösus nur gewusst, welches Reich das Orakel meinte.
http://www.welt.de/finanzen/article5255712/Der-Yuan-ist-Chinas-schaerfstes-Schwert.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Di Nov 24, 2009 15:32 Titel: |
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Gold bei 1170 Dollar. Wann folgt die Korrektur ?
Und so sieht es bei den staatlichen Banken aus:
=== Hartes Ringen um die Rettung der West LB
Die Mehrheitseigentümer der West LB, der Sparkassenverband Westfalen-Lippe und der Sparkassenverband Rheinland, drohen nach Informationen aus Finanzkreisen damit, die Landesbank in Düsseldorf insolvent gehen zu lassen. Über die dann für Stützungsfälle bereit stehenden Haftungsfonds der Sparkassen-Finanzgruppe ließen sich womöglich Landesbanken und Sparkassen außerhalb von Nordrhein-Westfalen als Kapitalgeber heranziehen. Am Abend trafen sich auf Dringen der West LB in Frankfurt die Vorstandsvorsitzenden der Landesbanken. Wenn bis zum 30. November keine Lösung für den nach Informationen der F.A.Z. auf 3 bis 5 Milliarden Euro taxierten Kapitalbedarf der West LB gefunden ist, könnte die Bank geschlossen werden.
Noch nie war eine Landesbank ein Insolvenzfall. Denn im Prinzip sichert die Sicherungsreserve der Landesbanken den Fortbestand. Mit Hilfe von Nachschusspflichten und Überläufen anderer Töpfe ließen sich insgesamt 4,2 Milliarden Euro von Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen in ganz Deutschland bereitstellen. Jedoch bezweifeln manche Fachleute, dass die Eigner der West LB, neben den Sparkassen das Land und die Kommunen in Nordrhein-Westfalen, durch das Ausrufen des Stützungsfalls Verantwortung auf Sparkassenfonds abwälzen können. Zumindest haften die Eigner noch für in der Zeit der Gewährträgerhaftung vor Juli 2005 begebene Anleihen der West LB von mehr als 50 Milliarden Euro. Ein Insolvenzverwalter könnte diese Forderungen verwerten.
Offenbar sind diese Diskussionen Teil eines seit Monaten laufenden Pokers. Die West LB gilt mit einer Bilanzsumme von 260 Milliarden Euro und 7,8 Milliarden Euro Eigenmitteln als eine für das Finanzsystem relevante Bank und soll deshalb unbedingt vor der Insolvenz gerettet werden. Deshalb ist die West LB in Gesprächen mit dem Bankenrettungsfonds des Bundes (Soffin). Bundesfinanzminister Schäuble (CDU) fordert indes eine Beteiligung der Eigner der West LB an der Rettung. Diese indes wissen um die Systemrelevanz der West LB und haben insofern Erpressungspotential, um möglicherweise andere Geldquellen zu erschließen.
Als große Lösung für die West LB ist eine Aufspaltung in die erste staatlich geförderte Bad Bank und eine gesunde Kernbank geplant. Damit sollen die am 30. November auslaufenden, derzeit das Überleben der West LB sicher stellenden Garantien abgelöst werden. Für die Bad Bank sind 85 Milliarden Euro an Vermögenswerten vorgesehen. Hierbei handelt es sich um mehr oder weniger riskante Geschäfte, die die West LB nicht mehr zu ihrem Kerngeschäft zählt.
Szenariorechnungen deuten nach Informationen dieser Zeitung darauf hin, dass in der Bad Bank Verluste von 4 Milliarden zu erwarten sind, die mit 1 bis 3 Milliarden Euro Eigenkapital sowie Garantien abzudecken sind. Das Eigenkapital der Kernbank, die nach Auflagen der Europäischen Kommission von August 2010 an verkauft werden muss, soll durch Soffin, West-LB-Eigner oder andere Quellen um rund 2 Milliarden Euro Eigenkapital aufgestockt werden, heißt es. „Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen“, hieß es am Montag beim rheinischen Sparkassenverband.
Text: ham./St./F.A.Z.
Bildmaterial: Edgar Schoepal / F.A.Z.
http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~EAF7A8A7B08544B6C95D09AE824556749~ATpl~Ecommon~Scontent.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Fr Nov 27, 2009 15:07 Titel: |
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Gedanken über Verkaufsdruck und eine neue Abwärtsspirale.
=== Dubais Geldnot reißt Börsen weltweit in die Tiefe
Es war ein Treffen mit surrealem Hintergrund. Am Dienstag dieser Woche versammelten sich mehr als 200 Finanzexperten im Golfemirat Dubai. Das Motto der Konferenz: „What happens next? – Was passiert als nächstes?“ Eine berechtigte Frage: Schließlich standen die Finanzen des hochverschuldeten Emirats seit Monaten auf wackeligen Füßen. Doch der Chef von Dubais Finanzzentrum (DIFC) gab sich als grenzenloser Optimist. Die Verlagerung des weltwirtschaftlichen Schwergewichts nach Osten werde neue Finanzzentren – sprich: Dubai – auf ein Niveau mit London und New York bringen, sagte DIFC-Chef Abdullah Mohemmed Al Awar.
Einen Tag später zerbrach das idyllische Bild des solventen Golf-Fürstentums. Dubai musste Geldnöte eingestehen. Die staatliche Holding Dubai World, die unter anderem für die künstliche Inselgruppe im Meer verantwortlich ist, kann Kredite nicht mehr zurückzahlen. Die Finanzmärkte reagierten geschockt.
...
Dubai wollte sich in wenigen Jahren, mit einem beispiellosen Bauboom auf Pump, vom verschlafenen Perlenfischerdorf zum führenden Finanz-, Handels- und Tourismuszentrum emporschwingen. Hauptvehikel des Booms, zu dessen Sinnbild extravagante Hotels und eben die palmenförmige Inselgruppe wurde, war die staatliche Holding Dubai World mit ihrer Bautochter Nakheel. Zusammen nahmen die beiden 59 Milliarden Dollar (39,3 Milliarden Euro)Schulden auf.
Nach Beginn der Finanzkrise aber geriet Dubai unter Druck. Hunderte Bauprojekte wurden gestoppt. Private Wohnungspreise brachen um die Hälfte ein. Prestige-Unternehmen Nakheel entliess Tausende Mitarbeiter. Am Mittwochabend zündete Dubais Regierung mit einer dürren Mitteilung dann die veritable Bombe: „Dubai World beabsichtigt, alle Finanziers für Dubai World und Nakheel um einen Stillstand zu ersuchen und Fälligkeiten bis mindestens zum 30. Mai 2010 hinauszuschieben.“ Am 14. Dezember sollte Nakheel eigentlich 3,52 Milliarden Dollar plus Zinsen zurückzahlen. Weitere Tranchen wären in den nächsten Monaten fällig geworden. Insgesamt muss Dubai der Ratingagentur Standard & Poor zufolge von mindestens 80 Milliarden Dollar Schulden bis zum Jahr 2012 immerhin 50 Milliarden zurückzahlen.
Die Erklärung der vorübergehenden Zahlungsunfähigkeit sorgte bei Investoren für Angst und Schrecken. Zweifel an der Bonität andere Staaten aus der Golf-Region machten die Runde. Besonders die Aktien von Finanzunternehmen, die in der Region engagiert sind, und von Unternehmen mit arabischen Großaktionären gaben nach, etwa die der der Londoner Börse. Auch der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und die Deutsche Bank verloren, ebenso Volkswagen, Porsche und Daimler. Zu den Sorgen gehört, dass die arabischen Teilhaber ihre Aktien verkaufen müssen, um an Geld zu kommen.
Kreditausfallversicherungen für Anleihen verteuerten sich auf der anderen Seite erheblich. Der Fall Dubai rückt wieder ins Bewusstsein, dass in der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht alle Leichen aus dem Keller geholt sind.
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Wenn Staaten wie Dubai anfängen zu kippen, könnten auch andere Staaten schnell ins Wanken kommen.
So macht selbst das ölreiche Saudi-Arabien schlechte Schlagzeilen: etwa mit mindestens 20 Milliarden Dollar, die zwei saudische Familienholdings Dutzenden britischer Banken schulden. In Europa blieb im Wackelland Ukraine eine staatliche Eisenbahnlinie am 20. November eine Kreditrate fällig. Innerhalb der Europäischen Union gab die neue Regierung Griechenlands bekannt, sie müsse 2010 mit einem Haushaltsdefizit von mehr als zwölf Prozent bestreiten. Selbst für die Absicherung gegen einen Ausfall japanischer Anleihen müssen Investoren wieder tief in die Tasche greifen. Deutschland wird dagegen unverändert als Hort der Sicherheit gesehen.
Wie Dubai dabei abschneidet, ist völlig offen. Zwar hat dem Emirat Nachbar Abu Dhabi mittlerweile Kredite von insgesamt 15 Milliarden Dollar gewährt – den letzten pikanterweise noch am Mittwoch. Doch das reicht offenbar bei weitem nicht aus. Bestehen internationale Gläubiger auf fristgerechter Rückzahlung, „muss Dubai möglicherweise einen Teil seines Tafelsilbers verkaufen“, sagt Eckart Wörtz vom Gulf Research Center in Dubai. Wertvolle Beteiligungen Dubais sind etwa Teile der Vorzeige-Luftlinie Emirates, die US-Kaufhauskette Barneys, ein Fünftel der Londoner Börse LSE, zwei Prozent der Deutsche Bank-Aktien oder der Hafenbetreiber DP World.
http://www.welt.de/finanzen/article5339639/Dubais-Geldnot-reisst-Boersen-weltweit-in-die-Tiefe.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Mi Dez 02, 2009 13:19 Titel: |
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Die Notenbanken machen mobil.
Die Papiere des Versicherungsriesen AIG schossen sogar um 8,6 Prozent in die Höhe, nachdem der Konzern ein Abkommen mit der Notenbank Fed geschlossen hatte, womit die Schulden von AIG unter einem Rahmenkredit um mehr als die Hälfte auf 17 Milliarden Dollar reduziert werden.
http://www.welt.de/finanzen/article5397426/Konjunkturdaten-befluegeln-US-Boersen.html
Die Notenbank der Vereinigten Arabischen Emirate hält die heimischen Finanzinstitute für gut gerüstet. Er sehe keinen Grund zur Besorgnis, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur WAM den Chef der Zentralbank, Sultan Nasser al-Suweidi.
Suweidi bekräftigte die Haltung der Zentralbank, die am Sonntag erklärt hatte, sie stehe hinter den Geldinstituten der Vereinigten Arabischen Emirate und habe einen Notfonds für die Banken eingerichtet, um ihre Liquidität zu gewährleisten.
Dubais Regierung hatte zuvor erklärt, sie werde nicht für die milliardenschweren Schulden der staatseigenen Holding Dubai World geradestehen. Dies sei Sache der Gläubiger, die ihren Teil der Verantwortung tragen müssten, sagte ein hochrangiger Vertreter des Finanzministeriums.
http://www.welt.de/wirtschaft/article5387136/Notenbank-sichert-die-Geldinstitute-der-Emirate.html
=== Die Notenbanken werden zum Risikofaktor
Die Anleger sind beunruhigt. Sie fürchten um den Wert ihrer Ersparnisse in Dollar, Yen, Pfund und Euro. Als Ausweg sehen viele Sachwerte. Hauptprofiteur ist Gold, dessen Preis am Dienstag ein Rekordhoch markierte. Die Unze kostete erstmals knapp 1200 Dollar. Mit 794 Euro war das Metall auch in der Europa-Währung so teuer wie nie.
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Eigentlich ist es Hauptaufgabe der Währungshüter, für die Stabilität des Geldes zu sorgen. Aber seit gut einem Jahr haben sie andere Schwerpunkte. Im September 2008 brachte der Lehman-Kollaps die Finanzwelt an den Rand des Zusammenbruchs. Seither sind sie damit beschäftigt, Liquidität ins Bankensystem zu pumpen. Aus den Hütern des soliden Geldes wurden Ingenieure des üppigen Geldes.
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Ingenieure diesen neuen Typus von Notenbank sind die Japaner. Am Dienstag kamen die Granden der Bank of Japan in Tokio zusammen, um ein Notprogramm zur verabschieden: Zehn Billionen Yen (76 Mrd. Euro) wollen sie drucken, um die zweitgrößte Volkswirtschaft aus der Abwärtsspirale von Deflation und Stagnation zu befreien.
Die Bank of Japan hat bereits Erfahrung in diesem Geschäft. Japan Finanzkrise begann bereits in den Neunzigerjahren. Die Bank of Japan entwickelte neue Methoden, um die kriselnden Kreditinstitute (und über sie die ganze Wirtschaft) mit frischem Geld zu versorgen. Als die Absenkung des Leitzinses auf praktisch null nichts mehr brachte, verfielen sie vor dem Millennium auf „unkonventionelle Methoden“.
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Dieser geheimnisvolle Ausdruck umschreibt den Aufkauf von Anleihen am Markt. Durch diese Intervention drücken sie gezielt die Marktzinsen. Und genau das ist das Ziel: Die niedrigen Zinsen sollten Verbraucher, Bauherren, Firmen und Staaten dazu animieren, sich Geld zu leihen und auszugeben. Zumindest in der Theorie bringt das die gelähmte Volkswirtschaft wieder zum Laufen.
Doch die unkonventionellen Maßnahmen haben eine dunkle Seite: „Durch die Aufkäufe haben sich für die Notenbanken die Bilanz-Risiken erhöht“, sagt Nobuyuki Saji, Chefökonom bei Mitsubishi UFJ Securities. Da die Institutionen Sachwalter öffentlicher Interessen sind, müssen die in den Bilanzen schlummernden Gefahren jedem einzelnen zu denken geben.
Saji hat die Bilanzstrukturen der einzelnen Notenbanken ausgewertet. Die größte Bilanz-Aufblähung hat er bei der amerikanischen Federal Reserve festgestellt. Zwischen Ende 2007 und Herbst 2009 ist das Volumen um den Faktor 2,3 hochgeschnellt. In diesem Maße ist neues Geld ins Finanzsystem gepumpt, dem kein entsprechendes Mehr an Gütern und Dienstleistungen gegenübersteht. Allein die hohe Arbeitslosigkeit, die geringe Auslastung der Fabriken und das Angstsparen der Verbraucher verhindern, dass es zu einem Hochschnellen der Inflation kommt. Auch die Bank of England und die Bank of Japan haben sich dieser Politik verschrieben. Selbst die Europäische Zentralbank (EZB), die sich als Hort des stabilen Geldes sieht, hat ihre Bilanz aufgebläht.
Darin finden sich immer häufiger Staatspapiere, sei es weil die Notenbanken die Titel direkt am Markt erwerben, sei es weil die Geschäftsbanken die Titel bei ihrer Refinanzierung als Pfand hinterlegen. Die Notenbanken werden so Schritt für Schritt zu den größten Inlands-Gläubigern der Regierungen. Die Staaten wiederum sind mehr und mehr auf die Notenbanken angewiesen. Noch nie in Friedenszeiten ist die Verschuldung so stark angestiegen wie in den 14 Monaten seit dem Lehman-Schock. Die Bundesrepublik Deutschland stöhnt inzwischen unter einer Kredit-Last von 1,7 Billionen Euro. Das entspricht rund drei Viertel aller Güter und Dienstleistungen, die alle Einwohner in einem Jahr herstellen. Im Jahr 2000 lag die Quote noch bei rund 50 Prozent.
In Amerika ist die Lage noch dramatischer: Alle Bundesstaaten mit eingerechnet ist die größte Volkswirtschaft der Welt mit 12 Billionen Dollar verschuldet. Schon im nächsten Jahr werden es nach Schätzungen von Experten zwei Billionen mehr sein. Dann werden die USA zu rund 100 Prozent ihres Bruttosozialprodukts in der Kreide stehen. Am düstersten sieht es in Japan aus, wo die Quote bei 200 Prozent liegt. Inzwischen sind die Notenbanken zu einem unverzichtbaren Teil des Prozesses geworden, da sich sonst nicht genügend Käufer für die vielen Schuldentitel finden würden.
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http://www.welt.de/finanzen/article5395274/Die-Notenbanken-werden-zum-Risikofaktor.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Di Dez 15, 2009 16:05 Titel: |
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Amerika, Deutschland, Japan.
Großbanken, Banken und Pleitefirmen.
=== Letzte Großbank zahlt Staatshilfe zurück
Die amerikanische Großbank Wells Fargo will mit ihren Wettbewerbern gleichziehen und die erhaltenen Staatshilfen zurückzahlen. Wells Fargo hatte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise rund 25 Milliarden Dollar aus dem Bankenrettungsprogramm „Tarp“ der amerikanischen Regierung erhalten.
Die Rückzahlung soll nun mit der Ausgabe neuer Aktien im Wert von 10,4 Milliarden Dollar ermöglicht werden, teilte Wells Fargo am Montagabend mit. Nach Abschluss der Transaktionen werde das Kernkapital (Tier 1) eine Quote von 6,2 Prozent erreichen, hieß es weiter.
Der Rettungsplan Tarp habe das Finanzsystem der Vereinigten Staaten „in einem Moment stabilisiert, in dem das Vertrauen in die weltweiten Finanzmärkte so stark auf die Probe gestellt wurde wie nie zuvor in unserer Geschichte“, sagte John Stumpf, der Vorstandsvorsitzende von Wells Fargo.
Wells Fargo ist die letzte amerikanische Großbank, die sich von den Staatshilfen löst. Nachdem sich Banken wie JP Morgan Chase, Morgan Stanley und Goldman Sachs bereits aus der Umklammerung des Staates befreit hatten, hatte die Citigroup, die schwer von der Finanzkrise getroffen worden war, gestern angekündigt, die Staatshilfen nun ebenfalls zurückzuzahlen. Zur Finanzierung will sie am Aktienmarkt insgesamt 20 Milliarden Dollar erzielen (siehe auch: Citigroup zahlt Staatshilfe zurück). Als letzte der großen Banken stand damit nur noch Wells Fargo aus. Mit der Auszahlung des Staates lösen sich die Banken von den Vorgaben, die die Regierung unter anderem für Bonuszahlungen an Manager gesetzt hatte.
Die Vereinigten Staaten machen nach den Worten von Finanzminister Timothy Geithner mittlerweile sogar einen gesunden Gewinn mit ihren Bankenhilfen. Mit den zuletzt angekündigten Rückzahlungen der Institute sei die Regierung auf gutem Weg, die eingesetzten Steuergelder um mehr als 75 Prozent zu reduzieren, erklärte Geithner am Montag in Washington. Einem Sprecher des Ministeriums zufolge summieren sich die Rückzahlungen inzwischen auf 185 Milliarden Dollar. 90 Milliarden Dollar würden alleine im Dezember ins Staatssäckel zurückfließen.
http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~EA1BCE565E6B140908A6867DFB212C557~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews
=== Bank of America zahlt Staatshilfe zurück
Die Bank of America hat 45 Milliarden Dollar Staatshilfen zurückgezahlt, die sie im Zuge der Finanzkrise erhalten hatte. Damit habe die Bank alle Gelder aus dem staatlichen Bankenrettungspaket TARP zurückerstattet, erklärte das Institut. Ursprünglich wollte die Bank of America die Rückzahlung schon am 2. Dezember abschließen. Vor einer Woche hatte sie angekündigt, diesen Schritt noch im Dezember zu vollziehen.
"Hilfe in einer schwierigen Zeit"
Bankchef Kenneth Lewis bedankte sich ausdrücklich beim amerikanischen Steuerzahler: Die Geldspritze habe durch eine sehr schwierige Zeit geholfen. Der Konzern hatte sich vor einem Jahr bei der Milliardenübernahme der Investmentbank Merrill Lynch verhoben und war erst durch die Staatsbeteiligung gerettet worden.
Die Bank of America wollte wie andere Geldhäuser die Hilfen aus dem TARP-Programm möglichst rasch zurückgeben, um den Einfluss der Regierung auf Managergehälter und Dividendenzahlungen zu beenden. Der Schritt könnte die Suche nach einem Nachfolger für Lewis erleichtern, der seinen Rückzug angekündigt hatte.
Rettungspaket verlängert
Die USA verlängerten derweil das zum Jahresende auslaufende Rettungspaket bis Oktober 2010. Es würden aber nicht mehr als 550 Milliarden Dollar aus dem Topf benötigt, schrieb US-Finanzminister Timothy Geithner in einem Brief an den US-Kongress. Das Tarp-Programm ist insgesamt 700 Milliarden Dollar schwer.
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/bankofamerica134.html
=== Citigroup zahlt Staatshilfe zurück
Die Citigroup hat sich mit der amerikanischen Regierung auf die Rückzahlung milliardenschwerer Staatshilfen geeinigt. Das ehemals weltgrößte Geldhaus kündigte am Montag eine Kapitalerhöhung im Volumen von 17 Milliarden Dollar an, um das sogenannte Tarp-Programm 2010 verlassen zu können. Das Institut wird nach eigenen Angaben damit insgesamt 3,1 Milliarden Dollar an Dividenden und Zinsen an die Regierung gezahlt haben.
Als Teil der Einigung wird das amerikanische Finanzministerium Citigroup-Aktien im Wert von bis zu fünf Milliarden Dollar verkaufen. Die übrigen in staatlichem Besitz befindlichen Aktien will das Finanzministerium nach eigenen Angaben in den kommenden sechs bis zwölf Monaten verkaufen. ...
Die amerikanische Bank hat in mehreren Schritten insgesamt 45 Milliarden Dollar Hilfen aus dem staatlichen Rettungsprogramm Tarp erhalten. Im Zuge der letzten Tranche wandelte die Regierung 25 Milliarden Dollar in eine Aktienbeteiligung an der Bank um. Die Regierung hält knapp 34 Prozent an Citigroup. Dieser Anteil ist mittlerweile fast 30 Milliarden Dollar wert.
http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E158633F6FE7F48FD8C34B8FB796D6A19~ATpl~Ecommon~Scontent.html
=== Erste «Bad Bank» in Deutschland
Düsseldorf/Frankfurt (dpa) - Erste «Bad Bank» für Deutschland mit Hilfe des Staates: Das «Erste Abwicklungsanstalt» genannte Institut soll der angeschlagenen WestLB ermöglichen, «faule Papiere» im Volumen von 85 Milliarden Euro auszugliedern.
Wie der Bankenrettungsfonds SoFFin am Montag mitteilte, geht es um strukturierte Wertpapiere, sonstige Risikopositionen sowie Geschäftsfelder, die die nordrhein-westfälische Landesbank nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Die Abwicklungsanstalt wurde bereits am Freitag errichtet. Die Aufspaltung der WestLB soll bis Ende April rückwirkend zum 1. Januar 2010 erfolgen.
Mit den Papieren im Volumen von 85 Milliarden Euro lagert die Landesbank ungefähr ein Drittel ihres Geschäftsvolumens aus. Darunter sind Anleihen von EU-Ländern und US-Studentenkredite, für die der US-Steuerzahler weitgehend bürgt. Enthalten ist aber auch die Refinanzierung einer Zweckgesellschaft, in die die WestLB Anfang vergangenen Jahres risikoreiche Papiere zum Einkaufspreis von 23 Milliarden Euro ausgelagert hatte. Diese in Irland angesiedelte Zweckgesellschaft gilt als die eigentliche «Bad Bank» der WestLB.
Über die Lastenverteilung für den WestLB-Umbau war wochenlang gestritten worden. Ende November einigten sich die WestLB-Eigentümer und der Bund auf ein Rettungspaket. Der Bund gibt eine Kapitalspritze von bis zu 4 Milliarden Euro für die WestLB-Kernbank. Die Sparkassen Nordrhein-Westfalens und das Land NRW tragen Garantien in Höhe von einer Milliarde Euro für die «Bad Bank» und müssen außerdem unerwartete Verluste der «Bad Bank» übernehmen. Die NRW-Sparkassen wollen deshalb über 25 Jahre einen Teil ihrer Gewinne zurücklegen und inklusive Zinseffekten eine Summe von 4,5 Milliarden Euro ansparen.
www.welt.de
=== Japans Wirtschaft steht vor dem großen Schock
Es war kein erfreulicher Termin für den Sprecher der japanischen Regierung. Am Mittwoch vergangener Woche musste Hirofumi Hirano gestehen, dass die offiziellen Zahlen zum Wirtschaftswachstum übertrieben sind: Statt fünf Prozent wuchs Japans Wirtschaft von Juli bis September gerade um 1,3 Prozent. Hauptgrund für die radikale Berichtigung, die in Tokio alle Hoffnungen auf ein schnelles Ende der tiefen Rezession dämpfte: Anders als erwartet haben Unternehmer ihre Investitionen im Sommer 2009 nicht erhöht, sondern scharf zusammengestrichen.
Das kümmerliche Wachstum nach tiefem Sturz ist nicht die einzige schlechte Nachricht für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Bereits Ende November gab Premierminister Yukio Hatoyama zu, dass die Deflation zurückgekehrt ist und die Preise wieder fallen. Finanzminister Hirohisa Fujii gestand, dass Steuereinnahmen deutlich niedriger sind als angenommen: Erstmals in der Nachkriegsgeschichte wird Japan vor allem durch neue Schulden finanzieren. Die ohnehin weltweit höchste Staatverschuldung – gemessen an der Wirtschaftskraft – soll im Rekordtempo klettern. Schon sprechen Analysten wie der Chef von Morgan Stanley Asien, Stephen Roach, gegenüber der Wirtschaftsagentur Bloomberg von Japans „zweitem verlorenen Jahrzehnt“.
Dabei sitzt den Japanern noch der Schock des ersten verlorenen Jahrzehnts in den Knochen: Der Grundstock zur explodierenden Staatsverschuldung wurde in dieser nie völlig überwundenen Krise gelegt. In den 80er-Jahren galt Japan noch als wirtschaftlich unverwundbar. Ab 1991 aber gaben Immobilienpreise und Börsenkurse nach. 1997/98 wurde in einer Kreditkrise klar, dass Banken und Unternehmen immer noch auf Hunderten Mrd. fauler Kredite saßen.
In der Krise entpuppten sich vorherige Stärken als gefährliche Schwächen – vor allem das engmaschige Netz aus Bürokraten, Industriellen und Bankiers, in dem Vetternwirtschaft ebenso üblich war wie die Ausschaltung von Konkurrenz. Dazu kam die geringe Produktivität bei kleinen und mittelgroßen Firmen.
Nach dem Platzen der Blase und dem Absturz der Wirtschaft zögerte Japans Zentralbank fast anderthalb Jahre, bis sie den Leitzins von acht Prozent absenkte. Die eng mit den überschuldeten Unternehmern verbundenen Liberaldemokraten begannen erst ab Ende 2002, ernsthaft die Bücher der Konzerne aufzuräumen, Banken zu verstaatlichen und andere in den Bankrott zu schicken. Zwischen 1992 und 2005 schrieben japanische Banken umgerechnet 800 Mrd. Euro fauler Kredite ab – fast 20 Prozent der jährlichen Wertschöpfung.
Um den Einbruch abzumildern, beschloss die Regierung zu Beginn der 90er-Jahre mehrere Konjunkturprogramme. Die kosteten dem Kabinettsbüro der japanischen Regierung zufolge von 1991 bis September 2008 umgerechnet knapp 4900 Mrd. Euro. Doch mit den Konjunkturspritzen wurden keine zukunftsträchtigen Industrien oder Projekte finanziert, sondern vor allem der Bau von Straßen und überflüssiger Brücken. Die Programme verhinderten eine Große Depression, hinterließen aber gigantische Schulden. Nach der Jahrtausendwende sah es so aus, als sollte Japan die Kurve kriegen. Vom Februar 2002 bis Oktober 2007 konnten Autounternehmen und Elektronikfirmen kaum so schnell herstellen, wie ihnen die Waren vor allem in China und den USA aus den Händen gerissen wurden. Doch der Boom beseitigte nicht Schwächen wie geringe Innovationsfreudigkeit und schlechte Kapitalversorgung kleiner und mittlerer Unternehmen. Japans Großindustrie sanierte sich über Entlassungen, Gehaltskürzungen und über den zunehmenden Einsatz von Teilzeitarbeitskräften. Fünf Millionen Vollzeitstellen fielen weg. Beim Kamerahersteller Canon zum Beispiel waren 2007 schon 70 Prozent aller Arbeitnehmer Teilzeitkräfte, sagt Pascal Gudorf von der Auslandshandelskammer in Tokio. Diese verdienen nicht nur weniger als normale Arbeitskräfte, sondern haben auch kein Recht auf viele Sozialleistungen.
Die neuen, oft jungen Arbeitnehmer machen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge heute gut ein Drittel aller Arbeitskräfte in Japan aus: Sie verdienen schlecht und können daher wenig für den Konsum ausgeben. „Die Einkommensunterschiede zwischen dem reichsten und ärmsten Teil der Gesellschaft haben sich seit den 80er-Jahren erheblich verschärft“, sagt Gudorf. Das frühere Verständnis Japans als homogene Mittelstandgesellschaft zerbricht. Oft schränken sich auch die Eltern mit noch sicheren Jobs ein, um dem Nachwuchs zu helfen. Die Boomjahre waren gut für die Unternehmen, doch schlecht für Arbeitnehmer: Der OECD zufolge sanken die Löhne bei Großunternehmen um fünf, bei kleinen sogar um zehn Prozent. Der private Konsum stagnierte. Für die Volkswirtschaft ist das trotz der Exportstärke verheerend: Der einheimische Konsum steht immer noch für 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ab dem Herbst 2007 begann auch der Export einzubrechen.
Milliarden für die Wirtschaft
Erst gingen die Aufträge aus den USA zurück, dann auch aus Asien und Europa. Mit einem Minus von bis zu 12,7 Prozent stürzte Japan in die tiefste Rezession aller Wirtschaftsgroßmächte. Erfolgsexporteure wie Toyota oder Sony schrieben rote Zahlen. „Hunderttausende Teilzeitkräfte in der Industrie verloren im Winter 2008/2009 ihre Stellen, viele von ihnen mussten kurz darauf auch ihre Zimmer in den Firmenwohnheimen räumen“, so Gudorf. 2009 brach der Export weiter um ein Viertel ein. Die Gewinne bei Autoherstellern und Elektronikproduzenten sind laut einer Studie des Finanzministeriums bis Anfang Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 69,3 Prozent geschrumpft. Die Arbeitslosigkeit liegt bei fünf Prozent, was für westliche Verhältnisse zwar gering erscheint, viele Arbeitslose werden in Japan aber nicht registriert.
Gewiss: Noch immer halten Unternehmen wie Toyota ihre weltweite Spitzenstellung. Der Autobauer hat seine Forschungs- und Entwicklungsausgaben nicht zurückgefahren, sondern arbeitet weiter an umweltfreundlichen Autos – einem Marktbereich, in dem das Unternehmen schon heute führend ist. Doch die Nachfrage in Japan selbst wird schon wegen der alternden Bevölkerung zurückgehen. Und junge Teilzeit-Arbeiter können sich oftmals kein Auto mehr kaufen.
Eine Große Depression wird in Japan bisher nur mit neuen Schulden verhindert. Seit August 2008 gab Japans Regierung vier Konjunkturprogramme bekannt. Am Dienstag vergangener Woche folgte das fünfte – für weitere umgerechnet 55,6 Mrd. Euro. Schon Wochen vor Bekanntwerden des letzten Programms überschlug der Finanzminister, Japan werde allein in diesem Haushaltsjahr für umgerechnet bis zu 386 Mrd. Euro neue Anleihen ausgeben. „Jetzt ist die Zeit, kühn zu sein und mehr Defizit-Anleihen auszugeben“, sagte der Minister. 1992 betrugen Japans Staatsschulden 60 Prozent des BIP. Ende 2009 wird Japan der Ratingagentur Moody’s zufolge einen Schuldenberg von umgerechnet 7540 Mrd. Euro aufgetürmt haben. Das entspricht 216 Prozent des BIP – die mit Abstand höchsten Schulden aller großen Wirtschaftsnationen.
Schon jetzt bekommt Japan als einziges G-7-Land neben Italien von den Ratingagenturen nicht die Höchstwertung „AAA“ für seine Staatsanleihen, sondern nur die zwei Stufen niedrigere Bewertung Aa2. Die OECD fordert in seinem vor kurzem erschienenen Japan-Report 2009 einen glaubwürdigen, tief greifenden Reform- und Sparplan, „um öffentliches Vertrauen in Japans finanzielle Nachhaltigkeit aufrecht zu erhalten“. Schwindet dieses, müsste Japan immer mehr Zinsen für seine Schulden zahlen. Schon heute fließt ein Fünftel des Haushaltes in Zinszahlungen. Manche Analysten glauben, dass Japan noch fünf Jahre Zeit hat, um seine Finanzen in Ordnung zu bringen. Andere, etwa Carl Weinberg von der auf Regierungsfinanzen spezialisierten Firma High Frequency Economics, sind skeptischer. „Wir glauben, dass eine Finanzkrise unmittelbar bevorsteht.“
Doch solchen Warnungen zum Trotz haben die Japaner die überfällige Sanierung der Staatsfinanzen verschoben. Die im August gewählte Demokratische Partei versprach im Wahlkampf neue Wohltaten: etwa gebührenfreie Autobahnen, neue Subventionen für Bauern, höheres Kindergeld. Erwartete Zusatzkosten: bis zu 120 Mrd. Euro.
http://www.welt.de/wirtschaft/article5531072/Japans-Wirtschaft-steht-vor-dem-grossen-Schock.html |
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Sarastro
Anmeldungsdatum: 23.05.2007 Beiträge: 507
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Verfasst am: Mi Jan 06, 2010 15:51 Titel: |
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Goldseiten Kommentare.
=== Inflation: Bernanke strapaziert sein Glück
Die überwiegende Mehrheit der Ökonomen meint jetzt, die Rezession sei vorüber. Viele gehen davon aus, dass das nominale BIP im Jahr 2010 um ganze vier Prozent wachsen wird. Jetzt, da man annimmt, die Wirtschaft stehe wieder auf festem Boden steht, fängt so mancher im Privatsektor an, über Inflation zu reden.
Zwar erkennen die US-Notenbank und die Obama-Administration an, dass sich das Wachstum wieder eingestellt hat, in ihren Augen stellt die Inflation jedoch keine Bedrohung dar. Die politischen Kosten einer anhaltenden Rezession wiegen für sie weitaus schwerer als mittelfristige Überlegungen zum Wert des Dollars; ihre Absicht ist es daher, die kurzfristigen Zinssätze bei 0% zu halten. Dies hat schon zu unnatürlichen Bedingungen am Markt für US-Staatsanleihen gesorgt, und es schränkt die Aussichten auf wahres Wachstum ein.
Indem die Fed Nullzinskredite vergibt, ermöglicht sie es den Banken, in langfristige Staatsanleihen zu investieren und von der großen Zinsdifferenz von fast vier Prozent zu profitieren. Zusätzlich - und zum ersten Mal überhaupt - zahlt die Fed Zinsen auf Bankeinlagen, die bei der Fed hinterlegt sind. Würde eine Bank in einer solchen "LA-LA-Welt" das unnötige Risiko eingehen und kleineren Unternehmen, die insgesamt die meisten neuen Jobs schaffen, Kredite geben? Für alle - außer für die größten Unternehmen, die auch direkten Zugang zum Anleihemarkt haben - ist Kredit knapp. Der Mangel an Bankliquidität für den Privatsektor hat die Schaffung von Arbeitsplätzen eingeschränkt und trägt jetzt mächtig zum rezessiven Druck bei.
Noch schlimmer ist: Diese monetäre Tretmühle hat die Marktsignale für kommende Inflation unterbrochen.
Wenn die Riesensummen, die den Banken geliehen wurden, an die Regierung zurückrecycelt werden, so wird dieses Geld ausschließlich ein Teil der monetären Basis bleiben, aber nie ins Geldangebot eingehen. Nur wenn die Banken zur Kreditvergabe an die Realwirtschaft angehalten werden, so wird auch dieses "Rettungsgeld" in den Markt fließen und die Verbraucherpreise nach oben treiben.
Aktuell scheint die Inflation niedrig. Aber sollte sich die Fed entscheiden, die Zinssätze zu erhöhen, dann kommen auch die risikofreien Geschäfte zwischen dem kurzen und langen Ende der Zinskurve zum Erliegen. Ab diesem Moment werden die Banken mit der Kreditvergabe an kleine Unternehmen und Privatpersonen beginnen müssen. Das gesamte Bild der Inflation ändert sich dann drastisch.
Noch wichtiger ist die Frage, was passieren wird, sollte Bernanke die Zinssätze nicht voll und ganz unter Kontrolle haben. Sollten Investoren nun den wachsenden Staatsdefiziten misstrauischer entgegenblicken, wird das Potential für steigenden Inflation wachsen und auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen anhebt. Investoren könnten für Verkaufsdruck sorgen, hauptsächlich am langen Ende der Zinskurve. Mit den ca. vier Prozent Zinsdifferenz zwischen kurzfristigen und langfristigen Staatsanleihen ist die Kurve tatsächlich schon steiler, als sie es seit Jahren gewesen ist. Der Verkaufsdruck könnte Bernanke zwingen, die kurzfristigen Zinsen anzuheben.
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http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=12438
=== Wird staatlicher Zahlungsausfall zum Ende des Sozialismus führen?
Für viele Menschen hat der Begriff Sozialismus ganz unterschiedliche Bedeutungen, doch ganz gleich wie er definiert wird, in den unmittelbar vor uns liegenden Monaten wird er rigoros auf die Probe gestellt. Diese Probe wird jeder mitverfolgen können, denn überall auf der Welt wird Ländern das Geld ausgehen, sie werden sich ihren erdrückenden Schuldenlasten, die nicht rückzahlbar sind und auch den anderen, breitgefächerten Finanzversprechen, die nicht mehr eingelöst werden können, stellen müssen. Kurz: Der ideologische Bankrott des Sozialismus wird durch staatliche Insolvenzen offen gelegt.
Früher oder später musste es kommen. Die Gründe dafür sind unschwer zu erkennen.
Der britische Autor und Verfechter individueller Rechte, Cecil Parker, beschreibt den ideologischen Bankrott treffend so: "Sozialismus kann nur im Himmel funktionieren, wo er aber nicht gebraucht wird, und in der Hölle haben sie ihn schon." Und der berühmte Ökonom Frederic Bastiat erklärt staatliche Insolvenz mit einer vor 150 Jahren getroffenen Aussage hinsichtlich des aufkeimenden modernen Sozialismus. "Der Staat ist eine große Fiktion, bei der jeder versucht, auf die Kosten aller anderen zu leben." Jüngeren Datums ist die pragmatische Aussage der vernünftigen Politikerin Margaret Thatcher. "Der Sozialismus hat das Problem, dass einem am Ende das Geld der anderen ausgeht."
Nehmen Sie Griechenland als Beispiel. Infolge der Herabstufung durch Ratingagenturen stiegen die Rentenerträge für Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit vergangene Woche steil an. Die Agenturen hatten erkannt, dass Griechenland nicht die notwenigen finanziellen Mittel besitzt, um seine Schulden zurückzuzahlen, die jetzt ein übles Rating aufweisen. Nicht weit dahinter folgen Lettland, Spanien, Irland, Großbritannien und fast jedes andere Land in Europa, auch wenn diese immer noch Papiere verhökern, die als "erstklassig" bewertet werden. In Wirklichkeit haben sich die Ratingagenturen immer noch nicht mit dem Umfang und dem Ausmaß der weitverbreiteten staatlichen Insolvenz auseinandergesetzt, oder sie haben absichtlich weggeschaut. Und vergessen Sie Island nicht, das natürlich schon zusammengebrochen ist.
Wie konnte es nur kommen, dass die Staaten so tief sanken? Nobelpreisträger Friedrich von Hayek antwortet darauf in seinem brillanten und aufschlussreichen Buch "Der Weg zur Knechtschaft", das er während der letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs verfasst hatte.
Die zentrale Überlegung Hayeks ist, dass Krieg die Macht des modernen Staates ausweitet, da die nationale Planung zur Kriegsführung auch in Friedenszeiten weiterläuft. Die beständige Existenz staatlicher Planung führt im Verlauf der Zeit schließlich auch zu einer Ausweitung des Sozialwohlfahrtsstaates - mit schwerwiegenden Folgen. Doch vor allem wird die Wirtschaftsaktivität durch den wachsenden Staat gehemmt, da Menschen und Ressourcen unproduktiver werden. Man kann es so formulieren: Da der Staat keine konsumierbaren Güter und Dienstleistungen schafft, wird er zur wirtschaftlichen Last für den produktiven Wirtschaftsektor.
Wächst der Staat, nimmt auch die Zahl und die Macht der Interessengruppen zu, was zu politischer Korruption führt. Erneute Kriege oder allein schon politische Spannungen und Wirtschaftskrisen können Demagogen und diktatorische Führer dazu treiben, die Staatsgewalt auszuweiten - zum Nachteil jedes Einzelnen. In Hayeks Worten: "Notstände sind schon immer der Vorwand gewesen, an dem sich die Schutzvorkehrungen der individuellen Freiheit auflösten."
Hayek merkt an, dass es einige Zeit braucht, bevor die subtilen Schädigungen der produktiven Wirtschaft und die Ausweitung des Staates - beides Folgen des Sozialismus - deutlich zu Tage treten. Jetzt sind wir an diesem Punkt.
Es gibt mehr Menschen, die vom Staat abhängen, als Menschen, die den Staat mit jenem Geld versorgen, das er zur Erfüllung seiner Versprechen benötigt. Fast ganz Europa hat schon längst die 50%-Schwelle überschritten, womit mehr Menschen vom Staat abhängen als vom privaten Sektor; aber auch in den Vereinigten Staaten - welche lange als die Bastion des Kapitalismus, der freien Märkte und des schlanken Staates galten - beziehen 58% der Bevölkerung ihr Geld in irgendeiner Hinsicht vom staatlicher Seite.
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http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=12409 |
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