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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Mo Feb 14, 2011 14:57    Titel: Antworten mit Zitat

Köln - Justiz untersagt rot-grüne Diskriminierungen

(ef-AFL) Das Landgericht Köln stoppt eine Willkürentscheidung des Kölner Rates, führenden Funktionären der Bürgerbewegung pro Köln kein städtisches Grundstück für den privaten Eigenheimbau zu veräußern.

Dieser Fall machte bereits vor Monaten bundesweit Schlagzeilen: Zweimal verweigerte der Liegenschaftsausschuss der Stadt Köln dem Ehepaar Judith Wolter und Markus Wiener den Verkauf eines städtischen Grundstücks für den Bau eines privaten Eigenheims. Während sämtliche übrigen von der Verwaltung ausgewählten Grundstücks-Bewerber die Genehmigung des Liegenschaftsausschusses erhielten, wurde auf Antrag des Ausschussvorsitzenden und Grünen-Fraktionsgeschäftsführers Jörg Frank der Verkauf an das Ehepaar Wolter/Wiener gesondert behandelt und aus sachfremden Erwägungen verweigert.

Selbst der pro Köln wenig freundlich gesonnene „Kölner Stadt-Anzeiger“ vermutete daraufhin einen ungeschickten Akt der politischen Willkür beziehungsweise persönlichen Rache gegen unbequeme Ratspolitiker einer unbeliebten Oppositionsfraktion. Wesentlich eindeutiger und unmissverständlich formulierte es nun das Kölner Landgericht (AZ 5 O 203/10) in der schriftlichen Urteilsbegründung:

Die Klage des Ehepaares Wolter/Wiener, dass die Stadt Köln das besagte Grundstück an sie veräußern müsse, sei zulässig und begründet. Eine Verpflichtung der Beklagten (also der Stadt Köln), das streitgegenständliche Grundstück an die Kläger zu veräußern, ergäbe sich aus den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches in Verbindung mit Artikel 3 des Grundgesetzes („Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“). Denn die Stadt Köln habe mit ihrer Ablehnung des Grundstückverkaufes gegen das Willkürverbot verstoßen.

Wörtlich heißt es in dem Urteil des Landgerichtes Köln: „Die Begründung der Beklagten zur Ablehnung des Verkaufs rechtfertigt eine Ungleichbehandlung nicht und stellt sich als willkürlich dar … Die Mitgliedschaft in einer politischen Partei kann, solange die Partei nicht für verfassungswidrig erklärt worden ist, kein Entscheidungskriterium sein, um die Ablehnung eines Grundstückkaufvertrags zu begründen.“

Ausführlich beschäftigt sich das Gericht auch mit der Unterstellung seitens des SPD-Ratsmitgliedes Werner Böllinger im Liegenschaftsausschuss, dass Pro-Köln-Funktionäre ein gut nachbarschaftliches Verhältnis mit Bürgern mit Migrationshintergrund stören würden. Diesem Angriff begegnet das Gericht sachlich, aber unmissverständlich:

„Darüber hinaus steht auch nicht fest, dass sich die Kläger alleine aufgrund ihrer politischen Parteizugehörigkeit nicht für ein gutes oder jedenfalls neutrales nachbarschaftliches Verhältnis mit Personen mit Migrationshintergrund eignen. Der Begründung der Beklagten liegt damit die sachfremde Erwägung zugrunde, allein aufgrund der Zugehörigkeit zu der Partei pro Köln e.V. könnten sich Probleme im Umgang mit Nachbarn mit Migrationshintergrund vorhersagen lassen. Dies würde konsequenterweise bedeuten, in Wohngebieten stets nur Bewerber der gleichen Herkunft, politischen Gesinnung oder Ähnlichem zuzulassen. Dass dies gegen die durch das Grundgesetz vorgeschriebene Rechtsgrundsätze verstößt und auch vor dem Hintergrund der Rechtsgedanken des AGG nicht vertretbar ist, liegt auf der Hand.“
...

http://ef-magazin.de/2011/02/11/2848-aktuelle-nachricht--koelner-totalitaeten-apartheidsregime-in-der-domstadt-vor-gericht-gestoppt
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Mo März 21, 2011 13:06    Titel: Antworten mit Zitat

Zeitgeist: Deutschland verweichlicht und entmannt

von Lion Edler

Über fehlendes Selbstbewusstsein und deutsche Angst

Kaum etwas könnte die sagenumwobene ,,Deutsche Angst“ besser illustrieren als die jetzt wieder aufgeflammte hysterische Debatte um Atomkraft. Mit seinem Ausstiegs-Kurs aus der Atomkraft steht Deutschland weltweit ziemlich alleine da. Tatsächlich dürfte die Angst vor der Technologie in kaum einem anderen Land so ausgeprägt sein wie in den beiden Kriegsverlierer-Ländern Deutschland und Österreich. Es sind die Länder, denen man die ,,Alleinschuld“ am Zweiten Weltkrieg zusprach, der größten Katastrophe der Weltgeschichte.

Die Neigung zu übertriebenen Ängsten ist immer ein Ausdruck eines schwachen Selbstbewusstseins. Dieses rührt in Europa von den zwei Weltkriegen her und von der daraus folgenden Befürchtung, der Fortschritt führe nicht zu einer Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen, sondern die Menschheit treibe immer tiefer in den Strudel von Zerstörungswut, Mordlust und Hass hinein, besonders natürlich wegen der Deutschen. Daraus resultierte die Zivilisations- und Deutschenangst der Grünen. Besonders schwach ist das Selbstbewusstsein der Gesellschaft in Österreich und Deutschland, weil diese Länder nicht nur den Zweiten Weltkrieg durchmachen mussten, sondern auch die Demütigung der Niederlage erlebten und zudem in dieser grauenhaften Situation auch noch für den Zweiten Weltkrieg allein schuldig gesprochen wurden. Dadurch wurden sie erst Recht für das Grauen des Zweiten Weltkriegs extrem ,,sensibilisiert“, aber in einer Weise, die nur Angst und einen Mangel an Selbstvertrauen förderte.

Die Deutschen haben tatsächlich sehr viel Angst, wenn man ihre – noch – recht komfortable wirtschaftliche und politische Lage bedenkt. Sie fürchten sich vor Arbeitslosigkeit und ,,Armut“, vor Krieg, vor Atomkraft und -bomben, vor dem Klimawandel, wegen des verlorenen Weltkrieges besonders jedoch vor den ,,Neonazis“; neuerdings aber auch zunehmend vor dem Islam. Es sind sehr irrationale Ängste. Wegen dieser allgemeinen übertriebenen Angst-Mentalität wollen sie keine Kinder kriegen, denn die Kinder könnten ja arbeitslos werden oder einem Gewaltverbrechen zum Opfer fallen. Außerdem, was ist denn, wenn das Kind mit seinem Gekreische nervt oder die Nachbarn schlecht über die Eltern reden, weil sie finden, dass die Eltern keine perfekte Erziehung bieten? Laut einer im Februar veröffentlichten Forsa-Studie haben 63 Prozent der befragten Kinderlosen mit Kinderwunsch unter Anderem deshalb keine Kinder, weil sie ,,erst eine solide finanzielle Basis für die Gründung einer Familie mit Kind schaffen“ wollen. Das ist ein schwaches Argument, wenn man bedenkt, unter welchen Umständen in der Nachkriegszeit Kinder geboren wurden – schließlich sank bereits 2006, in Zeiten des finanziellen Überflusses, die Geburtenrate auf den Stand von 1945. Und dennoch sahen nach der Studie 86 Prozent der befragten Kinderlosen mit und ohne Kinderwunsch einen Grund für die niedrige deutsche Geburtenrate darin, dass ,,finanzielle Unsicherheit oder die Sorge um den Arbeitsplatz die Entscheidung für Kinder erschwert“. Die allgemeine deutsche Angst-Mentalität ist zu einem existenziellen demographischen Problem geworden, aber es geht auf allen Bereichen kontinuierlich bergab, es tickt auch die finanzielle, gesellschaftliche und einwanderungspolitische Bombe. Nach den Zahlen des EU-Statistikamts Eurostat aus dem Juli 2010 haben die Kriegsverlierer-Nationen Deutschland und Österreich die niedrigsten Geburtenraten in der EU, womit diese beiden Kriegsverlierer neben der Angst vor der Atomkraft noch eine weitere Gemeinsamkeit haben.

Zu denken geben muss hierbei, dass das Gegenteil von Angst, nämlich Mut und stoisches Draufgängertum, eindeutig eine sehr männliche Eigenschaft ist. Deshalb fürchtet sich Deutschland auch vor allem, was männlich ist. Dieses Männliche wird, wie fast alles, wovor sich die Deutschen fürchten, als verwandt mit dem Nationalsozialistischen eingestuft, um die Angst und Abscheu noch zu verstärken. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz beschrieb es einmal so: „Nach der Entnazifizierung kommt jetzt die Entmachoisierung, die Verwandlung des Mannes in ein sorgendes Haustier. Letztlich geht es um die Ausrottung von Stolz und Ehrgeiz.“ Tatsächlich findet im Westen eine Art mentale Vertuntung der Gesellschaft statt, und das Epizentrum dieser mentalen Vertuntung ist Deutschland. Es herrscht eine linke Abscheu auf alles, was hart, stark, männlich, deutsch und rechts ist. Das Ergebnis ist eine Gesellschaft der Waschlappen, die duckmäuserisch und mimosenhaft auf ihre Feinde reagiert. Kurzum: „s ist ein wehrloses, schwaches Land.

Das kann man beispielsweise daran ablesen, wie waschlappenhaft auf Jugendkriminalität oder Linksextremismus reagiert wird. Es darf kein Gut und Böse mehr geben, denn das ist ja nach der Logik der Weicheier überkommenes Männlichkeitsdenken. Stattdessen werden die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr verwischt, Kriminalität und Linksextremismus werden nicht geächtet und mit aller Härte bekampft, sondern permanent verharmlost, kleingeredet oder mit Verweis auf die Kindheit des Täters und seine Leiden gerechtfertigt. Kriminelles Gesindel als das zu bezeichnen, was es ist, gilt als ,,Schwarz-Weiß-Denken“. Der ehemalige US-Präsident George Bush wurde besonders deshalb so gehasst, weil er einer der wenigen Politiker war, die überhaupt noch auszusprechen wagten, dass es Gut und Böse gibt. Und dass das Böse bekämpft werden muss.

In Deutschland dagegen bilden sich überall Räume des Linksextremismus und der jugendlichen Gewaltkriminalität, die Polizei zieht sich feige aus den rechtsfreien Räumen zurück. Und die Gesellschaft gewöhnt sich daran. Das fängt schon damit an, dass das Vermummungsverbot etwa am 1. Mai in Berlin nicht durchgesetzt wird, sondern die Polizei zuguckt, wie sich Massen von Vermummten versammeln. Man wird auch nicht konsequent kontrolliert, wenn man sich etwa mit einem Rucksack in die Zone der Randale begibt. Stattdessen werden lachhafte, sogenannte ,,Anti-Konflikt-Teams“ gebildet, die ,,grüngelbe Lätzchen“ tragen (Henryk M. Broder). Die Polizei setzt auf ,,Deeskalation“, wobei schon dieser Begriff die Verwischung des Unterschieds zwischen Gut und Böse zeigt: Suggeriert er doch, dass die Polizei, indem sie den Rechtsstaat durchsetzt, an einer ,,Eskalation“ schuld wäre.

Wegen dieser durch den anti-männlichen Affekt begründeten Verwischung zwischen Gut und Böse richtet sich die Empörung der Gutmenschen weniger stark gegen Straftäter und andere asoziale Elemente der Gesellschaft, als gegen jene, die diese Kriminellen und asozialen Elemente anprangern. Als Nicolas Sarkozy etwa noch als französischer Innenminister jugendliche Randalierer als ,,Abschaum“ und ,,Gesindel“ bezeichnete, brach absurderweise eine Kampagne gegen Sarkozy los, und nicht etwa gegen die Randalierer. So als ob Sarkozy und nicht die marodierenden Jugendlichen randaliert hätten. Es war, als ob kriminelles Gesindel ein Anrecht auf nette Behandlung hätte. Deutsche Medien diffamierten Sarkozy, indem sie unterstellten, er hätte alle Jugendlichen so betitelt. So behauptete die ,,Berliner Zeitung“ dreist, der Präsident hätte ,,französische Vorstadtjugendliche“ als ,,Gesindel“ bezeichnet. Wieder zeigt sich hier die Verwischung zwischen Gut und Böse, indem nämlich französische Vorstadtjugendliche mit randalierenden französischen Vorstadtjugendlichen nonchalent gleichgesetzt werden.

Die Verweichlichung und Heulsusenhaftigkeit der deutschen Eliten zeigt sich aber auch in einem ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der nach einer Medienkampagne gegen ihn seinen Rücktritt kundtut und dabei meint, er befinde sich ,,am Ende meiner Kräfte“. Dieser Mann, der sich wegen des Geschreibsels von ein paar linken Feuilletonisten am Ende seiner Kräfte fühlt und daher fast zu heulen beginnt, soll nun die Führung über deutsche Generäle ausgeübt haben – das ist der Zustand von Deutschland! Guttenberg erinnert damit an den Rücktritt des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, der dabei Tränen in den Augen hatte. Seinen Rücktritt begründete Köhler allen Ernstes damit, dass die Kritik, er habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, den notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermissen lasse.

Es ist deshalb eigentlich fehl am Platz, von nicht-linker Seite immer wieder den Meinungsterror durch die Linken derart intensiv anzuprangern und in den Mittelpunkt zu stellen. Keine Frage, konservative und liberale Positionen werden nicht nur hierzulande sehr schnell stigmatisiert, aber solche Phänomene des Meinungs-Konformismus gibt es nicht nur im Post-DDR-Deutschland, sondern es gab sie schon immer und überall. Das eigentliche Problem in der heutigen Zeit ist, dass sich im Gegensatz zu früher nicht gegen den Konformismus gewehrt wird, sondern man sich stattdessen bereits nach der geringsten Beschimpfung zurückzieht und den Mund verbieten lässt. Schon Bismarck sah dies bei einem Erlebnis nach seinem ersten Parlamentsauftritt als das eigentliche Problem an. Er war damals im Reichstag ausgepfiffen worden, und ein älterer Verwandter gab ihm später den Rat, Bismarck habe zwar recht gehabt, aber so etwas sage man doch nicht. Bismarcks Antwort: ,,Wenn du meiner Meinung gewesen wärst, hättest du mir beistehen sollen. Nur dein Eisernes Kreuz hindert mich, dir einen verletzenden Vorwurf zu machen.“ Noch zwanzig Jahre später meinte Bismarck bei der Erinnerung an dieses Erlebnis gegenüber seinem Vertrauten Robert von Keudell: ,,Mut auf dem Schlachtfeld ist bei uns Gemeingut. Aber sie werden nicht selten finden, dass es ganz achtbaren Leuten an Zivilcourage fehlt.“

Ob es heute an Mut auf dem Schlachtfeld nicht mangelt, vermag ich nicht zu beurteilen, aber in Bezug auf die Zivilcourage stimmt das Bismarck-Zitat noch immer. Nur weil ein paar linke Sozialwissenschaftler die eigene Meinung als ,,rechtsextrem“ oder etwas anderes einordnen, macht sich das Bürgertum politisch in die Hose. Der normale Bürger beklagt sich dann aber darüber, dass Angela Merkel und die CDU-Politiker bei linkem Gegenwind sofort einknicken würden. Doch das Duckmäusertum und die Hasenfüßigkeit sind auch an der Basis weit verbreitet. Man denke nur an eine CDU-Fraktion eines niedersächsischen Kreisverbandes, die 2009 ihren Fraktionsvorsitzenden abwählte, weil eine linke Kampagne dessen Tätigkeit für die nationalkonservative Wochenzeitung ,,Junge Freiheit“ skandalisierte. Man denke auch daran, dass in den einschlägigen ,,politisch inkorrekten“ Medien und dem dazugehörigen Kommentarbereich häufig nur unter Pseudonym geschrieben wird, denn es könnte ja berufliche Probleme geben. Man geht dabei stets vom schlimmsten Fall aus und ermuntert auch noch andere zur Unsicherheit und fragt sie, ob sie nicht lieber unter Pseudonym schreiben wollen – deutsche Angst eben.

Am Deutlichsten zeigt sich die deutsche Angst, wie sollte es anders sein, beim Umgang mit der NPD und dem Rechtsextremismus, denn man hat Angst vor einer Rückkehr des braunen Reichs – und vor sich selbst. Dass man solchen lächerlichen Witzvereinen wie der NPD nicht ihre Versammlungsfreiheit zugesteht und ihnen keine faire Medienberichterstattung und keine faire Behandlung durch die Politik zukommen lassen will, ist nicht nur ideologisch zu erklären, sondern muss Ausdruck einer ungeheuren Angst sein. Deshalb die allgemeine Verbots- und Gängelungs-Freude in diesem Bereich. Da machen sich ganze Dörfer und Städte ins Hemd, nur weil sich irgendwo 50 „Rechtsradikale“ in einer Kneipe versammeln wollen, während auf den Straßen brutale Gewalt weitgehend unbehelligt ihr Unwesen treiben darf. Wenn ein CDU-Bundestagsabgeordneter sich nicht 100-prozentig politisch korrekt über die deutsche Geschichte äußert, muss er gleich aus der Partei geschmissen werden und sein Bundestags-Mandat verlieren. Selbst bei Worten und Begriffen, die nicht als absolut konditionierend im Sinne des Antifaschismus erscheinen, zeigt man sich schon ,,entsetzt“ und wittert größte Gefahr, egal ob es um den ,,inneren Reichsparteitag“, um die ,,gleichgeschalteten“ Medien oder um ,,entartete“ Kultur geht. Vor einigen Jahren riss in Berlin gar ein junger Mann einer Hitler-Figur im Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds den Kopf ab, weil er sich offenbar vor Hitler noch im Zustand einer Kerze ängstigte. Dabei sah er sich vermutlich selbst als modernen Stauffenberg! Auch die Tatsache, dass Deutschland es seinen Bürgern nicht zutraut, Adolf Hitlers Buch ,,Mein Kampf“ im Handel erwerben zu können und sich anschließend ein kritisches Urteil darüber zu bilden, sondern dass dieses Buch zensiert werden muss, zeigt, dass in Wirklichkeit nichts ,,bewältigt“ ist und bei Politik und Medien immer noch extreme Angst vor einem vierten Reich mitschwingt.

Der ehemalige SPD-Staatssekretär im Verkehrsministerium, Ulrich Kasparick, zeigte kürzlich den bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Horst Seehofer an, weil dieser meinte, gegen eine Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wolle man sich bei der CSU ,,bis zur letzten Patrone“ wehren. Der SPD-Mann Kasparick sah sich hier an Hitlers Befehl zur Verteidigung Stalingrads ,,bis zur letzten Patrone“ erinnert, zeigte Seehofer wegen ,,Volksverhetzung“ an und überschrieb die Begründung für diese Entscheidung in seinem Blog mit den Worten: ,,Wehret den Anfängen“. Er mahnte ernsthaft: ,,Aus den Gedanken folgen die Worte, aus den Worten die Taten, aus den Taten wird unser Schicksal.“ Der Mann war Bundestagsabgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung! Auch Karl-Theodor zu Guttenberg vergleicht er in seinem Blog immer wieder mit Hitler: ,,Die Bereitschaft solch verunsicherter Menschen, sich anzupassen, nimmt weiter zu. ‚Führer befiehl – wir folgen’. Wir kennen diesen Satz aus nicht allzu weit entfernter Vergangenheit. Wir wissen aus der zweiten Diktatur, wie groß die Bereitschaft war, den neuen Verführern zu folgen. Und wir sehen nun, wie groß die Bereitschaft vieler ist, sogar erwiesenen Hochstaplern weiter zu folgen.“ Eine weitere Kostprobe dieser Fundgrube für Historiker, die sich einmal mit dem deutschen Massenwahn des ,Schuldkults beschäftigen wollen: ,,Aus der Schweiz kommen besorgte Stimmen. Da werden Vergleiche angestellt zwischen dem Erstarken der Nazis mit Hitler und dem Rückhalt in der Bevölkerung, den zu Guttenberg hat. Beides ‚verkrachte Intellektuelle’, der eine als ‚Weltkriegsgefreiter’ verhöhnt, der andere als ‚Betrüger’ entlarvt – und doch folgen ihnen die Massen. Beide geübt im Verdrehen der Argumente: Schuld hat nicht der Täter, sondern der Ankläger. Beide geübt im Umgang mit den Medien. Denn: da gibt es mächtige Zeitungen und da gibt es Leute mit Geld, die sie stützen. Man kauft sich das Volk. Man kauft ‚Fans’. Und erzeugt so mediale Aufmerksamkeit. Wir wissen aus den Anfängen der Naziherrschaft, dass die Verquickung von Medien, Geld und Beziehungen maßgeblich war für den Aufstieg des Verführers. Die Deutschen haben ‚an ihn geglaubt’. Wörtlich kann man in diesen Tagen Ähnliches über die deutsche Bevölkerung und zu Guttenberg lesen.“ Wow!

Über die Begleitung Guttenbergs nach Afghanistan durch seine Frau schrieb Kasparick: ,,Die Frau des Ministers begründet ihre Teilnahme an der Reise: sie wolle ‚als Gattin und Mutter zu Weihnachten bei den Soldaten’ sein. Ich werde aufmerksam. Diese Klänge kenne ich. Von Goebbels.“

Ausdruck von Verweichlichung, Dekadenz und Angst ist auch die durch linke Sozialwissenschaftler nunmehr gesellschaftlich und politisch zum allgemeinen Konsens gewordene These, wer Hartz IV beziehe, lebe in ,,Armut“. Von ,,menschenunwürdigen“ Niedriglöhnen in Deutschland wird zudem häufig gesprochen. Laut einer Studie des Weltwirtschaftsinstituts DIW, die im letzten Jahr öffentlich wurde, sollen in Deutschland angeblich mehr als elf Millionen Deutsche unter der Armutsschwelle leben. Es handelt sich jedoch tatsächlich natürlich allenfalls um geistige, moralische und mentale Armut.

Mehr Menschlichkeit bringt diese Verweichlichung und Entmannung der Gesellschaft nicht, im Gegenteil, die tatsächlichen Unmenschlichkeiten werden dadurch verdeckt. Die Gewinner von Verweichlichung und der Diskreditierung von allem Harten und Männlichen sind zudem die tatsächlichen Machos und gewaltaffinen Klientels. Weil man ja immer schön ,,deeskalieren“ und ,,die Hand reichen“ will, agieren Kriminelle und Extremisten immer dreister und unbekümmerter, die Opfer werden im Stich gelassen und verhöhnt. In den Schulen gucken viele Lehrer bei Gewalttaten feige weg oder schieben dem Opfer die Schuld in die Schuhe, um sich mit den Tätern gutzustellen. Es deutet sich zudem bereits an, dass diese Waschlappen-Mentalität bei einem Teil der Gesellschaft ins Gegenteil umschlägt und es nun zu einem tatsächlichen Kult um übersteigerte Männlichkeit und Grobheit kommt. Bei zahlreichen Hip-Hop-Texten kann man das ,,bewundern“. Während erst die Feministen den Männern vorschreiben wollten, dass ein Mann gefälligst einfühlsam und kommunikativ zu sein und das Haus zu hüten hat, treten nun die Neo-Feminismus-Machos auf, die wiederum allen Männern die Männlichkeit absprechen, welche nicht verprollt und asozial sind. Es gilt, hier nicht von einem Extrem ins Andere zu schwenken, sondern sich mit deutlichen Worten gegen die dreisten Anmaßungen von beiden Seiten zu wehren.

Neben dem verbreiteten Irrglauben, diese Verweichlichung führe doch zu mehr Menschlichkeit, besteht ein weiterer darin, diese Verweichlichung sei doch nur liberal, oder, aus der Perspektive der Kritiker, der Liberalismus sei an ihr schuld. Das Gegenteil ist der Fall. Das schwache Selbstbewusstsein und das ständige Eingeredet-bekommen, dass bereits eine Existenz als Hartz-IV-Empfänger ,,Armut“ darstellt, und dass Niedriglöhne in Deutschland ,,menschenunwürdig“ seien etc., führt dazu, dass der Einzelne sich nicht mehr zutraut, die Probleme selbst zu lösen. Die einzige Rettung naht in seinen Augen dann durch den alle und alles umsorgenden, totalen Sozialstaat. Dieser soll Luxus-Renten und komfortables Leben fürs Nichtstun garantieren, allen Kindern ,,Chancengleichheit“ in der Bildung bieten und die armen Studenten mit kostenlosem Studium auf Steuerzahlerkosten alimentieren; er soll ferner selbst für die durch Fress-Wahn und unvernünftigem Alkoholkonsum selbst verschuldeten Krankheiten von beleibten Leuten aufkommen und uns durch Verbote vor den Nazis, Islamisten und Glühbürnen schützen. Und vor der Atomkraft.

Um aus dieser Situation herauszukommen, sind neben einer marktwirtschaftlichen Kehrtwende vor allem auch andere Inhalte in deutschen Leerplänen und eine weniger pessimistische Schulpädagogik erforderlich. Ich erinnere mich gut, wie mir von meinen Lehrern in einer im Nachhinein völlig absurden Weise ständig Angst vor dem Atomkrieg, dem Klimawandel oder der Arbeitslosigkeit eingetrichtert wurde. Gudrun Pausewangs Atom-Horror-Buch ,,Die Wolke“ mussten ja bekanntlich ganze Schüler-Generationen in Deutschland lesen. Am Ende meiner Schulzeit war ich überzeugt davon, dass ich in einem Alter von 30 oder 40 Jahren ohnehin tot sein werde – wegen dem Klimawandel. Dazu kommt natürlich die viel zu intensive Beschäftigung mit der Zeit von 1933 bis 1945. Diese Beschäftigung bringt kaum Erkenntnisse, dafür aber ständig beklemmende Stimmung im Klassenraum, die die Schüler nur ,,runter zieht“. Die tatsächlichen demographischen, finanziellen und gesellschaftlichen Gefahren für Deutschland werden durch solche Untergangsphantasien und ewigen erkenntnislosen Bewältigungen verdrängt. Ach ja, übrigens: Das zweite von Gudrun Pausewang intensiv behandelte Thema war der Nationalsozialismus.

http://ef-magazin.de/2011/03/18/2916-zeitgeist-deutschland-verweichlicht-und-entmannt
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Fr März 25, 2011 10:52    Titel: Antworten mit Zitat

Nicht von EF sondern von Cicero. Passend zum letzten Beitrag.
Hinweis: Im eigentlichen Artikel geht es um ein Szenario nach dem Euro. Scheinbar nebenbei beschreibt der Autor die demographische Entwicklung in Europa.

=== Gedankenspiel zu Europa (I)

Schon bei der Bitte um ein paar Hundert europäische Soldaten scheitert Amerika regelmäßig, wenn es als Nato-Führungsmacht irgendwo in der Welt eine Region befrieden will oder einen Krieg gewinnen muss. In der Tat fällt es den vergreisenden Europäern immer schwerer, die einzigen Söhne oder Töchter in Todesgefahr zu schicken, um fern der Heimat verfeindete Glaubensgenossen davon abzuhalten, sich gegenseitig wegen Sektierertums zu massakrieren und ganze Staaten zu ruinieren.
...

Erst die Kriegsunfähigkeit Europas nach 1945 hat seine Einigung ermöglicht. Angriffskriege hören ja nicht auf, weil die Beteiligten nach 500 Jahren genug davon haben. Fast immer in der Geschichte werden Gesellschaften dann friedlich, wenn sie keine disponiblen Söhne mehr verbrauchen können. Hätte sich der Kontinent seit 1920 so schnell vermehrt wie seither die USA (von 106 auf 310 Millionen), stände man heute – nach knapp 500 Millionen damals – nicht bei gut 700 Millionen, sondern bei 1,4 Milliarden Menschen und wäre die unangefochtene Nummer eins vor China und Indien.

Hätte sich das imperiumslose Deutschland seit 1950 so kräftig vermehrt wie vor 1900, dann stände man nicht bei 82 Millionen mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren, sondern bei 530 Millionen mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren. Statt 7,5 Millionen gäbe es 75 Millionen wehrfähige Männer. Würden diese Männer aus Liebe zu den Römischen Verträgen zehnmal so viel Pazifismus in die Welt tragen? Wohl kaum. Welche Verträge hätten solche Mega-Armeen in Ketten legen können?

Die alte Welt barg 1450 gerade einmal 50 Millionen Einwohner, nachdem 30 Millionen an der Pest gestorben waren. Da die hoch entwickelte Geburtenkontrolle des Mittelalters mit lediglich zwei bis drei Kindern fortgesetzt wurde, dauerte die demografische Stagnation der europäischen Bevölkerungskatastrophe bis zum Ende des 15.Jahrhunderts. Weltliche und kirchliche Lehnsherren wollten den Verlust ihrer Leibeigenen allerdings nicht hinnehmen und töteten schon ab 1360 unter dem Vorwand der Hexerei Hebammen, weil sie von jeher nicht nur beim Gebären, sondern auch beim Verhüten halfen. Da die Pest von Portugal bis China wütete, konnte die „Repeuplierung“ nicht durch Einwanderung, sondern nur mithilfe der europäischen Frauen gelingen. Deshalb – und nunmehr europaweit – dekretierte Papst Innozenz VIII. 1484 mit der „Hexen-Bulle“ die Todesstrafe für „Personen beiderlei Geschlechts/, welche die Geburten der Weiber umkommen machen und verursachen,/dass die/Frauen/nicht empfangen.“

Das war der Anfang der europäischen Geburtenexplosion. Ein Beispiel: 100 englische Väter hinterlassen 1441 bis 1465 gerade 110 erwachsene Söhne. 1491 bis 1505 sind es über 200 und bald danach sogar 300. Mit sechs bis sieben überlebenden Kindern pro Frau wird eine welthistorisch nie gekannte Gebärleistung erreicht. Als Spanien 1492 seine Eroberungen beginnt, hat es weniger Einwohner als 1348 vor der Großen Pest. Doch damals lag das Durchschnittsalter weit über 30, nun hingegen deutlich unter 20. Secundones, Zweitgeborene nennt man deshalb in Madrid und Cadiz die nur zu gerne verabschiedeten Konquistadoren.

Ununterbrochen standen in Europa zweite bis vierte Söhne für Bürgerkriege und Kriege daheim sowie für Eroberung, Ausrottung indigener Bevölkerungen und für die Besiedlung von neun Zehnteln der Erde zur Verfügung. Ungeachtet aller Verluste wuchs nebenher der eigene Kontinent zwischen 1500 und 1916 von 60 auf 500 Millionen Menschen. So eisern wurde die Geburtenkontrolle tabuisiert und bestraft, dass selbst die Mächtigsten nicht konnten, was heute halbwüchsige Mädchen mehrmals pro Woche schaffen. Friedrich der Große war eines von 14 Kindern, Kaiserin Maria-Theresia brachte 16 zur Welt, und Napoleons Mutter lag 13 Mal im Kindbett. Noch Queen Victoria, die erst 1901 gestorbene Herrscherin des Britischen Weltreichs, verschliss sich in 18 Jahren durch neun Geburten.

...
Die alte Frage, warum nicht die menschenreichen Giganten Asiens, sondern die Europäer die Erde unterwarfen, beantwortet sich unter anderem mit dem sogenannten „youth bulge“ (Jugendüberschuss). Dabei standen von 100 männlichen Einwohnern 30 bis 45 Prozent im Alter von 15 bis 29 Jahren (2008 sind es in Deutschland nur noch 17 Prozent). Einer von drei, vielleicht auch einmal zwei von vier Brüdern mochten recht oder schlecht untergekommen sein. Die anderen gingen meist dieselben sechs Wege: (1) Auswanderung, also unblutige Kolonisation, (2) Kriminalität, (3) Putsch/Staatsstreich, (4) Bürgerkrieg/Revolution, (5) Vertreibung/Völkermord daheim sowie (6) Krieg und blutige bis genozidale Kolonisation. Natürlich spielten Europas zinsgetriebene Innovationen der Eigentumsökonomie ihre Rolle. Aber selbst modernste Schiffe und Kanonen verführten nicht dazu, den einzigen Sohn zum Kolonisieren wegzuschicken und dadurch die Heimat auszulöschen. Der Siedlerspruch „den Ersten der Tod, den Zweiten die Not, den Dritten das Brot“ illustriert unmissverständlich, dass kraft demografischen Überschusses operiert wurde.

Erst 1916, mitten im Großen Krieg, verschwinden die europäischen „youth bulges“ durch eine Halbierung der Geburtenraten von rund 36 auf 18 Kinder pro 1000 Einwohner. Gegen 1985 ist eine neuerliche Halbierung auf acht bis zwölf Kinder abgeschlossen. Insgesamt geht es – rund gerechnet – in Europa von sechs über drei auf 1,5 Geburten pro Frauenleben hinab. Schon zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 aber wird „aus der Substanz“ gestorben – jeder sechste deutsche Gefallene beim Angriff auf Polen endete als einziger Sohn.

Nach 1945 verlieren die Europäer fast jeden Krieg. Die demografische Asymmetrie hat sich gedreht. Während bis in die dreißiger Jahre Aufstände in Übersee durch frische Truppen aus eigenen dritten und vierten Söhnen niedergeschlagen werden, kann nun die Gegenseite so gut wie grenzenlos rekrutieren. Bei den Mächtigen von gestern hingegen begibt sich selbst der mit Hightechwaffen herausgehende Soldat als einziger Sohn oder gar einziges Kind in Lebensgefahr.
...

=== Gedankenspiel zu Europa (II)

Doch schauen wir einmal auf den Randgürtel von Estland bis an die hellenische Grenze und konzentrieren uns dabei auf exemplarische Meister der Schrumpfvergreisung, also Litauen und Bulgarien mit 1,2 Kindern pro Frau, wuchtiger Abwanderung und bar jeglicher Einwanderungsattraktivität. Letztere sacken zwischen 1990 (Fall des Kommunismus) und 2050 von neun auf 4,5 Millionen Einwohner. Die Balten schaffen sich von 3,7 herunter auf 1,7 Millionen in der Tat sukzessive ab.

Doch selbst diese Berechnungen fallen zu optimistisch aus, weil die wenigen noch Geborenen für die Zukunft einfach hochgerechnet werden, obwohl gerade die Beweglichsten unter ihnen die Implosion der Heimat nicht aussitzen, sondern beizeiten abwandern. Zurück bleibt eine Restbevölkerung mit einem Durchschnittsalter oberhalb von 50 Jahren – überwiegend zu Versorgende, also Rentner und Unqualifizierbare nebst Anhang. Ihr Unterhalt kann nur durch die Aufnahme von Staatsschulden bezahlt werden.
...

Aber leben müssen die Alten in diesen Ländern auch. Dasselbe gilt für Lettland, Estland, Rumänien oder den alsbaldigen EU-Kandidaten Ukraine sowie viele anderen Staaten der alten Welt. Die irgendwie ja auch sympathische Zuversicht der Brüsseler Eliten, dass zwei Greise einen Sprinter abgeben, bringt ja immer noch mehr Überalterungsgebiete – alsbald Kroatien, Mazedonien und Serbien – an den nach Berlin verlängerten Tropf der EU. Da kommen schnell 70 Millionen Hilfebezieher zusammen, gegen die man unsere sieben Millionen Hartz-Vierer einmal als gemütliche Idylle erinnern wird.

Da etliche der Besten aus den demografisch unrettbaren Gebieten rechtzeitig in Deutschland anheuern, sind die Anklagen von morgen programmiert: Da ihr unsere Jugend genommen habt, wird man zu hören bekommen, müsst ihr jetzt auch für unsere Alten sorgen.

Wir können doch auch helfen, wird es dann wieder von Bremen bis Berlin tönen. Aber womit denn? Weil wir mit unserer Einwohnerzahl bis 2060 von 82 auf 65 Millionen absinken, also nur 21 Prozent verlieren und nicht 54 Prozent wie Litauen schon bis 2050? Dafür erreichen wir aber ein Durchschnittsalter von 54 Jahren gegen knapp 50 bei den Balten. Und das alles gelingt nur, wenn wir bis 2060 pro Jahr nicht nur 700, sondern 100000 Hochqualifizierte gewinnen und statt 150000 guten Kräften jährlich nicht einmal mehr eine ans Ausland verlieren.
...

Gleichwohl ist es sicher kein Zufall, dass gerade Dänemark an der Südgrenze längst erstaunliche Maßnahmen für die Sicherung des gesamten Raumes getroffen hat. Denn der Glaube an den Segen einer Bevölkerungsverschiebung unter der Fahne des Propheten schwindet dort nicht nur auf konservativer Seite. Sozialhilfe gibt es deshalb erst nach Vollverbrauch des eigenen Vermögens, für Ausländer in voller Höhe aber auch dann erst nach sieben Jahren legalem Aufenthalt. Wer ein Familienmitglied nachholen will, muss Arbeit, Wohnung und 14000 Euro für mögliche Soziallasten auf dem Konto haben. Menschen über 60 dürfen gar nicht einwandern. Die dänische Staatsbürgerschaft gibt es frühestens nach acht Jahren legalem Aufenthalt und nur, wenn keine Sozialhilfe in Anspruch genommen wurde.
...

http://www.cicero.de/97.php?ress_id=&item=5784
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Di März 29, 2011 10:23    Titel: Antworten mit Zitat

Aus Spiegel und WELT, aber Ebenfalls zum Thema Deutsche Angst

=== Strahlenbelastung - Artikel vom 20.12.2002
...
Um das Krebsrisiko abschätzen zu können, wurden sämtliche Crewmitglieder der Lufthansa und des Ferienfliegers LTU der Jahre 1953 bis 1997 ermittelt, ihre Flugdaten erfasst und ihr Gesundheitsstatus erhoben. Die jährliche zusätzliche Strahlenbelastung für ein Crewmitglied betrug nach der Studie zwischen zwei und fünf Millisievert, wenn von 600 bis 900 Flugstunden ausgegangen wird. Nach Angaben der Autoren von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld beträgt im Vergleich dazu die jährliche natürliche Strahlenbelastung auf dem Boden ein Millisievert, nach anderen Quellen 2,9 Millisievert pro Jahr.

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/a-228101.html


=== Anti-Atom-Demos als neues "Nie wieder Auschwitz"

Über 200.000 Menschen haben am Wochenende gegen die Atomkraft und für die sofortige Stilllegung aller Atommeiler in Deutschland demonstriert.
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Und alle fragten sich, warum die Deutschen in Massen auf die Straße gehen, um ein Ende der friedlichen Nutzung der Kernkraft zu fordern, während die Franzosen trotz ihrer ausgeprägten Protestkultur und Streikbereitschaft nichts dabei finden, 80 Prozent ihres Strombedarfs in Atommeilern zu generieren.

Fehlt den Franzosen ein “Anti-Atom-Gen”, das bei den Deutschen besonders stark entwickelt ist? Sind die “Froschschenkelfresser” von Natur aus robuster und weniger anfällig als Deutsche, die noch vor zwei Generationen “flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl” sein wollten? Und was ist mit den Engländern, den Schweden, den Finnen, den Tschechen? Sind sie alle immun gegen Radioaktivität? Von der Sehnsucht nach dem Strahlentod getrieben? Oder einfach zu faul und zu bequem, um einen halben Tag für eine gute Sache opfern?

Man könnte es sich einfach machen und das seltsame Verhalten der Deutschen in der Atomfrage mit dem bekannten Phänomen der “German Angst” erklären, das schon beim Waldsterben und beim Ozonloch, bei der Stammzellenforschung, bei genmanipuliertem Mais und dioxinverseuchten Eiern den Gang der Diskussion bestimmt hat.

Es gibt freilich genug Beispiele, die klar belegen, dass die Deutschen nicht von Natur aus ängstlich und feige sind. Die Mehrheit lehnt ein allgemeines Tempolimit auf den Autobahnen ab; nur eine Minderheit hat sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen, obwohl die Medien, die Pharmaindustrie und die Regierung mit einer “Pandemie” drohten, die ungeahnte Dimensionen erreichen sollte.

Auch die Angst vor dem Terrorismus ist schwach entwickelt, obwohl der schlimmste Terroranschlag der neueren Geschichte mehr Menschenleben gekostet hat als alle Atom-Unfälle seit Hiroshima zusammen genommen, Tschernobyl und Fukushima eingeschlossen.

Was also ist es, das die Deutschen dermaßen umtreibt, dass sogar die Jugendzeitschrift "Bravo" statt eines Starschnitts von Justin Bieber ein Atomkraft-Nein-Danke-Poster anbietet? Es sind Gründe, die ein wenig irrational, aber für die Stimmung im Lande prägend sind. Der Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht hat vor kurzem in einer Talkshow auf die Frage, was denn die Stilllegung der 17 deutschen Kernkraftwerke nutzen würde, wenn alle Nachbarnationen ihre Meiler weiter in Betrieb lassen würden, geantwortet, es wäre wünschenswert, dass Deutschland mit gutem Beispiel vorangeht.

Ein so gebildeter Mann wie Precht müsste wissen, wie gering die Strahlkraft guter Beispiele ist. Es gibt, von San Marino, Monaco, dem Vatikan und ein paar Südseeinseln abgesehen, nur zwei souveräne Staaten, die mit gutem Beispiel vorangegangen sind und auf Armeen verzichtet haben: Island und Costa Rica.

Wären gute Beispiele stilprägend, müssten auch Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung und Gleichberechtigung von Frauen und Männern weltweit eine Selbstverständlichkeit und nicht die Ausnahme sein. Und auch ein Philosoph sollte wissen, dass es in der Wirtschaft wie in der Natur kein Vakuum gibt. Gibt ein Anbieter auf, übernehmen andere seinen Anteil, vorausgesetzt, die Nachfrage bleibt unverändert.

Die Idee, man müsse mit gutem Beispiel vorangehen, damit andere ihr Verhalten ändern, ist nicht nur naiv. Wer sie äußert, meint es gut, vor allem mit sich selbst. Er möchte sich als Vorbild, als moralische Autorität etablieren bzw. seine moralische Autorität wieder herstellen.

Nun sind wir Exportweltmeister, Weltmeister der Herzen im Fußball und eines der beliebtesten Reiseziele weltweit. Aber allen Anstrengungen zum Trotz keine Instanz in Fragen praktizierter Moral. Auch mehr als 60 Jahre nach Kriegsende und 20 Jahre nach dem Fall der Mauer ist Deutschland immer noch eine Nation auf Bewährung, auf der ein Generalverdacht lastet: Haben die Deutschen wirklich aus ihrer Geschichte gelernt oder tun sie nur so? Das erklärt zum einen die Militanz der Friedensbewegung, deren Anhänger der Meinung sind, man dürfe auf keinen Fall Gewalt mit Gewalt beantworten, weil dies nur zu einer Eskalation der Gewalt führen würde, und zum anderen den Wunsch nach einer Vorreiterrolle auf einem Gebiet, auf dem es um Leben und Tod geht.

Die Atomkraft symbolisiert den Tod, der Protest gegen die Atomkraft das Leben. Man könnte es auch so sagen: Der industrielle Holocaust war vorgestern, jetzt wollen die Enkel derjenigen, die damals weggeschaut haben, den atomaren Holocaust von morgen verhindern. “Nie wieder Auschwitz!” heißt heute: “Atomausstieg sofort!”
...

Es ist, als habe es vor langer Zeit geblitzt und als würden seitdem alle auf den Donner warten. Je länger das Donnerwetter ausbleibt, desto unheimlicher wird die Situation. Mit dem Ende der deutschen Teilung, die von Günter Grass als fortwährende Strafe für Auschwitz gesehen wurde, sind die Deutschen in der Normalität angekommen. Die Welt hat ihnen vergeben, dafür hadern sie mit sich selber.

Die Antifa kämpft gegen einen virtuellen Faschismus, “der Widerstand gegen Hitler wird umso stärker, je länger das Dritte Reich vorbei ist” (Johannes Gross). Aus Mangel an bösen Nachbarn, die nur noch gelegentlich die Warenhäuser überfallen, projizieren sie ihre Bestrafungsängste auf Naturgewalten. Wenn die Polkappen schmelzen, werden die Nordseewellen bis Aachen schwappen, und wenn wir unsere Atomkraftwerke abschalten, wird die radioaktive Gefahr gebannt sein. “Wir haben uns die Erde von unseren Kindern nur geborgt”, ist eine der Plattitüden, die man auf jeder Gartenparty hören kann. Im Haus freilich stehen noch die vollen Koffer, die von den Eltern zurückgelassen wurden.

http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article12989446/Anti-Atom-Demos-als-neues-Nie-wieder-Auschwitz.html
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
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BeitragVerfasst am: Fr Mai 06, 2011 15:54    Titel: Antworten mit Zitat

Die Antifa als Mischung aus Stasi und SA

=== Selbstjustiz linker Banden

Mitte April wurde es selbst der nicht als alarmistisch bekannten „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ mulmig. Bereits auf ihrer Titelseite berichtete sie ausführlich über die Umtriebe der sogenannten „Antifa“. Die „Frankfurter Allgemeine“ erkennt eine immer häufiger zu beobachtende „Selbstjustiz“ linker Banden gegenüber politisch Andersdenkenden. Es gehe hier neben bewaffneten Attacken und zum Teil schwerer Körperverletzung um systematisch betriebene Bespitzelungs- und Rufmordkampagnen.

Der Berliner Extremismus-Experte Bernd Wagner urteilt: „Im Kern eines solchen Verständnisses von Antifaschismus steckt schon die Staatssicherheit und auch der Gulag.“ Beides finde tatsächlich immer offener auf Deutschlands Straßen statt. „FAS“-Autorin Katharina Iskandar führt aus: „Nazi-Outings sind zum Volkssport in der linksextremistischen Szene geworden. Persönlichkeitsrechte sprechen sie ihren Opfern ab. Personen aus dem rechten Milieu hätten kein Recht auf Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit, lautet das Argument. Das gilt auch für Personen, die nur mutmaßlich der rechten Szene angehören. Straftaten, die aufgrund von Outings stattfinden, werden toleriert. Wenn nicht gar durch die Veröffentlichung von Wohnort, Autokennzeichen oder Arbeitsplatz forciert und in gewisser Weise auch gefordert. Die Outing-Aktionen haben System.“ Die offene Devise laute, den Andersdenkenden „das Leben zur Hölle machen“. Sogenannte „Home Visits“ zur Information der Nachbarschaft und der Arbeitgeber vieler Betroffener seien üblich. Jedoch, so Iskandar, „verlagern sich die Outings immer stärker ins Internet und entwickeln dort eine Eigendynamik. Während der Hausbesuch oft eine einmalige Aktion ist, bleibt der Pranger im Netz bestehen. Zudem wurden die Methoden, solche Outings vorzubereiten, gerade in jüngster Zeit nahezu perfektioniert. Es werden Dossiers angelegt“ über echte oder auch nur vermeintliche „Nazis“. Das gelte, so Iskandar, „inzwischen auch für Personen, die mit ihnen verwandt oder bekannt sind. In den oft virtuell geführten Akten befinden sich Bilder. Einige Zielpersonen werden Monate, andere Jahre lang observiert. Sie werden heimlich im sozialen Umfeld fotografiert. Zudem werden nicht nur offizielle Daten wie Geburtsdatum, Wohnort, Arbeitgeber oder Autokennzeichen bekanntgemacht, sondern auch Namen von Ehepartnern, Kindern, getrennt lebenden Ehepartnern und neuen Lebensgefährten. Lebensläufe werden so detailliert wiedergegeben, dass sich die Energie, die hinter der Informationsbeschaffung gesteckt haben muss, oft nur erahnen lässt.“
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http://ef-magazin.de/2011/04/27/2969-ef-112-editorial
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
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BeitragVerfasst am: Mi Mai 11, 2011 14:06    Titel: Antworten mit Zitat

Böse, aber gut.

=== Szenario: Hans-Werner Sinns griechischer Bürgerkrieg

von Gunnar Heinsohn

Griechenland gerate „an den Rand des Bürgerkrieges“, wenn es zu viele Euros sparen müsse, warnt Hans-Werner Sinn. Bei Wiedereinführung der Drachme hingegen werde es „wettbewerbsfähiger“ („FAS“, 8. Mai 2011, S. 31). Welche Hightechgeräte, Autos und Software-Lösungen wir dort kaufen würden, wenn nur endlich ihr Preis fiele, verrät er nicht. Die griechischen Schüler enden in Europa wie die bremischen in Deutschland bei PISA regelmäßig auf dem letzten Platz. Die Bevölkerung schrumpft und altert. Von nachdrängenden Talenten, die taiwanesische Computer oder koreanische Kameras auseinander nehmen, um dann mit Verbesserungen und Preissenkungen die Ostasiaten in den Bankrott zu treiben, ist nichts bekannt.

Auch junge griechische Krieger werden bestenfalls als Guerilla in Schauspielerpose gezeigt, die nicht wieder auftreten, wenn sich einmal eine Kugel verirrt. Griechenland hat – wie Deutschland – einen Bruderkriegsindex von 0,82 (15-19-jährige Jünglinge zu 55-59-jährigen Männern). Nur Japan liegt mit 0,72 noch darunter. Damit es heiß wird, braucht es mindestens 2,5 – also dreimal so viel. So steht Libyen bei 3, während das seit 1978 an allen Fronten kämpfende Afghanistan die stolze 6 streift.

Ein hellenischer Bürgerkrieg à la 1946 bis 1949 kommt nicht wieder. Seine Kämpfer wurden in den 1920er Jahren geboren. Damals zogen hundert griechische Frauen 250 Söhne auf. Erst nach 50.000 Toten und noch mehr Flüchtlingen wurde ein Gleichgewicht zwischen Ambitionen und Positionen erreicht. Schon unter der Junta von 1967 bis 1974 blieb es bei den Universitätsbesetzungen bei gerade mal 24 Toten. Die rebellischen Studenten wurden zwischen 1947 und 1953 geboren. Damals zogen hundert griechische Frauen nur noch 115 Söhne auf.

Die zornigen jungen Männer, die Hans-Werner Sinn 2011 für einen Bürgerkrieg bereitstellen müsste, wurden 1991 geboren. Damals zogen hundert griechische Frauen gerade mal 65 Söhne auf und erreichen damit weltweit Platz 200. Vor denen muss niemand Angst haben. Deshalb soll man mit ihnen auch keine machen.

http://ef-magazin.de/2011/05/10/2985-szenario-hans-werner-sinns-griechischer-buergerkrieg
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Ruckzuck



Anmeldungsdatum: 17.04.2011
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BeitragVerfasst am: Do Mai 19, 2011 00:21    Titel: Antworten mit Zitat

Trotz Milliardenhilfen von der EU werden die Staatsschulden Griechenlands 2012 auf 166 Prozent des Bruttoinlandsprodukts klettern.
Das werden die Griechenland wird niemals zurückzahlen können – Dreht dem Land den Geldhahn zu!
Handelsblatt:http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/griechenlands-offenbarungseid/4171682.html
Griechenlands Offenbarungseid.

Papandreou glaubt Worte Griechenlands seien etwas wert?
N-TV:http://www.n-tv.de/wirtschaft/Athen-reagiert-empfindlich-article3339636.html

Athen reagiert empfindlich!

Spekulationen über die Verpfändung von Mittelmeerinseln oder historischen Monumenten wies der griechische Regierungschef zurück: „Ich will eine Sache hinzufügen, in der wir sehr empfindlich sind“, betonte er in dem Interview. „Uns vorzuschlagen, eine Insel oder ein Monument als Pfand zu hinterlegen, ist geradezu eine Beleidigung.

Das Volk erwartet, dass unser Wort und unsere Taten als Bürgschaft ausreichen.“

Wer Kredite haben möchte, braucht auch entsprechende Sicherheiten...Für Griechische Inseln, werden sich sicherlich schnell ein paar solvente Käufer finden lassen.

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Ruckzuck



Anmeldungsdatum: 17.04.2011
Beiträge: 153

BeitragVerfasst am: Do Mai 19, 2011 00:41    Titel: Antworten mit Zitat

Ruckzuck hat folgendes geschrieben:

Papandreou glaubt Worte Griechenlands seien etwas wert?

Athen reagiert empfindlich!

Spekulationen über die Verpfändung von Mittelmeerinseln oder historischen Monumenten wies der griechische Regierungschef zurück: „Ich will eine Sache hinzufügen, in der wir sehr empfindlich sind“, betonte er in dem Interview. „Uns vorzuschlagen, eine Insel oder ein Monument als Pfand zu hinterlegen, ist geradezu eine Beleidigung.

Das Volk erwartet, dass unser Wort und unsere Taten als Bürgschaft ausreichen.“

Wer Kredite haben möchte, braucht auch entsprechende Sicherheiten...Für Griechische Inseln, werden sich sicherlich schnell ein paar solvente Käufer finden lassen.


Das Schlimme dabei ist, daß nur allzu Wenige - ganz vorne die Blödzeitungsgemeinde - raffen, was sich da abspielt.

Die begreifen auch nicht, daß wir bei allen von den sogenannten Finanzexperten und Politmafiosis vorgestellten `Lösungen` mitbezahlen.
Gibt es einen neuen Rettungsschirm, müssen die EU Steuerzahler das bezahlen. Gibt es einen Schuldenschnitt, zahlen wir über den Verlust der Anleihen bei der EZB und dem Verlust bei den Banken, die denselben in Steuerersparnissen und eventuell neuen Bankenrettungsschirmen ausgleichen, ebenfalls.

Tritt Griechenland aus dem Euroverbund aus, schwächt das mit dem Euro auch die Finanzmärkte und Banken, was über Wertverlust des Euro und der Verluste der Finanzgangster ebenfalls wieder alle trifft, weil Verluste....s.o. auf irgendeine Form immer sozialisiert werden.

Ein wichtiger Punkt, woran Griechenland krankt, ist die Niedriglohnpolitik und der Sozialabbau in Deutschland, weil damit Wettbewerbsvorteile im Export generiert werden, die für die anderen zu Wettbewerbsnachteilen werden, wenn sie sich dem deutschen Kurs anpassen.
Dazu kommt natürlich, wie Du es auch sagst, daß die Krise auch noch künstlich (z.B. über die zweckgerichteten Bewertungen der Ratingagenturen) angeheizt wird um den Banken höhere Profitraten zu ermöglichen. Und das auch wieder unter finanzieller Beteiligung aller, weil die Banken sich das Geld, daß sie zu horrenden Zinssätzen den Griechen leihen, zu einem Zinssatz von 1%, was angesichts der höher liegenden Inflationsrate ein Verlust für diese ist, bei der EZB holen. Und die EZB wird letztlich über die Steuerzahler der EU finanziert.

Wie man es dreht und wendet. Gewinner sind immer die Banken und Verlierer sind immer wir.

Und wenn man davon ausgeht, daß Griechenland nur der Probelauf für eine neue Qualität kapitalistischer Politik ist, kommt zu dem gegenwärtigen Übel noch viel Übleres auf uns zu.

Es sei denn, die Verlierer dieser Politik, also alle die für ihre Brötchen arbeiten müssen und letztlich das Kapital erzeugen, daß ihnen dann zu einem großen Teil (legal) gestohlen wird, kriegen endlich die Sitzfläche hoch und stoppen die Finanzdiktatoren.
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
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BeitragVerfasst am: Di Mai 31, 2011 11:08    Titel: Antworten mit Zitat

Ein deftiger Beitrag der EF Redaktion von Carlos A. Gebauer.

=== Rebellion der Beschenkten

Das aktuelle Szenario um Griechenland, den Euro und die Neue Drachme hat auf den ersten Blick etwas Surreales. Lange hatte man geglaubt, die sogenannten Geberländer innerhalb der EU würden sich als erste zu denjenigen entwickeln, die dem Spuk der Einheitswährung ein Ende bereiten. Denn wer wirft sein hart erarbeitetes Geld schon gerne in das oft zitierte Fass ohne Boden?

Doch nachdem die einschlägigen Kreise alle maßgeblichen Akteure und Steuerzahler in den Geberländern nach den exquisitesten Regeln der ideologischen Kunst dorthin manipuliert hatten, das Transferzahlen für gut und gesund zu halten, bricht die Umverteilungsstatik nun zuerst an ganz unvermuteter Stelle: Es sind die beschenkten Nehmer, die nicht mehr mitspielen wollen!

Griechenland kommt den vorgestellten Mitwirkungspflichten zum Transfererhalt nicht mehr nach – andere PIIGS in ähnlicher Lage dürften folgen. Die EU kann den Euro-Zug also im Ganzen makroökonomisch einbremsen so viel sie will: Nicht einmal bei seiner insgesamt verlangsamten Geschwindigkeit reichen die Kräfte der Schwächeren, den Anschluss zu halten. Der Wunsch zur befreienden Sezession erwächst ausgerechnet bei denen, die sich doch eigentlich in der komfortablen Rolle der Beschenkten glaubten, mehr noch, die sich diese vermeintlich günstige Lage durch listige Manipulation gezielt ergattert hatten.

Jene eigenwilligen Fliehkräfte aus dem Umverteilungstransfer zwischen den EU-Volkswirtschaften finden wiederum eine bemerkenswerte Parallele an ganz anderer, unvermuteter Stelle: Auch in der sozialstaatlichen Binnenumverteilung unter Deutschlands Bürgern ist der natürliche Impuls, permanente Steuer- und Abgabenerhöhungen für ungesund zu halten, durch jahrzehntelange Meinungsmache konsequent unterdrückt und den Menschen aberzogen worden. Wer dort zweifelt, ob das Hergebenmüssen von mehr als der Hälfte des eigenen Fleißes an das staatliche Kollektiv noch normal ist, der wird sogleich als eiskalter Sozialrambo niedermoralisiert. Steuersenkungen zu fordern, gilt hierzulande bekanntlich schon als unethisch. Gemeinsinn reduziert sich auf die einfache Formel: Schweige und zahle!

Doch just auch hier, im inländischen Mitteltransferieren, scheitert das Umverteilungssystem zunehmend an seiner Nehmerfront. Während sich die Steuergeber resigniert fiskalisch rupfen und zupfen lassen, wächst auf der gegenüberliegenden Seite der Unwille der Beschenkten, sich in ihre Mitwirkungslasten des Ausfüllens von exzessiven Formularen und des Nachweises von Leistungsvoraussetzungen zu fügen. Analphabeten verlaufen sich im Niemandsland zwischen Sozialhilfe, Sozialversicherung, Unterhaltssicherungsgesetz und Grundsicherung. Überforderte Verwaltungsangestellte straucheln im unertastbaren Dreieck aus Arbeitslosengeld eins, Arbeitslosengeld zwei und Hartz vier. Aufstiegswillige Handwerksburschen irren durch Berufsausbildungs- und Arbeitsförderung. Bauarbeiter stehen begossen in einem Regen aus Schlechtwetter-, Winterausfall- oder Saison-Kurzarbeitergeld.

Wen kann bei alledem wundern, wenn die notwendige Mittelbeschaffung durch die Benachteiligten und Zukurzgekommenen bisweilen auf dem Weg der schlanksten Selbstverwaltung vor sich geht? Statt des Bewilligungsformulars FAQ (mit den Anlagen QA und TQM, unter Beifügung einer beglaubigten Abschrift der letzten drei Ablehnungsbescheide und einer eidesstattlichen Versicherung über die getrennte Haushaltsführung mit X) ergreift manch‘ Langzeitarbeitsloser Y am Ende doch lieber einfach die fremde Handtasche der überalternden, doch relativ noch immer bessergestellten Bevölkerung und entnimmt ihr seinen Bedarf schlankweg unmittelbar. Das spart nicht nur lästige Behördengänge und macht frei von stundenlangem Warten auf Amtsfluren. Der Kunde muss insbesondere die kargen Öffnungszeiten seiner Wohltat-Agentur nicht beachten. Im Gegenteil: Gerade in der Dunkelheit nach Dienstschluss lassen sich jene unbürokratischen Ressourcen am ehesten heben.

Die Sezession der jeweiligen Nehmerseiten aus den inner- und zwischenstaatlichen Umverteilungsunionen mit ihren anstrengenden Rollenerwartungen auch an den Empfänger folgt somit in allen Erscheinungsformen schlicht der individuellen Handlungsoptimierung des Darbenden. Warum sollte ein Huhn kompliziert Körner beantragen, wenn sie sich augenscheinlich allerorten einfach picken lassen? Schließlich ist an allen Hühnerställen ohnehin plakatiert, dass jedem Huhn sein Korn doch zusteht!
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http://ef-magazin.de/2011/05/30/3011-griechenland-der-euro-und-die-neue-drachme--rebellion-der-beschenkten
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
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BeitragVerfasst am: Fr Jun 10, 2011 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

Ebenfalls zum Thema Mann und Krieg. Oder warum der Westen in Afghanistan (sowie Pakistan, Iran und Lybien ?) scheitern wird.

=== Serbien und Georgien versus Tschetschenien oder Afghanistan

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Das Serbien seiner Zeit hat zehn Millionen Einwohner und kapituliert nach 80 Tagen und knapp 11.000 Angriffen der westlichen Bombenflugzeuge. Das größte Militärbündnis der Welt, hinter dem 800 Millionen Menschen stehen, siegt „hands down“, wie ein Medienmann beim Londoner Treffen schwärmt. Alle Befürchtungen über weitere Gewaltausbrüche Belgrads erweisen sich als haltlos, obwohl es gerade mal 1.200 Mann verliert. Selbst Ratko Mladic von Srebrenica tritt nicht mehr an. Frieden und Brüssels Fleischtöpfe werden unbestrittenes Mantra der südslawischen Vormacht. Dafür zieht es am Ende sogar den Bosnienschlächter ans Licht. Afghanistan hingegen führt seit 1978 Krieg und steht ungeachtet des Verlustes von Millionen stärker da als je zuvor.

Warum wird der eine machtpolitische Zwerg schnell niedergeworfen, während der andere immer wieder in die Offensive geht? Russland mit seinen 140 Millionen Einwohnen macht im Osten ja dieselbe Erfahrung. Georgien mit 4,5 Millionen Einwohnern läuft im August 2008 nach vier Tagen davon. Die Opferzahlen bleiben im dreistelligen Bereich. Aber Tschetschenien mit nur einer Million Menschen zwingt das Riesenland von 1994 bis 1996 und noch einmal von 1999 bis 2009 in Kriege, bei denen 140.000 Menschen ihr Leben verlieren. Ähnliches schafft Afghanistan, das mit damals 13 Millionen Einwohnern die 300 Millionen starke Sowjetmacht nach zehn Jahren (1978-1988) zum Abzug zwingt.

Haben Serben und Georgier etwas gemein, das sie – ob NATO oder Russland - zu Besiegten macht? Und verfügen die Afghanen über ein Mittel, dem weder Amerikaner noch Russen etwas entgegenstellen können? Warum verlieren die Krieger vom Hindukusch Schlacht um Schlacht und bleiben dennoch siegesgewiss, während die anderen so schnell Reißaus nehmen?

Bei den Georgiern (1,4 Kinder pro Frau) und Serben (1,7) werden potentielle Helden gar nicht erst geboren. Ihre männlichen Nachkommen sind einzige Söhne oder gar einzige Kinder. Alle haben eine Zukunft, weshalb sie selbstmörderische Kommandos meiden. Ihr Durchschnittsalter liegt nahe bei den 40 Jahren, genau wie bei den Gegnern von NATO und Russland. Die Tschetschenen aber haben damals ein Durchschnittsalter von 18 Jahren und die Afghanen stehen selbst heute bei 17. Die Großen stecken im selben demografischen Sinkflug wie die geschlagenen Kleinen. Absolut haben sie zwar mehr siegesentscheidende Söhne, aber mit jedem Gefallenen verliert auch bei ihnen eine Familie den einzigen männlichen Stammhalter.

Russland versteht immerhin schon 2008, dass ihm in Georgien nicht dasselbe passieren kann wie zwanzig Jahre zuvor in Afghanistan, wo es einzige Jungen gegen dritte und vierte Söhne des Gegners verliert. Die NATO ist so weit noch nicht. Bei der Londoner Konferenz demonstriert das der britische Oberkommandierende, als er Fragen nach dem Libyeneinsatz mit der Abwehr eines Genozids in Bengasi, also mit der Verhinderung eines zweiten Srebrenica verteidigt.
Jaap de Hoop Scheffer – in London Diskussionsleiter und bei der NATO Nachfolger von Lord Robertson – bekräftigt daraufhin noch einmal die Trauer seiner Landsleute über das Nichtstun der Soldaten im bosnischen Blutjuli 1995. Doch niemand hat de Hoop Scheffer oder seinerzeit den Niederländern erklärt, dass nicht alle Völkermorde gleich sind. Die einen lassen sich in der Tat verhindern, während bei anderen die Interventionsmacht selbst nur allzu oft schlichtweg auf einer Seite mittötet. Hätte man damals Mladics Leute vor Srebrenica entschlossen gestoppt, wären sie nicht in immer neuen Wellen zum Abschlachten ausgerückt, sondern so resigniert abgezogen wie ihre muslimischen Gegner auch. Es gibt schlicht keine neuen Angriffswellen. Auf beiden Seiten stehen alternde Volksgruppen, die noch hassen, aber keine ernsthaften Verluste mehr aushalten können, weil zweite, dritte oder gar vierte Söhne gar nicht erst geboren wurden.

Die aber hat Afghanistan und kann deshalb Verluste aushalten wie nur wenige Territorien der Erde. Seine Frauen haben viermal so viele Kinder wie ihre Schwestern in Serbien und Georgien. Mit seinem Bruderkriegsindex von sechs – auf einen rentennahen 59-Jährigen folgen sechs Neunzehnjährige in den Lebenskampf – prunken im Islam nur noch Gaza und Jemen. In Serbien liegt der Index ganz friedlich bei eins. In Libyen jedoch, wo angeblich ein zweites Bosnien – mit doch ebenfalls nur eins – verhindert werden soll, steht er bei brandgefährlichen drei. Dieser hohe Faktor sorgt dafür, dass auch nach elf Wochen und 3.700 NATO-Luftangriffen (bis 7. Juni 2011) nicht nur Gaddafis Leute, sondern auch die Rebellen immer noch kämpfen und ebenfalls Kriegsverbrechen begehen können.

Deutschland verliert im dreißigjährigen Krieg (1618-1648) gebietsweise – etwa in Württemberg – zwei Drittel seiner Menschen. Afghanistan hingegen schießt in seinem 33-jährigen Krieg von 13 auf 30 Millionen hoch. Jedes Jahr erreichen 460.000 Jungen das dort übliche Kampfalter von 15 Jahren. Nur eine Minderheit kann auf eine Karriere hoffen, und auch das nur, solange Berlin oder Washington für einen Teil der jungen Männer die Soldaten- und Polizistenlöhne zahlen. Gleichwohl will NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen – nicht weniger brillant als seine beiden Vorgänger – weit über 2014 hinaus gegen Afghanen kämpfen, bis ihre Gesellschaft „für Terroristen ungastlich“ geworden sei. Zuversichtlich meldet er, dass bereits 1.700 Taliban in westlich bezahlten Fördermaßnahmen stecken („Financial Times“, 31.05.11). Man möchte das nicht gleich als Tropfen auf den heißen Stein abtun. Aber weiß der Generalsekretär, dass auf die 4,5 Millionen 15-29-jährigen Afghanen, die jetzt allen Seiten die todesmutigen Rekruten liefern, 7,3 Millionen 0-14-jährige Knaben folgen, die für die Schlachten von morgen bereit stehen?

...
Allerdings ging dabei die demografische Pointe verloren. Pakistan keucht zwar „nur“ unter einem Bruderkriegsindex von vier. Aber seine Volumina sind einzigartig. 14 Millionen Männer zwischen 30 und 44 Jahren lassen die Kämpfe hinter sich. 28 Millionen zwischen 15 und 29 sind jetzt aktiv. Doch hinter ihnen träumen formidable 35 Millionen Jungen unter 15 Jahren von den Früchten des Sieges oder dem Ruhm des Heldentodes. Das sind abendländische Potentiale vom Beginn des 20. Jahrhunderts, als man zwischen 1914 und 1918 zehn Millionen Mann verbrennt und doch – mit der Ausnahme Frankreichs – für jeden Hof und jede Werkstatt noch Erben übrig behält.

http://ef-magazin.de/2011/06/09/3034-kriege-und-menschen-serbien-und-georgien-versus-tschetschenien-oder-afghanistan
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
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BeitragVerfasst am: Mi Jul 27, 2011 15:20    Titel: Antworten mit Zitat

Diesmal geht es nicht wie bei Eifrei um kollektive Geburten- sondern um kollektive Todesraten. Aus der WELT:

=== Neuer Blick auf Holocaust und Stalin-Verbrechen

Die sowjetische Volkszählung von 1937 fand acht Millionen Menschen weniger vor als erwartet. Denn die fünfeinhalb Millionen Opfer der gezielt herbeigeführten Hungersnot Anfang der 1930er Jahre – davon allein 3,3 Millionen in der Ukraine – durfte es offiziell nicht geben. Josef Stalin schuf auf seine Weise Abhilfe: Er ließ die Leiter der Volkszählung hinrichten.

Im Frühjahr 1941 kursierte in deutschen Ministerien die „grüne Mappe“ in einer Auflage von 2000 Exemplaren. Sie enthielt die verwaltungsmäßige Konkretisierung des „Generalplans Ost“ und des daraus abgeleiteten „Hungerplans“, der in den besetzten sowjetischen Gebieten die Vernichtung von 31 bis 45 Millionen Menschen durch Hunger vorsah. Nach einer Fassung sollten 80 bis 85 Prozent der Polen, 65 Prozent der Ukrainer, 75 Prozent der Weißrussen und 50 Prozent der Tschechen vernichtet werden.

Dies sind nur zwei Momentaufnahmen aus dem großen zeithistorischen Panorama, das der amerikanische Geschichtsprofessor Timothy Snyder in „Bloodlands“ entfaltet und das unseren Blick auf die Verbrechen Stalins und Hitlers nachhaltig verändern dürfte. Dabei hat Snyder kaum Neues an Forschungsmaterial beigetragen.

Das Buch gewinnt seine Brisanz aus seiner ungewöhnlichen Perspektive. Snyder konzentriert sich auf die Gebiete, die zwischen Russland und Deutschland lagen, von den baltischen Staaten bis zum Schwarzen Meer. Sie gehörten vor 1939 zur Sowjetunion oder wurden 1939 und 1940 infolge des Hitler-Stalin-Pakts von der Sowjetunion besetzt, dann im Zuge des Unternehmens Barbarossa von Deutschland überrannt und waren am Ende des Krieges wieder in Stalins Hand. Hier lagen die „Killing Fields“ der Diktatoren.

In den Bloodlands starben 14 Millionen Menschen durch Mordkampagnen von NS- und Sowjetregime. Entwickelt wurden die Pläne in Berlin und Moskau; in den Bloodlands aber wurden sie ausgeführt; hier wurde spätestens seit 1933 systematisch der Genozid als Mittel der Politik praktiziert, kulminierend in der Vernichtung der europäischen Juden.

So liefern bekannte Zahlen neue, kontraintuitive Einsichten, etwa die: „Stalin war ein Pionier des ethnischen Massenmords“; oder die: „Es war die Wehrmacht, die in Hitlers Europa das erste Netzwerk von Lagern einrichtete und führte, wo Menschen erst zu Tausenden, dann zu Hunderttausenden und schließlich zu Millionen starben“.

Die erste Einsicht ergibt sich aus der Beobachtung, dass die Opfer nicht nur des Großen Hungers 1932/33, sondern auch des Großen Terrors 1937/38 ganz überwiegend Angehörige der ethnischen Minderheiten, vor allem Polen und Ukrainer waren. („Grabt diesen polnischen Unrat weiter aus. Vernichtet ihn im Namen der Sowjetunion“, sagte Stalin.)

Die zweite aus der Tatsache, dass die Deutschen über drei Millionen russische Kriegsgefangene töteten – eine halbe Million durch Erschießen, den Rest hauptsächlich durch Hunger. „Die deutschen Kriegsgefangenenlager im Osten waren weit mörderischer als die deutschen Konzentrationslager“, bemerkt Snyder. Hinzu kam das Aushungern sowjetischer Städte durch die Wehrmacht. Allein in Leningrad starben eine Million Zivilisten.

Der Hunger – das primitivste und vielleicht qualvollste Mordinstrument des Menschen – ist in „Bloodlands“ allgegenwärtig. Mehr als die Hälfte der 14 Millionen Ermordeten starb an vorsätzlich herbeigeführtem Hunger; es folgt die Erschießung, erst dann kommt die Vergasung. Auch bei den fast sechs Millionen Opfern des Holocaust, bei dem man oft von einem „industriellen“ Massenmord spricht, starben Hunderttausende an Hunger, wurden ebenso viele Menschen erschossen wie vergast. „Egal welche Technologie benutzt wurde, das Töten war persönlich“, schreibt Snyder. Die Täter sahen ihren Opfern beim Sterben zu.

War es aber nur der Zufall ihrer Lage zwischen Deutschland und Russland, der die Ukraine, Weißrussland, Ostpolen und die baltischen Staaten zu den Bloodlands machte? Gerade im Herz der Finsternis, in der Ukraine, sieht Snyder eine perverse Logik am Werk, die „Ökonomie der Apokalypse“. Für Stalin war die frühere Getreidekammer des Zarenreichs der Schlüssel zur Industrialisierung.

Durch die Kollektivierung der Landwirtschaft sollten Arbeitskräfte freigesetzt werden, die in den Städten die Industrie aufbauten, während mit dem Export der erwarteten Getreideüberschüsse das Kapital für den Ankauf von Maschinen erwirtschaftet würde. Als die Kollektivierung aber zu Missernten und Hunger führte, erklärte Stalin die Missernte zur Sabotage, die hungernden Bauern zu Staatsfeinden.

Das Getreide wurde requiriert, den Bauern wurde verboten, ihr Land zu verlassen. Die Verhungernden aßen zunächst ihre Haustiere, dann Gras, schließlich machte sich der Kannibalismus breit. Eltern aßen ihre Kinder, Kinder ihre Eltern.
...

Snyder beschreibt Stalins Politik als „innere“, Hitlers als „äußere Kolonisierung“. Stalin stützte sich zunehmend auf die Russen als das eigentliche Staatsvolk der Sowjetunion, während die Völker an der Peripherie – und bald auch die Juden – in seiner paranoiden Fantasie der Kollaboration mit den Feinden verdächtigt wurden.
...

Ähnlichkeiten Betreibt Snyder eine Historisierung des Holocaust? Zweifellos: „Nur wer die Ähnlichkeiten zwischen NS- und Sowjetsystem anzuerkennen bereit ist, kann ihre Unterschiede verstehen.“ In Deutschland aber ist die Historisierung des Holocausts zu einem Codewort für seine Relativierung geworden, besonders seit dem „Historikerstreit“ um Ernst Nolte.

Aber Nolte hat den Holocaust nicht historisiert, er hat die Fakten seiner Geschichtsphilosophie untergeordnet, der zufolge die Nationalsozialisten die „asiatische“ Tat des Judenmords begingen, „weil sie sich als potenzielle oder wirkliche Opfer“ der „asiatischen“ Taten der Bolschewisten sahen.

Doch entwickelt Hitler seine Pläne zur Eroberung von „Lebensraum“ im Osten und zur „Lösung der Judenfrage“ mindestens zehn Jahre vor dem Beginn von Stalins „Holodor“ in der Ukraine. Die Historisierung des Holocausts entlastet nicht jene, die ihn planten.

In Snyders Literaturverzeichnis wird Nolte nicht einmal erwähnt. Er wendet sich erstens gegen die Ignoranz im akademischen Amerika, wo man an jeder zweiten Hochschule „Holocaust Studies“ belegen kann, aber kaum etwas über die anderen Massenmorde des 20. Jahrhunderts erfährt, vom Genozid an den Armeniern bis zum Genozid an den bosnischen Muslimen in Srebrenica.
...

Snyders Buch ist – drittens – ein Dialog mit und Kritik an Hannah Arendt, die schon sechs Jahre nach dem Krieg eine Theorie des „Totalitarismus“ vorlegte. Für sie war der „überflüssige Mensch“ ein Produkt der modernen Massengesellschaft, und ihre Kritik des „Totalitarismus“ mündete in die Kritik der Anonymisierung in der verwalteten, bürokratisierten und industrialisierten Welt. „Das ist ein machtvolles Bild“, schreibt Snyder, „und es muss korrigiert werden, bevor ein historischer Vergleich der Massenmorde von NS- und Stalin-Regime beginnen kann“.
...

http://www.welt.de/kultur/history/article13506021/Neuer-Blick-auf-Holocaust-und-Stalin-Verbrechen.html


=== Holodomor

Holodomor (Ukrainisch Голодомор; russisch Golodomor), früher teilweise auch „Hungerholocaust“ genannt, ist der Name einer großen Hungersnot der Jahre 1932/33 in vielen agrarisch geprägten Teilen der Sowjetunion. Die Bevölkerung der damaligen Ukrainischen SSR wurde dabei überdurchschnittlich hart getroffen, weshalb die dortige Hungersnot heute besonders bekannt ist.

Laut Berechnungen der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, die im November 2008 veröffentlicht wurden, betrug die Opferzahl in der Ukraine ca. 3,5 Millionen Menschen.Andere betroffene Regionen waren unter anderem Südrussland, Gebiete an der mittleren und unteren Wolga, Südural, Nordkasachstan und Westsibirien.

Hauptsächlich betroffen waren landwirtschaftliche Räume, die eigentlich zur Produktion eines Überschusses an Getreide in der Lage waren. Andere Autoren sprechen von gut 10 Millionen Toten innerhalb von zwei Jahren. Der Historiker Robert Conquest bezifferte 1986 auf Basis sowjetischer Volkszählungen die Gesamtopferzahl auf bis zu 14,5 Millionen Menschen, die die Hungertoten und die Opfer von Kollektivierung und Entkulakisierung zusammenfasst.
...

Das Wort Holodomor setzt sich aus den zwei ukrainischen Wörtern „Holod“ und „Mor“ zusammen. „Holod“ („голод“, Russisch Golod) heißt „Hunger“, „Mor“ ist ein altes ostslawisches Wort und bedeutet „Tod“, „Seuche“, „Massensterben“; in den modernen Sprachen (sowohl Ukrainisch als auch Russisch) bedeutet es „Vertilgung“. Holodomor/Golodomor heißt somit wörtlich „Hungertod“. Mit dem Wort Holocaust besteht kein etymologischer Zusammenhang.

Über die Ursachen des Holodomor gibt es höchst unterschiedliche Auffassungen. Insbesondere ukrainische Geschichtswissenschaftler betonen, dass es sich um eine systematische und vom Regime Stalins organisierte Hungersnot gehandelt hätte. Der ungarische Historiker Miklós Kun meint: „Es war eine bewusst und systematisch durchgeführte Ermordung von Millionen Menschen. (...) Während in ukrainischen Dörfern die verzweifelten, vor Hunger irre gewordenen Menschen die grünen Zweige der Bäume aßen, wurden ukrainische Lebensmittel auf Stalins Befehl in anderen sowjetischen Republiken im Rahmen des sogenannten „sowjetischen Dumpings“ zu günstigen Preisen verkauft ...“

Demgegenüber argumentieren vor allem russische Historiker, dass die Hungersnot die Folge einer schlechten Ernte gewesen sei, welche durch die Kollektivierung der Landwirtschaft und den damit verbundenen Widerstand der ukrainischen Bauern verschlimmert worden sei. Dies allerdings hat die Sowjetunion nicht davon abgehalten, größere Mengen Getreide zu exportieren. Gunnar Heinsohn stellt fest, dass in der Ukraine, in Kasachstan und einigen Kaukasusgebieten, in denen starker Widerstand gegen die durch Zwangskollektivierung durchgeführten Enteignungen vorhanden war, dieser mit dem Mittel der absichtlich herbeigeführten und durch Zwangsrequirierungen verschlimmerten Hungersnot gebrochen werden sollte.

Auch die Unabhängigkeitsbewegungen dieser Völker sollten auf diese Weise getroffen werden. So unterband die kommunistische Partei auch die Versorgung der Hungernden und die Ausreise von Ukrainern aus den Hungergebieten. Dieses gesamte Vorgehen wird von Heinsohn als Mischung von Politizid und Genozid bezeichnet, deren wahrheitsgemäße Darstellung oft aus politischen Gründen als „böswilliger Antikommunismus“ diffamiert werde.

Andere kritisieren den Begriff Holodomor. In ihren Augen wird er von einigen Ukrainern verwendet, um die tragischen Folgen der über die Ukraine hinausgehenden Kollektivierung für nationalistische Zwecke politisch zu missbrauchen. Auch die Assoziation mit dem Begriff Holocaust wird kritisiert, da durch die Parallelität der Begriffe nicht nur die Bewertung des Ereignisses als gezielter Genozid vorweggenommen wird, sondern auch der vom NS-Regime organisierte Völkermord an den europäischen Juden relativiert wird. Weiterhin wird darauf verwiesen, dass die Hungersnot dieser Zeit keinesfalls nur die Ukraine, sondern auch andere Gebiete der Sowjetunion betraf, sie also nicht gezielt gegen die Bevölkerung der Ukraine „organisiert“ wurde.
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http://de.wikipedia.org/wiki/Holodomor
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Do Aug 18, 2011 09:34    Titel: Antworten mit Zitat

Interessanter Artikel über Welt, Bild und die Mainstream Medien.

Folgende Fragen und Korrekturen seien dennoch erlaubt:
Welche Motivation steht denn hinter dem Springer Konzern ? Sind die Medien "links" ? Oder einfach nur zentralistisch ?

=== Medienmacht: Die „vierte Gewalt“ ist erste Gewalt

Von solchen Zahlen hört man in Massenmedien verständlicherweise selten, doch der „Focus“ nannte sie kürzlich immerhin: Nach der letzten Repräsentativ-Studie stehen 34 Prozent der Journalisten den Grünen nahe, weitere 25 Prozent der SPD, wie der Kommunikationswissenschaftler Mathias Kepplinger erklärt. Bei den Journalisten mit Parteineigung bekennen sich somit nach Kepplinger 76 Prozent zu Rot und Grün. Wer mag da an der These von Michail Gorbatschow aus dem Jahr 2009 zweifeln, die deutsche Presse sei „die bösartigste überhaupt"?
...

Es stimmt zwar, dass Massenmedien über weite Strecken manipulierend berichten. Dies geschieht aber nur am Rande durch äußeren Druck. In der Regel findet die Manipulation durch den ganz freiwilligen Einsatz der Journalisten statt – bei fast der Hälfte sogar absichtlich, wie gesagt! Journalisten selbst sind es, die Wirtschaft und Politik mit ihrer Macht unter erpresserischen Druck setzen und es schaffen, diese zu Entscheidungen wider ihre Überzeugungen zu zwingen. Die angebliche „vierte Gewalt" ist längst die „erste Gewalt", die als Obrigkeit über Parteien und Wirtschaft herrscht, obwohl sie oft nur eine kleine ideologische Minderheit repräsentiert.
...

Damit nicht genug des Einflusses dieser Kampagne: Nach Kepplinger sind die Profiteure der Atom-Hysterie die Grünen. Deren ungläubig bestaunter Höhenflug, so Kepplinger, sei „auch ein Triumph der im Journalismus dominierenden Weltsicht". Umgekehrt ist schwer vorstellbar, dass Massenmedien aufgrund des Einflusses der Grünen einen Höhenflug beziehungsweise Niedergang erleben würden. Hier wird deutlich, wer Koch und wer Kellner ist. Wenn man Kepplingers Erklärung für den Grünen-Höhenflug aber weiter denkt und sich vor Augen hält, dass der seit Jahrzehnten steigende Einfluss der Grünen natürlich auch die anderen Parteien dazu bewog, grüne Themen und Positionen aufzunehmen, dann wird klar, dass die heutige linke Parteienlandschaft mit ihrer längst links-grünen Merkel-CDU und ihrer ebenso zunehmend sozialdemokratischen FDP letztlich ebenso ein Ergebnis der grün-links dominierten Medienlandschaft ist.

Zumal die Merkel-CDU und die FDP es vermeiden wollen, von linken Journalisten mit der Moralkeule angefeindet zu werden. Seit Hohmann und Möllemann ist die Lust von CDU und FDP, sich mit den Medien „anzulegen", nicht gestiegen. Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld erklärte 2003 im „Focus“: „Viele aus der CDU kommenden Debatten sind bereits von der CDU wieder abgewürgt worden, sei es die Leitkultur-, Doppelstaatsbürgerschafts- oder Patriotismus-Debatte. Sobald das rotgrüne Medienkartell Empörung inszeniert, finden sich Unionspolitiker, die diese Debatte ‚unerträglich’ nennen. Danach wird mit Zitaten von Unionspolitikern gegen die Union Front gemacht." Kurz: die ganze Verzweiflung der konservativen Wähler über den Linksruck der CDU wäre doch niemals ohne diese linke Medienmacht denkbar, die diesen Linksruck erst bewirkte.

Wobei die angeblichen bürgerlichen Medien im Zweifel voll auf der Seite des Medienkartells stehen, zumal wenn ein Klima der Einschüchterung besteht. So war es im Fall Fukushima („BILD“: „Atom-Horror“) und im Fall Hohmann („BILD“: „CDU-Hetzer“). Also gibt der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit im Fall Hohmann in der „taz“ zu: „Mir scheint, dass ‚Welt’ und ‚BILD’, mit Verlaub, weniger die ‚taz’ Angela Merkel in die Knie gezwungen haben." Eine Kanzlerin, in die Knie gezwungen von Medien? Ja, so sind die Machtverhältnisse. Schon Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder meinte bekanntlich, zum Regieren brauche er nur „BILD, BamS und Glotze". Umgekehrt würde die „BILD“ nie sagen, dass sie für ihren Erfolg das Wohlwollen von Schröder oder Merkel benötigt; es kann ihr egal sein.

Merkel ist nicht mehr darauf aus, sich mit dem Medienkartell anzulegen und wird seit Langem selbst von der linken „taz“ des Öfteren gelobt. Das erklärt die mysteriöse Wendung jener Merkel, die im Bundestags-Wahlkampf 2005 noch als Reformpolitikerin auftrat und den unbequemen Paul Kirchhoff in ihrem Kabinett haben wollte, bevor sie sich als Kanzlerin zur Vollstreckerin der linken Einheitsfront verwandelte. Die Kampagne gegen Kirchhoff hat Merkel offenbar desillusioniert und sie zu der Ansicht gebracht, dass es alles keinen Sinn mehr mache mit Widerstand gegen die ideologische Linie der Medien. Cora Stephan meint in ihrem Merkel-Abrechnungsbuch „Angela Merkel – ein Irrtum" in nebulösen Andeutungen, Merkel wirke „wie eine Getriebene anderer, größerer Mächte". Welche Mächte dies sind, die Merkel zur „Getriebenen" machen, schreibt Cora Stephan nicht; vielleicht deshalb nicht, um dem Vorwurf der „Medienschelte" zu entgehen? Der Begriff „Getriebene" ist in Bezug auf Merkel auch aus anderem Zusammenhang bekannt: Der CSU-Politiker Norbert Geis hatte so die Kanzlerin tituliert – das war 2003 anlässlich der Hohmann-Kampagne. Laut „Berliner Zeitung" hielt Lengsfeld damals „eine Tirade gegen die Medienmacht, vor deren Kampagne die Unionsführung jetzt kusche".
...

Sollten nicht zudem jene Bürger, die über die „Political Correctness" wettern, sich überlegen, ob sie diese mit dem Abonnement von Zeitgeist-Medien weiterhin finanzieren wollen? Konservative beklagen oft, dass andere Konservative trotz des Elends der CDU noch immer diese Partei als „kleineres Übel" wählen, anstatt zu einer Rechtspartei zu wechseln. Als duckmäuserisch sehen sie das an, vielleicht zu Recht. Aber die selben Konservativen abonnieren nicht selten „Mainstream“-Blätter – verhalten sie sich damit nicht ungewollt genauso? Ist nicht bei vielen Lesern einer Boulevardzeitung zu fragen, ob sie diese wirklich trotz Frustration über deren Kurs noch kaufen wollen, nur um nicht auf das Bildchen mit der Dame auf Seite eins verzichten zu müssen? Eine „Rechtspartei" wäre im Parteienspektrum sicherlich als erfrischende Kraft für freiere Debatten erst mal wünschenswert, aber der Zeitgeist ist damit längst nicht geknackt, solange die linken Medien das Sagen haben. Anstatt Zeit für die Arbeit mit den Totgeburten rechter Parteien zu verschwenden, wäre wa wichtiger, den Kampf gegen die Medienmacht aufzunehmen und mediale Alternativen zu protegieren. Wenn diese erst die Oberhand haben, dann werden sich die Parteien den medialen Verhältnissen anpassen, und eine „Rechtspartei“ ist dann gegebenenfalls gar nicht mehr nötig.
...

Prangert in den Flugblättern eurer Bürgerinitiativen nicht nur die Lügen der Politiker an, sondern zuallererst die der Journalisten! Vor allem aber: Glaubt endlich nichts mehr, was in deutschen Establishment-Medien steht! Ich jedenfalls gebe, wenn eine Zeitung wieder einmal einem Politiker eine kriminelle Schweinerei anhängen will, dem Politiker zunächst einen Sympathie-Vorschuss gegenüber dem Journalisten. Obwohl ich auch wahrlich nicht viel von der politischen Klasse halte, aber Journalisten sind das allerletzte. Kein Wunder: Wenn Journalisten mehr Macht haben als Politiker, dann liegt es nahe, dass dort auch die moralische Verkommenheit noch stärker gedeiht.

Zaghafte Ansätze eines medienkritischen Aufstands gibt es, wie die Reaktionen auf die Kampagnen gegen Eva Herman und Thilo Sarrazin zeigten. Doch in der Atomdebatte merkte man wenig vom vorhandenen Misstrauen der Bürger gegenüber den Medien und ihren Hysterien. Und die, die das Misstrauen auch in der Atom-Frage hatten und über die Gehirnwäsche wütend waren, starteten keinen Aufstand. Wie lange noch?

http://ef-magazin.de/2011/08/17/3138-medienmacht-die-vierte-gewalt-ist-erste-gewalt
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Di Aug 30, 2011 11:23    Titel: Antworten mit Zitat

Man beachte auch die Selbsteinschätzung der Medien.

Zitat 1:
Mit seinen Libyen-Äußerungen hat Außenminister Westerwelle viel Kredit in der FDP verspielt. Ein Beitrag für die "Welt am Sonntag" rettet ihm vorerst sein Amt.

Zitat 2:
In einem Beitrag für die „Welt am Sonntag“ sprach er vom „Respekt“ für die Nato. „Wir sind froh, dass es den Libyern auch mithilfe des internationalen Militäreinsatzes gelungen ist, das Gaddafi-Regime zu stürzen.“ Diese Passage stellte Rösler erst einmal zufrieden.

=== Westerwelle vor Rücktritt: Alle gegen Guido

Schon Oma und Opa wussten: Politik verdirbt den Charakter. Vom Journalismus zu schweigen, da sind bekanntlich Gebrauchtwagenhändler angesehener.

Und so drängeln beim großen Haudrauf gegen den am Boden liegenden Westerwelle alle gerne vor. Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Dort die Linken in Medien und Politik von „Spiegel“ bis Claudia Roth, weil sie noch eine Rechnung offen zu haben glauben. Sie wollten den einst gewichtigen FDP-Chef schon immer abschießen. Jetzt endlich haben sie die Gelegenheit. Und hier die Neokonservativen hinter den vermeintlich eigenen Reihen, weil Westerwelle es gewagt hatte, die kriegerische Außenpolitik der NATO nicht mitzumachen. Jene Einmischung in fernen Ländern, die uns in diesen Stunden als großer Erfolg und „alternativlos“ verkauft wird. Auch hier ist die Gelegenheit günstig, denn die Toten der Bombardements sind noch nicht gezählt und die Folgen des Regimewechsels kaum absehbar.

Schon bald könnte sich Westerwelles halbherzige – und Moskaus und Pekings mannhafte – skeptische Position zum Libyenkrieg als richtig herausstellen. So wie sich historisch die Zurückhaltung gegenüber den Kampfeinsätzen im Irak und in Afghanistan schnell als die einzig Richtige erweis. Doch dann werden die Hetzer schon zum nächsten Krieg blasen. Und der Außenminister Westerwelle wird längst Geschichte sein.

Im Gedrängel derer, die nun auf den bemitleidenswerten Guido eintreten, ragt einer fies heraus: Vorgänger Joschka machte es selbst umgekehrt. In der Opposition gab er sich skeptisch dünne gegenüber Kriegseinsätzen. Kaum in der Regierung, entwickelte sich Fischer zum fetten Falken auf dem Balkan.
...

http://ef-magazin.de/2011/08/29/3159-westerwelle-vor-ruecktritt-alle-gegen-guido


=== Westerwelle ist nur noch Minister auf Bewährung

Mit seinen Libyen-Äußerungen hat Außenminister Westerwelle viel Kredit in der FDP verspielt. Ein Beitrag für die "Welt am Sonntag" rettet ihm vorerst sein Amt.

Die FDP will an Außenminister Guido Westerwelle trotz seiner umstrittenen Haltung im Libyen-Konflikt festhalten. Die Liberalen möchten offenbar eine Personaldebatte während des Wahlkampfes in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin vermeiden. Nach Informationen von "Welt Online“ gilt das aber nicht um jeden Preis.

Westerwelle ist somit nur noch Minister auf Bewährung. Sollte er sich noch einen Schnitzer erlauben, sei er seinen Posten los, hieß es in Berlin.

Der Außenminister sagte am 23. August im Deutschlandfunk (Auszüge): „Wir haben uns mit eigenen Kampftruppen als Deutsche nicht an dem Krieg in Libyen beteiligt, diese Entscheidung war auch richtig, sondern wir haben auf die internationale Isolierung gesetzt, auf vor allen Dingen die politischen und wirtschaftlichen Sanktionen. Und diese Sanktionspolitik war augenscheinlich erfolgreich, denn sie hat das Regime Gaddafi nicht nur isoliert, sondern ihm auch die Nachschubmöglichkeiten abgeschnitten.“

Daraufhin hatte sich der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler von dieser Sicht der Dinge distanziert: „Unser tiefer Respekt und unsere Dankbarkeit gelten auch unseren Verbündeten, die Gaddafis Mordeinheiten entscheidend in den Arm gefallen sind.“ Er brachte damit den Unmut vieler Parteifreunde über Westerwelle zum Ausdruck.

Der Druck des aktuellen Parteichefs Rösler führte beim ehemaligen Parteichef Westerwelle dann zur Kehrtwende. In einem Beitrag für die „Welt am Sonntag“ sprach er vom „Respekt“ für die Nato. „Wir sind froh, dass es den Libyern auch mithilfe des internationalen Militäreinsatzes gelungen ist, das Gaddafi-Regime zu stürzen.“ Diese Passage stellte Rösler erst einmal zufrieden.

...
Der frühere grüne Außenminister Joschka Fischer (1998 bis 2005) stellte Westerwelle und der Bundesregierung im „Spiegel“ ein verheerendes Zeugnis aus. „Das Verhalten der Bundesregierung im Libyen-Konflikt mit der Enthaltung im UN-Sicherheitsrat ist ein einziges Debakel, vielleicht das größte außenpolitische Debakel seit Gründung der Bundesrepublik“, sagt Fischer. „Die Position unseres Landes in der Welt wurde wesentlich beschädigt.“

http://www.welt.de/politik/deutschland/article13570572/Westerwelle-ist-nur-noch-Minister-auf-Bewaehrung.html
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Di Nov 01, 2011 16:12    Titel: Antworten mit Zitat

Patente ohne sinnvolle zeitliche Beschränkung, z.B. 8 Jahre, verhindern Wettbewerb.

Siehe auch den EF Artikel
Erster Stromkrieg 1886 bis 1893: Westinghouse, Edison und Tesla
unter
http://ef-magazin.de/2011/10/27/3243-erster-stromkrieg-1886-bis-1893-westinghouse-edison-und-tesla

Dazu ein Blick auf heutige Ereignisse, konkret die Apple Klage gegen Samsung.

=== Patentkrieg zwischen Apple, Microsoft und Android

Das englischsprachige Blog Foss Patents des Patentexperten Florian Müller gilt als wichtige Informationsquelle zu den Patentstreitigkeiten zwischen Apple, Microsoft und Vertretern aus dem Android-Lager wie Samsung und HTC.

...
Nach Ansicht von Müller hat Apple keine andere Wahl, als seine Patent- und Urheberrechte rigoros vor Gericht durchzusetzen, um seine hohen Gewinnspannen von mehreren hundert Euro pro Gerät und den hohen Börsenwert des Unternehmens zu schützen. Im Konkurrenzkampf gegen das Android-Lager, das auf seinen Smartphones vergleichbare Funktionen wie die Apple-Geräte biete, könnte Apple sonst das gleiche Schicksal – ein gravierender Bedeutungsverlust – ereilen wie in den 90er Jahren im Ringen mit Microsoft.

Der Frage, ob Apple den langen Kampf vor Gericht für sich entscheiden werde, weicht Müller im Interview aus. Grundsätzlich sieht er aber die Anforderungen an Neuheit und Erfindungshöhe im Patentrecht als zu niedrig an. Das führe dazu, dass auch einfache Ideen schützbar sind. Während aber Microsoft überwiegend technisch ausgereifte Erfindungen geltend macht, beziehen sich Apples Patente mehr auf gute Ideen. Weiterer Unterschied zwischen den beiden Konkurrenten: Microsoft sehe sein Patent-Portfolio als Umsatzquelle, während Apple auf seine gesetzlich verbrieften Ausschlussrechte poche.

...
"Problematisch ist, dass offensichtlich das Patentwesen in bestimmten Bereichen zur Erteilung von Monopolrechten führt, die nicht im Interesse der Wirtschaft und Gesellschaft im Ganzen sind, sondern nur einigen wenigen dienen." Die kürzlich verabschiedeten Reformen des Patentrechts in den USA werden nach Meinung von Müller die bestehenden Probleme nicht lösen. Geplante Veränderungen am Patentrecht in Europa würden dagegen die Konflikte noch verschärfen, da sie Patenttrollen und strategischen Angreifern noch bessere Chancen böten.

...
Florian Müller setzte sich früher als Aktivist gegen die Einführung von Software-Patenten in der EU ein und betreibt mit Foss Patents ein vielgelesenes Blog zum Thema IT-Patente. Nach eigener Aussage steht er der Patentierung von Software weiterhin kritisch gegenüber. Zurzeit führt er im Auftrag von Microsoft eine Studie über Patente, die sich auf Industriestandards wie UMTS beziehen, durch. Dafür wird er aus Bloggerkreisen kritisiert. Müller betont jedoch im taz-Interview, er sei nach wie vor unabhängig.

http://www.areamobile.de/news/20102-kurz-und-knapp-patentexperte-erklaert-den-patentkrieg-zwischen-apple-microsoft-und-android
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
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BeitragVerfasst am: Mo Nov 07, 2011 12:33    Titel: Antworten mit Zitat

Weiteres zum Patentkrieg. Am Ende bleiben nur Patentkartelle übrig.

=== Apple darf iPhone in Deutschland nicht mehr anbieten

Apple darf das iPhone nicht in Deutschland verkaufen, hat das Landgericht Mannheim in einem aktuellen Urteil entschieden. Das iPhone soll gegen zwei Motorola-Patente über ein Verfahren zum Senden eines Kommunikationssignals sowie über die Synchronisierung von Nachrichteninformation unter einer Gruppe von Empfängern verstoßen.

Bei dem Schuldspruch des Landgerichts Mannheim handelt es sich um ein Versäumnis-Urteil, das gegen die Apple Inc. ausgesprochen wurde, weil Apple innerhalb einer gesetzten Frist nicht auf die Anschuldigungen von Motorola reagiert hatte. Zur Streitsache an sich sagt das Urteil zunächst noch nichts Abschließendes aus. Möglicherweise verstößt neben den verschiedenen iPhone-Modellen auch das iPad mit UMTS-Unterstützung gegen die betreffenden Patente im Besitz von Motorola. In dem Urteil wird Apple nicht nur verpflichtet, den Verkauf von mobilen Endgeräten, die die entsprechenden Patente verletzen, zu stoppen, sondern auch offenzulegen, in welchem Umfang das Unternehmen gegen die betreffenden Patente verstoßen hat, damit eine Schadensersatzsumme bestimmt werden kann. Apple müsse Schaden begleichen, der Motorola seit dem 20. März 2002 entstanden ist, heißt es in dem Urteil.
...

http://www.areamobile.de/news/20148-urteil-apple-darf-iphone-in-deutschland-nicht-mehr-anbieten


=== Samsungs 3G-Patente stoppen nicht das iPhone

Das niederländische Gericht erkannte in seinem Urteil durchaus an, dass Samsung im Besitz der 3G-Technologie-Patente sei. Doch es vertrat auch die Ansicht, dass solche Patente über Schlüssel-Technologien auf "faire, vernünftige und nicht-diskriminierende Grundlage" (FRAND) genutzt werden sollten und Samsung anderen Anbietern entsprechende Lizenzen anbieten sollte. Das Gericht in Den Haag forderte daher beide Parteien auf, eine Lizenz-Vereinbarung zu treffen. Samsung muss demnach fairen Zugang gewährleisten, Apple dürfe die Besitzrechte von Samsung an den entsprechenden Patenten nicht negieren.
...

http://www.areamobile.de/news/19981-urteil-samsungs-3g-patente-stoppen-nicht-das-iphone


=== Spanischer Tablet-Anbieter setzt sich gegen Apple durch

Das kleine spanische Unternehmen Nuevas Tecnologías y Energías hat sich in einem Rechtsstreit gegen den US-amerikanischen IT-Konzern Apple durchgesetzt. Wie das Portal europapress.es berichtet, hat ein Gericht in Quart de Poblet (Valencia) entschieden, dass die spanische Firma mit ihrem Tablet keine Apple-Rechte verletzt. Diese drehte nun den Spieß um und verklagte ihrerseits Apple.

Nuevas Tecnologías y Energías vertreibt ein Android-Tablet unter dem Markennamen NT-K, gegen das Apple im November 2010 vorgegangen war. Der US-Konzern erreichte, dass der spanische Zoll Geräte beschlagnahmte, die das spanische Unternehmen aus China einführen wollte. NT-K geriet auch auf die EU-Liste der Produktpiraten. Apple brachte in diesem Fall nach Angaben des Patent-Bloggers Florian Müller das gleiche Geschmacksmuster vor wie auch schon vor dem Landgericht Düsseldorf und in den Niederlanden.

N-TK war in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben und hatte sich im August 2011 bei der Aufsichtsbehörde Comisión Nacional de la Competencia über Apple wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens beschwert, hieß es seinerzeit in den örtlichen Medien. Nun verklagen die Spanier nach eigenen Angaben Apple und fordern, dass der Konzern für entgangene Einnahmen und andere Schäden aufkommt.
...

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Spanischer-Tablet-Anbieter-setzt-sich-gegen-Apple-durch-1370460.html
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Di Nov 29, 2011 15:05    Titel: Antworten mit Zitat

Kommentar zum Sieg der schweigenden Mehrheit über die Mainstream Medien.

=== Volksabstimmung zu Stuttgart 21

Am Sonntagabend war der Vorhang gefallen. Das grandiose Schauspiel „Stuttgart 21“, das gut ein Jahr lang die Republik angeblich tief bewegte (und in Wahrheit kaum jemanden diesseits des Arnulf-Klett-Platzes in Stuttgart interessierte), endete als Farce. Was wurde uns nicht in den vergangenen Monaten tagein tagaus vorgegaukelt: Die Mehrheit der Stuttgarter, ja: der Baden-Württemberger, ja: der Deutschen inklusive der mit Hintergrund, ja: der Menschen in und außerhalb unseres Landes, sie seien unbedingt und ganz dolle gegen Stuttgart 21. Mit ganz schön großer Mehrheit. Sie seien jetzt auch alle „Wutbürger“. Und deshalb wütend.

Kurz vor Jauch platzte die Blase. All die so furchtbar staatsbürgerlichen Demonstranten gegen einen Bahnhof werden plötzlich als das kenntlich, was sie tatsächlich immer waren: die üblichen linken Berufsdemonstranten, bestens organisiert, genährt und herangekarrt von den entsprechend hoch subventionierten Gewerkschaften, Parteien, Verbänden und Initiativen. Das rotgrüne Milieu spielte uns den Wutbürger gerne und gut. Nun aber erkennt man auf den Köpfen der Gut- und Bessermenschen wieder die Hasskappen, in den Händen ihre penetranten Megaphone und Plakate, mit denen sie die Welt glauben verbessern zu müssen. Nun trotzen sie wieder entschieden der „irregeleiteten Mehrheit“, weil sie es doch besser wissen und besser können.

Ein Medien- und Politikspektakel ist beendet, längst haben parallel andere Aufführungen begonnen. „Occupy Wallstreet“ zum Beispiel. Oder der tagtägliche Neonaziterror. Doch kaum etwas ist wie es scheint: „Occupy Wallstreet“ nimmt diesseits von „Spiegel“ und ARD keiner wirklich ernst. Und die von Radio Eriwan so vielbeschworene akute und immerwährende Nazibedrohung erst recht nicht.

Tatsächlich war und ist, und jetzt auch amtlich, entgegen aller Tagesschau-Propaganda die Mehrheit der Baden-Württemberger, ja sogar die Mehrheit der Stuttgarter für den neuen Bahnhof. Mehr als 90 Prozent der Bundestagsabgeordneten stimmen für Rettungspakete und Schuldenunion, im Volk aber sind mehr als 90 Prozent gegen all diesen Wahnsinn. Und auch wenn unsere Aktuellen Kameras seit Wochen den Terror der Castor-Gegner als „Katz-und-Maus-Spiel“ verniedlichen und sogar das perverse Zubetonieren ihrer eigenen Kinder stets „gut verstehen“, so denkt auch hier das Volk ganz sicher entschieden anderes. Wetten, dass eine übergroße Mehrheit der Deutschen, nein: sogar derer im „Wendland“, die irren Atomfetischisten an den Gleisen solange in Arbeitslager stecken würde, bis diese die Kosten für die durch sie verursachten Rettungs-, Sicherungs- und Hilfseinsätze abbezahlt haben?
...

Auch andererleuts Meinungen, schreibt die „Welt“, wollen viele am liebsten verbieten: „Die Aussage, alten Leuten sollten Operationen nicht mehr bezahlt werden, gehöre verboten, sagen 42 Prozent der Befragten. Fast ebenso viele wollen den Ruf nach Wiedereinführung der Todesstrafe untersagen. Auch dass Homosexualität eine Krankheit sei, Frauen an den Herd gehörten oder die Amerikaner am 11. September selbst schuld seien, sind Meinungsäußerungen, die eine beachtliche Minderheit am liebsten per Gesetz unterbinden will. Wie groß die Intoleranz gegenüber Andersdenkenden in allen Lagern ist, zeigt sich daran, dass 30 Prozent die Äußerung ‚Fleisch essen ist Mord’ unter Strafe stellen wollen – und fast ebenso viele die Meinung ‚Massentierhaltung ist notwendig’.“ Könnte es nicht sein, dass ein Großteil der 30 Prozent hier wie dort aus ein und denselben Befragten besteht? Dann stellten die notorischen Verbieter selbst in Umfragen nur eine Minderheit.
...

http://ef-magazin.de/2011/11/29/3290-volksabstimmung-zu-stuttgart-21-erstens-kommt-es-anders
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Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Mo Jan 16, 2012 12:03    Titel: Antworten mit Zitat

Ebenfalls zum Thema Medien. Bei dieser Schlammschlacht treffen die Richtigen auf einander: Nämlich Mainstream Medien und ihre Politiker, die sich jahrelang gegenseitig unterstützt haben.

=== Die Affäre Wulff

Eigentlich wollen wir bei den Deutschen Mittelstands Nachrichten so eine Art „Wulff-freie“ Zone bieten. Wir glauben, dass es viel drängendere Probleme gibt, die geeignet sind, die Gesellschaft fundamental zu gefährden, als die Probleme eines Vertreters der Hannover-Connection in Berlin.

Aber der Auftritt von Christian Wulff simultan in beiden Staatssendern war doch irgendwie der bisherige Höhepunkt einer Affäre, die auch viel über den Zustand der Republik sagt: Wir erleben ein Schauspiel der Dekadenz in Deutschland, in dem alle Beteiligten vor allem eines nicht tun: die Aufgaben wahrnehmen, die sie als echte Stützen der Demokratie wahrnehmen müssten.
...

Christian Wulff hat sich, dem tristen Hannover entronnen, von seiner eigenen Eitelkeit, seiner Frau und den Medien die Rolle des „Stars“ aufdrängen lassen. Nur: Wulff ist der letzte, aus dem man einen Star machen kann. Er ist verwoben in ein Netz von „Freunden“ und „Helfern“, einem System, in dem er groß geworden und klein geblieben ist. Es ist dasselbe System, in dem solch prachtvolle Exemplare wie Gerhard Schröder ein unberührtes Biotop für ihre Machtambitionen gefunden haben.
...

Anders als Wulff hat die Bild-Zeitung immer eine Ambition: Sie will den Politikern zeigen, dass, wer auch immer regiert, von Springers Gnaden regiert. Der Bild-Zeitung sind die politischen Positionen Wulffs ziemlich egal. Sie treibt den Präsidenten von einem Fettnäpfchen zum andern. Besonders zum Schenkelklopfen muss es für Springer sein, wenn die Bild ihren Angriff getarnt in der Rolle des Opfers der bedrohten Pressefreiheit vortragen darf.

Der Staatsfunk braucht sich dagegen nicht zu verstellen: Er stellt sich und seine Fragesteller zu Verfügung. Christian Wulff, Hauskäufer aus Burgwedel, bekommt eine Durchschalte bei ARD und ZDF, um über seine schillernden Beziehungen in Hannover und seine Gespräche mit einer Mobilbox zu schwadronieren. Früher gab es Sondersendungen im Katastrophen- oder Kriegsfall. Heute kauen die zwei Berlin-Chefs der zwei Staatssender gelangweilt wider, was der zwangsinformierte Leser ohnehin schon hundertmal gehört hat.
...

Die wirkliche Katastrophe ist jedoch die Kombination dieser beiden Phänomene. Alle großen Skandale finden heute nämlich – trotz einer dauerhaften Mega-Medien-Hysterie – unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Finanzindustrie hat es meisterhaft verstanden, ihren globalen Feldzug der Ausbeutung so umfassend zu camouflieren, dass niemand darüber schreibt: Wer will schon über Ungetüme wie EFSF, CDS oder „rehypothecated assets“ schreiben? Wer macht sich die Mühe, den Leuten zu erklären, worum es hier geht und dass das alles nicht graue Theorie ist?

Wer will den Leuten die Billionen erklären, die an Kunstgeld so geschaffen wurden, dass sie niemand anders als die sogenannten kleinen Leute einmal zurückzahlen müssen – mit Zins und Zinseszins. Gleiche Verschleierungstaktik verfolgen mit großem Erfolg die Euro-Industrie, die internationale Bailout-Branche, die globale Ernährungsindustrie, die Energiewirtschaft, die Pharmaindustrie und so weiter.
...

Daher flüchten sich Politik und Medien ins gemeinsame Dschungel-Camp der politischen Realsatire und inszenieren den Abgesang auf die Demokratie als Burleske, in deren Mittelpunkt keine Charaktere mehr stehen, sondern nur noch Marionetten eines todessüchtigen Zeitgeists.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/01/34798/
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Mi Jan 18, 2012 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

Weiteres zum Thema Wulff und die Mainstream Medien.

=== Die Journalisten und der fallengelassene Christian Wulff

Das wünscht man seinen ärgsten Feinden nicht. Sagt der Volksmund über Hetzjagden auf Menschen. Journalisten ticken anders. Wenn einer am Boden liegt, macht das Draufhauen ihnen gerade erst richtig Spaß.

Diese Gnadenlosigkeit trifft mit Christian Wulff in diesen Tagen keinen ganz Unschuldigen. Als Teil der herrschenden Klasse haben er und seine Betty wie all die anderen auch ihren Dreck am Stecken.
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Christian Wulff hat, um nur drei Beispiele zu nennen, gegen Bruder Johannes Rau selbst federführend mitgelästert und laut geschwiegen, als der introvertierte und vergleichsweise grundanständige Kollege Martin Hohmann von der „Bild“-Zeitung als „der Hetzer“ erledigt wurde oder als dasselbe Blatt Eva Herman gnadenlos niederfragte: „Ist sie braun oder nur doof?“ Und dennoch, man wünscht all das weder Hohmann noch Herman noch Wulff.
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Die „Welt“ und die „Bild“ aber sind E-M-P-Ö-R-T. Nicht darüber, dass unsere politische Klasse gerade die Ersparnisse ihrer Bürger in Brüssel verzockt. Sondern über ein paar gesparte Zinscents und einen beleidigten Anruf zwischen zwei Männerfreunden a.D.

Ist es nicht nach allen früher einmal gängigen Kriterien der Grundanständigkeit weitaus niederträchtiger, einen privaten Anruf weiterzutratschen, für den sich der andere schon lange persönlich entschuldigt hatte? „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, der seit Wochen den Wulff jagt, hatte kunstfertig-genüsslich die Weihnachtstage und den Jahreswechsel abgewartet, und erst dann gelangte der Anruf auf seinem Handy „wie durch ein Wunder“ in die Redaktionsstuben von Kollegen. Journalisten stehen nicht ganz ohne Grund auf der nach unten offenen Beliebtheitsskala weit abgeschlagen hinter den Gebrauchtwagenverkäufern und selbst noch unter den von ihnen hochgeschriebenen oder niedergemachten Politikern.

Und jetzt vergießen Diekmann, Jakob Augstein, Stefan Aust und all die anderen ihre Krokodilstränen darüber, wie das Staatsamt, ja gar „der Staat“ als solcher von einem pösen Präsidenten „nachhaltig beschädigt“ werde. Von einem, den sie und mit der gebotenen Verzögerung nun auch noch der letzte Depp in der Lokalzeitung pflichtempört nach allen Regeln der Kunst gerade fertigmachen.
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http://www.ef-magazin.de/2012/01/03/3337-die-journalisten-und-der-fallengelassene-christian-wulff-neid-gnadenlosigkeit-oder-mehr
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Di Jan 24, 2012 18:24    Titel: Antworten mit Zitat

Heute beschäftigen wir uns mit dem WDR.

=== Wer hat an der Uhr gedreht ?

Politiker lieben die Gängelung. Je absurder, desto besser. Die Hände klebrig noch vom Dosenzwangspfand und unter dem kalten Licht der volksverbindlichen Energiesparfunzel denkt die rot-grüne Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen nun laut darüber nach, die Ladenöffnungszeiten an Werktagen wieder ordentlich zu reglementieren. Zukünftig müssten dann die Geschäfte um 22 Uhr (so wollen es die Grünen) oder gar bereits um 20 Uhr (das fordert die Linke, die der Regierung zur Macht verhalf) schließen. Wer später offenhält wird zum illegalen Dealer. Verfolgungs- und höchst bestrafungswürdig aber auch!

Der landeseigene Propagandasender WDR diskutierte in den vergangenen Tagen auf allen seinen Kanälen die „umstrittene Thematik“ – zeitgemäß, mit reger Zuschauerbeteiligung.

Passant A meint: „Also ich gehe ohnehin abends nicht einkaufen, von mir aus sollen die Läden ruhig wieder früh schließen.“ Dagegen Passant B: „Ich suche gerne noch die Geschäfte auf, wenn ich nach der Abendschule etwas zu essen benötige.“ Passant C: „Man muss doch auch an die Verkäuferinnen denken!“ Und Passant D: „Manche kommen aber erst spät nachhause und für die sind längere Öffnungszeiten doch praktisch.“ Dann Passant E: „Wir müssen wieder lernen, zu haushalten. Ich kann auch vorher planen, was ich abends noch essen will, dazu brauche ich nur einen Kühlschrank, kein Geschäft.“ Schließlich Passant F: „Wer unbedingt abends einkaufen gehen will, kann das doch auch bis 20 Uhr tun!“

Am Ende der Moderator: „Ob die Läden durch die längeren Öffnungszeiten mehr Umsatz machen ist höchst umstritten. Der Einzelhandelsverband spricht von x Prozent zusätzlichen Einnahmen. Die Gewerkschaft dagegen sagt, dass der Kuchen nur anders verteilt werde.“

Vom selbstverständlichen Recht und der Freiheit des Geschäftseigentümers, seinen Laden zu öffnen, wann es ihm beliebt, sprach in vielen Stunden intensiver Diskussion niemand. Vermutlich denkt auch keiner daran. Schule und Medien haben ganze Arbeit geleistet. Und so wurden Freiheiten und Rechte zu Geschmacksfragen und Launen. Eigentum? Nur, wenn die gesamtwirtschaftliche Statistik stimmt.

Morgen schon verbietet die Regierung dann das Tragen blauer Hosen. Und der WDR sendet: „Also ich zieh mir sowieso nur schwarze Hosen an.“ – „Manchmal finde ich blaue Hosen aber dennoch schön.“ – „Wir müssen doch auch mal an die Näherinnen denken.“ – „Manchen stehen die grünen Hosen nicht so gut, das muss man verstehen.“ – „Wer will, kann doch im stillen Kämmerlein seine blauen Hosen tragen. Öffentlich muss das doch nicht sein!“ – „Warum soll es auch unbedingt blau sein, weiße Hosen sind doch auch sehr schön.“ – „Es ist höchst umstritten, ob durch die Produktion blauer Hosen insgesamt ein höherer Hosenumsatz erzielt wird.“
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http://ef-magazin.de/2012/01/24/3385-amtliche-ladenoeffnungserlaubniszeiten-also-ich-finde-herr-mueller-muss-sein-geschaeft-schliessen
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Sarastro



Anmeldungsdatum: 23.05.2007
Beiträge: 706

BeitragVerfasst am: Di Feb 21, 2012 12:57    Titel: Antworten mit Zitat

Am Montag stimmt der Bundestag über die Griechenland Hilfen ab, der AEU Vertrag wird wie gehabt mit Zwang, Lügen und Mißbrauch de facto außer Kraft gesetzt. Mal sehen, ob sich der Gau(k)ler dazu äußert.

Medienlese: Übervolle Gummizellen

Ich fürchte, ich werde in diesem Land noch zum Misanthropen. Tut mir leid, aber ich kann nicht mehr anders. Wird man in Deutschland jetzt endgültig bekloppt? Der Grund für das Folgende ist eigentlich eine Lappalie: Ich habe den schweren Fehler begangen und nach längerer Zeit mal wieder einen Blick in den deutschen Blätterwald geworfen. Hätte ich es mal gelassen. Zum Beispiel habe ich beim „Spiegel“ reingeschaut. Die Deutschen, so das ehemalige Nachrichtenmagazin, könnten mit ihren ca. 8,6 Billionen Vermögen den Euro ja fast alleine retten! Schön schön, aber es handelt sich dabei um private Vermögen, die ja nicht von den Bäumen gepflückt, sondern erarbeitet wurden. Wie sollen wir denn da drankommen? Zwangshypotheken? Eine neue „Rundfunkgebühr“, die jeder zahlen muss, auch wenn er gar kein Wegsehgerät besitzt? Höhere Ökosteuern? Hausbesitzern immer neue noch so unsinnige Auflagen aus Gründen des „Umweltschutzes“ bescheren, damit der Motor nicht absäuft? Oder was schwebt euch da vor?

Aldous Huxley schrieb einmal, eine Diktatur, die auf Repressalien und Gewalt basiert, müsse zwangsläufig am Freiheitsdrang der Menschen scheitern. Eine Diktatur aber, die sich wissenschaftlicher Methoden bedient und ihre Unterdrückungs- und Ausbeutungsmechanismen in den Mantel vermeintlicher Wohltaten zu hüllen versteht, könnte, so Huxley, sogar tausend Jahre bestehen. Ah, jetzt verstehe ich auch die Sache mit dem Klimawandel und den ganzen Maßnahmen und Mehrbelastungen der Bürger aus „ökologischen Gründen“ etwas besser. Auch eine Art, an Geld zu kommen.

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„Den“ Griechen geholfen? Ach das ist der Grund dafür, dass sie sich tagtäglich mit einer Rose zwischen den Zähnen in den Armen liegen und in Olivenhainen lustwandeln. Also nochmal: von den Abermilliarden haben „die“ Griechen bislang keinen müden Cent gesehen. Die dienten nämlich der Sanierung angeschlagener Banken auf Steuerzahlerkosten; den Hellenen haben sie nicht auf die Beine geholfen und werden es auch nie. Man könnte nochmal 40, 60, oder 80 Milliarden lockermachen – es würde nicht das geringste nützen.

„Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung, die anhaltende bzw. wiederaufkeimende Finanzkrise, insbesondere die europäische Schuldenkrise?“, fragte „wirtschaftsblatt.at“ Gentleman-Komiker John Cleese einmal in einem Interview. Cleese: „Ehrlich gesagt amüsiert es mich, dass man plötzlich darauf gekommen ist, dass die wirtschaftlichen Schwächen von Ländern wie Griechenland, Portugal oder Irland Probleme verursachen. Ich hätte das jedem bereits vor 50 Jahren erzählen können“. Cleese for president!

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Glaubt irgendjemand immer noch, die „Causa Wulff“ hätte wegen eines lächerlichen Privatkredits von einer halben Million Euro solche Tsunamis losgetreten? Wie blind, wie naiv muss man eigentlich sein, wieviel ungerechtfertigtes Vertrauen in die Leitmedien kann man trotz aller Erfahrungen mit ihren mythomanischen, propagandistischen und auf sehr eigenwillige Art wirklichkeitsumformenden Neigungen erstaunlicherweise immer noch haben, um ihnen die Wulffowitz-Psychose als authentisch abzukaufen? Zehn Wochen massenmedialer Dauerterror – wegen 500.000 Euro, einer Hotel-Übernachtung, einem Urlaubsflug? Und nun ermittelt die Staatsanwaltschaft!

Nils Minkmar weinte in sein Schnuffeltuch, Wulff habe Freundschaft auf „verheerende Weise kommerzialisiert“ (sic!). Als gäbe es gewisse Interessenverflechtungen und „Vorteilnahmen“ erst seit Wulff. Übergewichtiges Kurzzeitgedächtnis? Wie war das noch mit Gerhard Schröder und Putin? Lupenreine Demokratie, im Gegenzug Gas zum Vorteilspreis? Von welchem Planeten aus faxen manche Leute eigentlich ihre Artikel durch den Subraum zur Erde? Die „BZ“ („Berliner Zeitung“) titelte vorgestern: „Bei allem Respekt – das war ein guter Tag für Deutschland“. Das ZDF wischte sich den Schweiß unmenschlicher Schwerstarbeit von der zwangssubventionierten Stirn und twitterte ganz geschafft: „Das war ein ereignisreicher Tag für uns Nachrichtenmacher“. Uns Nachrichtenmacher. Ich steckte mir den Finger in den Hals.

Unterdessen enteignen Angela Honerkel und Dr. Schäubuse das Volk, verbrennen Milliarden, riskieren damit – jetzt mal Augen auf und Klartext – den sozialen Frieden und die Zukunft einer ganzen Generation – und gehen völlig straffrei aus? Brechen EU-Vertragsrecht gleich dutzendweise – und keinem Staatsanwalt oder Verfassungsrichter fliegen Hummeln aus dem Po? Trotz allem weiterhin in Amt und Würden?

Ach doch, da gab´s diese fünf tapferen Gallier, die gegen die großrömischen Phantasien geklagt haben, aber das waren ja nur Populisten. Na, was könnte denn nicht stimmen an diesem Bild? Denken wir endlich mal ein bisschen nach? Beinahe hätte ich jetzt geschrieben „Meiner Meinung nach ...“, aber das spare ich mir: Die Aufführung um Wulffowitz war nichts anderes als ein Ablenkungs- und Verschleierungsmanöver. Der „Spiegel“ zum Rücktritt, gestern morgen auf Twitter in Richtung Merkel: „Die Zeit der Hinterzimmerdeals ist vorbei“. Sie wird zweifellos Tränen gelacht haben.

Denn das Gegenteil ist der Fall: Das massenmediale Bauernopfertheater in der Sache Wulff dürfte manche Hinterzimmerabsprachen auf EU-Ebene wesentlich erleichtert haben. Herbert Walter fasste es auf „handelsblatt.com“ so zusammen: „Wer – insbesondere als ausländischer Beobachter – in den vergangenen Wochen oder Monaten durch den deutschen Medienwald gewandert ist, hat unweigerlich den Eindruck gewonnen, dass die Menschen in unserem Land ganz wesentlich von zwei Problemen malträtiert werden: einem Bundespräsidenten in Berlin und einem Bahnhof in Stuttgart. Schön, wenn ein Land anscheinend nur solche Probleme hat. In anderen europäischen Staaten sieht das anders aus.“
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http://ef-magazin.de/2012/02/20/3423-medienlese-gaga-ladies-and-gentlemen
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